»Meinen Sie?« Er schwieg und lächelte, als hätte er zu sich gesagt: »Ich will's versuchen.«
Da hörten sie einen schweren Atemzug und blickten auf.
»Ach Gott! Der arme Junge!«
Gustl war eingeschlafen. In unbequemer Lage hing ihm der Kopf über die Lehne des Diwans.
Während Lo zum Bruder hinüberging, riß auch Pepperl die Augen auf, der ebenfalls ein Nickerchen gemacht hatte und nun erwachte, weil die Stimmen so plötzlich schwiegen.
Die Ermüdung der beiden mahnte Ettingen an die Zeit, an die er seit dem Eintritt in die Hütte mit keinem Gedanken gedacht hatte. Er sah nach der Uhr und sprang erschrocken auf. »Ach, du lieber Himmel! Zwölf Uhr! Fräulein! Ich habe Sie um die halbe Nacht gebracht. Wie soll ich meine Unbescheidenheit entschuldigen? Ich kann es nur, wenn ich Sie zur Mitschuldigen mache. Der Gast ist geblieben, weil ihn die Wirtin hielt. Jetzt aber fort! Auf, Pepperl! Wir gehen.«
Gehorsam erhob sich der Jäger. Aber Lo sagte: »Sie können und dürfen nicht gehen. Das Gewitter scheint ja vorüber zu sein, man hört keinen Donner mehr. Aber dieser Regen, wie das gießt! Und jetzt, in der Nacht? Dieser Weg! Nein. Ich erlaube nicht, daß Sie gehen.«
»Duhrlaucht, 's Fräuln hat recht!« fiel Pepperl ein und öffnete die Tür. Ein sausender Luftstrom fuhr in die Hütte und peitschte den Regen über die Schwelle. »Da schauen S' aussi, wie's tut! Und so was von Finsternis! Da könnten wir den Hals riskieren. Na na, die Verantwortigung übernimm ich net. Jetzt müssen wir bleiben. 's Fräuln wird net harb sein drum. Gelten S', na?«
Lo reichte dem Fürsten die Hand. »Wenn Sie gingen, würden Sie mir eine Sorge machen. Ich bitte Sie, zu bleiben.«
Ihre Hand festhaltend, ließ Ettingen sich auf den Sessel nieder. »Gut! Ich weiche der Majorität. Aber Gewissensbisse mach ich mir doch! Und eine Bedingung stell ich: der arme Junge ist müd, er soll sich niederlegen. Nicht wahr, Gustl, vor mir genierst du dich nicht?«