»Was hat er verschuldet?«
»Er hat sich — er hat —« Nein! Daß Mazegger ungebührlich über den Fürsten gesprochen hatte, das konnte Kluibenschädl seinem Herrn nicht ins Gesicht sagen. »Er hat sich unanständig geäußert. Über mich. Ja, über mich.«
Aber der Förster verstand sich so schlecht aufs Lügen, daß Ettingen die Wahrheit leicht erriet. Er betrachtete den Jäger, und da begegnete ihm ein so glühender Blick des Hasses, daß Ettingen befremdet zurücktrat. Was hatte er diesem Menschen getan, um solchen Haß in ihm zu erwecken? War das der törichte Zorn des widerwillig Dienenden gegen seinen Herrn? Die Eifersucht des Unbemittelten gegen den Besitzenden? Oder war es etwas anderes?
Ettingen hatte sich aufgerichtet. Auch ihm war das Blut in die Stirne gestiegen. Doch ruhig sagte er: »Wenn der Jäger sich unziemlich gegen Sie benommen hat, so bitt ich Sie, Herr Förster, ihm das nachzusehen. Ich hätt es auch getan, wenn er sich ungebührlich über mich geäußert hätte. Und würde mir gedacht haben, er weiß nicht, was er redet. Will er bleiben, so erweisen Sie mir den Gefallen, Herr Förster, und seien Sie gut zu ihm. Machen Sie ihm den Dienst so leicht wie möglich! Es sollte mich freuen, wenn er sein Unrecht einsähe und seine Stellung bei mir noch liebgewänne.« Ettingen nickte einen stummen Gruß und verließ die Hütte.
Der Förster vermochte vor Erregung kaum zu sprechen. »Da schau her, du!« sagte er, dicht vor Mazegger hintretend. »So is der Herr Fürst! Und wie bist du? Jetzt tu, was d' magst! Geh oder bleib! Ich will's halten, wie's der Herr Fürst von mir verlangt hat. Der gachzornige Katzensprung von neulich soll dir vergessen sein! Aber wenn ich dir noch a letztes Mal im guten raten därf — sei gscheit, Toni, und schlag dir um Gottes willen die unsinnige Narretei aus'm Kopf! Nimm Vernunft an, Bub, und verscherz dir wegen nix und wieder nix net an Posten, wo dir an ehrenhafte Stellung fürs ganze Leben machen kannst! Mehr hab ich nimmer z'sagen. Bhüt dich Gott!« Er ging.
Als er draußen am Fenster vorüber schritt, sah er, daß der Jäger noch immer mitten in der Stube stand, wie er ihn verlassen hatte.
Mazegger lächelte. Er durfte bleiben, wo es ihn festhielt mit allen Klammern seiner Leidenschaft. Alles andere war ihm gleichgültig.
Als er den Schritt des Försters verklingen hörte, hob er das Gesicht. »Nach Ehrwald?« Wieder lächelte er. Nach Ehrwald gab es zwei Wege, von denen der eine nicht weit am Sebensee vorüberführte. Und am verwichenen Abend, als Mazegger neben der Geißtaler Almstraße im Walde gelegen, war Lolo Petri an ihm vorübergewandert, das Grautier führend, auf dem ihr Bruder ritt.—