Sie hatte den Brief noch nicht vollendet, als vom See herauf ein jubelnder Schrei tönte. »Lo! Lo! Wir haben eine riesige Forelle gefangen.« Und Gustl jauchzte, daß es weit hinaufhallte über die steilen Berge.

Als Lolo den Brief an die Mutter geschlossen hatte, ging sie zum See hinunter.

Gustl kam ihr entgegengesprungen, mit der Forelle in den erhobenen Händen. »Schau nur, Lo! Und drei andere haben gebissen. Aber die ist schön, gelt? Die ist schön?«

Gar so »riesig« war die Forelle nun freilich nicht, aber ein Pfund mochte sie immerhin wiegen.

»Ja, die ist schön. Ich nehme sie dann gleich mit hinauf. Die koch ich dir heut zu Mittag.«

»Aber Lo! Ich habe die Forelle doch für dich gefangen.«

Lächelnd sah sie dem Knaben in das vor Freude glühende Gesicht. »Wie gut du bist! Aber wir teilen, gelt?« Sie wandte sich an den Hüterbuben. »Loisli! Du wirst heim müssen. Jetzt warst du schon über eine Stunde da, und der Vater wird dich bei der Arbeit brauchen. Magst du mir noch einen Gefallen erweisen?«

Der Bub legte die Angelrute nieder.

»So trag mir diesen Brief zum Sebener Senn hinunter. Er soll ihn mit hinausnehmen nach Leutasch, für meine Mutter.«

Zwei Stunden später wurde im Schatten des Harfenbaumes Tafel gehalten. Nach der blauen Forelle gab's noch einen Pfannkuchen, von welchem Gustl meinte, daß er den Pfauenzungen des Lukullus unbedingt vorzuziehen wäre. Und in den Gläsern funkelte »vinum sacrum Sebenianum«, heiliger Sebenwein, wie Gustl das klare Quellwasser getauft hatte. Fast aber wäre die ganze schöne Bescherung dieses Mahls auf der Erde gelegen, denn ein Windstoß blähte das Tischtuch wie ein Segel auf. Das war für Gustl eine lustige Würze des Schmauses, und lachend trocknete er den vinum sacrum von seiner Lederhose, auf die das umgeschleuderte Glas gefallen war.