»Oh! Ooh! Oooh!« Mißbilligend schüttelte Herr Ludwig den weißen Kopf. Ein Diplomat schien er nicht zu sein. Statt Luisa zu beruhigen, wie es doch vermutlich seine Absicht war, blies er durch sein Verhalten kräftig in das Feuer ihrer Erregung.
»Zum Jesunder geh ich nimmer!« wiederholte sie unerbittlich. »Ich tu's nit, und müßt ich auch verzichten auf jede Seelentröstung.«
»Kind! Was hast du gegen den Jesunder?«
»Hochwürden?« Sie sah erschrocken zu ihm auf. »Wisset Ihr nimmer, was Ihr in meiner Kammer geredet habt zu mir?«
Da sagte er mit ernstem Vorwurf: »Was ich an junger Narretei hab sehen müssen in deiner Kammer und was wir geredet haben, das war gebeichtet. Nit? Und da liegt für mich ein Schleier des Vergessens drauf, den keine Menschenhand nimmer hebt. Genau so heilig wie der Beichtstuhl ist jedes menschliche Vertrauen. Eh' man da einem redlichen Priester ein Wörtl entreißen könnt, da tät er sich lieber die Knochen aus dem Leib herausbrechen lassen. Du tust dem Jesunder unrecht! Daß seine Mutter nit so schwerhörig ist, wie meine Schwester, dafür kann der Jesunder nichts. Oder – – Kind? Du wirst doch nit glauben, daß ich was ausgeredet hätt? Vor deinem Vater?« Ohne das heftige Kopfschütteln des Mädchens zu bemerken, sprach der Pfarrer in Erregung weiter: »Nein, liebes Kind! Dein Vater ist der wahrhafteste von allen Mannsleuten. Da müßt er im Leben zum erstenmal ein unwahres Wörtl geredet haben! Nein, nein, nein! Das kann ich nit glauben von einem so redlichen Menschen!«
Sie hatte in Hast das Gebetbuch und den Rosenkranz auf den Tisch gelegt. »So ist das nit. Daß der Vater von meiner so sündhaften wie törigen Narretei kein Fäserlein erfahren hat, das hab ich gut gemerkt. Der Vater –« Sie stockte. Und ihre Wangen fingen zu brennen an. »Der Vater glaubt was anderes von mir.«
»Was anderes?« fragte der Hochwürdige überrascht.
»Der Vater glaubt, ich hätt so einen hilflosen Wirbel im Köpfl, weil ich –«
»Weil du?« half Herr Ludwig nach.
»Weil ich dem Leupolt gutgeworden wär.« Sie fügte stammelnd hinzu: »Aus Sorg und Barmherzigkeit, meint der Vater.«