»So, ja, sehen Sie mich nur immer an!«
Er ließ keinen Blick von ihr. Aber wenn sie ihn ansah, so ruhig prüfend, ging aus ihren Augen etwas über auf ihn, daß er aufatmete, wenn sie das Gesicht wieder senkte, um ein paar rasche, kräftige Striche in das Buch zu zeichnen. Ein paarmal zuckte es durch seine Glieder, als wollte er aufspringen. Doch er blieb ruhig. Ein andermal bewegte er die Lippen, wie um zu sprechen. Doch er schwieg.
Die Sonne war hinuntergegangen, das ganze Seetal lag vom Abendschatten überwoben, und die Dämmerung begann.
Mit der langen schwankenden Angelgerte über der Schulter kam Gustl vom See herauf.
»Hast du was gefangen, Bubi?«
»Nein, Lo, heut bin ich Schneider geworden. Morgen scheint es wieder das wunderbarste Wetter zu geben, denn heute beißen sie gar nicht an.« Freundlich nickte Gustl dem Jäger, den er nicht kannte, einen guten Abend zu, stellte die Gerte an die Hüttenwand, kam zum Tisch und wollte neugierig über die Schulter der Schwester in das Buch blicken.
Sie schob ihn fort, als wäre das ein Bild, das er nicht sehen sollte. »Räum deine Bücher zusammen und trag sie in die Hütte. Wir bekommen Tau. Dann kannst du auch in der Stube gleich die Lampe anzünden und Feuer machen zum Tee.«
Sie sah dem Knaben nach, bis er in der Hütte verschwunden war. Dann verglich sie mit einem letzten prüfenden Blick ihre Zeichnung und das Modell, nickte ruhig vor sich hin und erhob sich. »So, ich danke Ihnen!« Sie löste das Blatt aus dem Buch.
Mazegger fragte unsicher: »Darf ich das Bildl sehen?«
»Gewiß!« Sie legte das Blatt auf den Tisch. »Ich schenk es Ihnen.«