Sie prüfte die Seide, hielt das Tuch ans Licht und versuchte, wie es sich falten ließe. »Aber geh, jetzt setz dich her, jetzt koch ich dir gleich was auf! Magst saure Nocken? Tut dich hungern? Gelt?«
»Ja, hungern, ja, und saure Nocken, ja, die kunnt ich brauchen. Und weißt, a bißl dürsten, ja, a bißl dürsten tut mich.«
»Da hol ich dir gleich a Schüsserl Milli.«
»Milli?« Der Alte bewegte den Mund, als hätte er eine bittere Zunge. »So so? Milli krieg ich? Milli?«
Burgi war in die Kammer getreten. Ehe sie die Milchschüssel holte, legte sie vor dem Spiegelscherben, der neben dem Fenster an die Wand gepickt war, das seidene Tuch zur Probe um den Hals.
»Milli krieg ich? So so? Milli?« Als hätte dieser Gedanke einen Zusammenhang mit dem Praxmaler-Pepperl, so guckte sich der Alte plötzlich um, wo denn der Jäger geblieben wäre. Und als er sah, daß an der Tür gewackelt wurde, ging er hin und schob den Riegel zurück. Ehe die Tür noch richtig offen war, drängte Pepperl sich schon mit beiden Ellbogen herein.
»Du, Jager, du, zu dir bin ich kommen, weißt, du hast mir was versprechen lassen, ja!«
»Was ich versprochen hab, dös kriegst! Z'erst aber muß ich reden mit dir. Da setz dich her an' Tisch!«
Als die beiden sich auf die Holzbank niederließen, trat Burgi mit der Milchschüssel in die Stube. Den ersten Schreck über die Stimme, die sich in der Sennhütte hören ließ, schien sie in der Kammer übertaucht zu haben. Wohl brannte ihr das Gesicht wie Feuer, doch mit spöttischer Ruhe sagte sie: »Ah, da schau her! Der Pepperl!«
Sie stellte dem Vater die Schüssel hin und legte den Brotlaib mit Messer und Löffel daneben. Dann stemmte sie die Fäuste in die Hüften und lachte dem Jäger höhnisch ins Gesicht. »Hat mir net einer gsagt: du gingst mir nimmer eini in d' Hütten?«