»Aber bleib net z'lang! Morgen in der Fruh um fünfe mußt mit'm Herrn von Sensburg zur Gamspirsch auffi!«

»Mit dem? Da dank ich schön! Vor dem laufen die Gamsböck auf tausend Schritt davon! Wo soll ich denn hin mit ihm? Zum Sebensee?«

»Na, na! Grad hat's der Herr Fürst gsagt: überall kann er hingehn, bloß net zum Sebensee. Gehst halt hin, wo d' meinst, er verdirbt nix. Und schießen kannst ihn lassen, auf was er mag. Treffen tut er eh nix, der! Aber jetzt geh, Pepperl, und sei vergnügt!«

»No ja! Meintwegen!« Pepperl seufzte, als wäre für ihn der Weg zur lustigen Sennhütte eine »viel härtere Sach« als die Gemspirsche, die ihm für den kommenden Morgen drohte. Stolpernd verschwand er in der Nacht.

Der Förster zündete in der Hütte die Lampe an. Da hörte er einen Wagen kommen. Es war ein Einspänner aus Innsbruck, der das Gepäck des Grafen brachte. Kluibenschädl lief zum Jagdhaus hinauf. Am Wohnzimmer des Fürsten mußte er ein paarmal pochen, bis man ihn hörte — so erregt, wenn auch mit gedämpften Stimmen, wurde da drin gesprochen.

Als der Förster den von einer großen Lampe erleuchteten Raum betrat, saß Graf Sternfeldt in einem Fauteuil, und Ettingen stand mitten im Zimmer. So hatte Kluibenschädl seinen Herrn noch nie gesehen: mit dieser Zornader auf der Stirn, mit diesen blitzenden Augen. »Ich bitt um Vergebung, Duhrlaucht, aber ich hab nur dem Herrn Grafen melden wollen, daß seine Sachen eintroffen sind.«

Ettingen nickte, als hätte er nicht recht gehört. Und zum Fenster tretend, preßte er die Hand an seine glühende Stirn.

»Ja, lieber Förster, ich danke Ihnen«, sagte Sternfeldt und erhob sich, »lassen Sie drunten im Fremdenhaus die Sachen einstweilen in mein Zimmer schaffen, ich komme gleich. Es ist Zeit für mich, daß ich mich aufs Ohr lege. Ich bin müd und merke, daß ich meinen alten Knochen mit diesem Ritt mehr zugemutet habe, als ihnen lieb ist. Na, hoffentlich schlafe ich heut in meinem delogierten Bett so gut, als ob es noch an seinem alten Platz stünde.« Lachend trat er zum Schreibtisch und brannte eine Zigarre an. »Also, lieber Förster, ich komme gleich.«

Kluibenschädl streifte zum Abschied seinen Herrn mit einem scheu besorgten Blick.

Eine Weile war's still im Zimmer. Ettingen blickte durch das Fenster in die sternhelle Nacht hinaus. Obwohl die Scheiben geschlossen waren, konnte er den heiteren Spektakel hören, den die junge Gesellschaft drunten in der Sennhütte trieb.