Heiser lachte Mazegger.
»So, so? Lachen tust über 's Fuierl? Hast halt noch Hitzen im Blut und brauchst kein Fuierl, gelt? Wart nur a bißl, 's kommt für an jeden, 's Frieren! Jung sein heißt dumm sein. Wann er gscheit wird, der Mensch, fangt 's kalte Frieren an. Da merkt er, daß 's Fuierl 's einzig is, was bleibt! Hihihihi! Weiberleut und Lieb und Haß, Gut und Geld und Burgermeister sein, alles is Wasser und gfriert in der Kält! 's Fuierl is 's einzige! Macht so schön warm! Da kann er schlafen, der Mensch. Gut schlafen!« Kichernd griff der Alte mit seinen dürren Händen nach den Flammen, während draußen im Stall der Senn über die Kühe fluchte, die beim Melken nicht ruhig hielten. »A bißl spat, Jager, a bißl spat bist aufm Marsch? Wohin denn heut noch?«
»Nach Ehrwald. Und dürsten tut mich. Magst mir an Trunk vom Brunnen holen?«
»So? Frisch vom Brunnen? So viel gnäschig bist? Hihihihi! Aus'm Ganterl taugt's dir net? Gleich vom Brunnen mußt es haben und tust mich furthetzen vom Fuierl?« Seufzend erhob sich der Alte, nahm eine Blechkanne und verließ die Hütte.
Mazegger sprang auf, riß zwei Kienfackeln von der Mauer herunter und schob sie zu einem Rauchloch hinaus. Sie fielen draußen mit dumpfem Klatsch in die Kräuter.
Der Alte brachte die gefüllte Kanne. »So, du Gnäschiger, da hast dein Trunk, dein kalten!« Gähnend setzte er sich wieder zum Feuer und wühlte die Füße in die Asche. »Jetzt laß mich aber in Ruh, gelt!«
»Ja. Jetzt hab ich, was ich brauch!« Mazegger tat einen Trunk aus der Kanne. »Gut Nacht!« Er nahm seine Büchse und ging.
Draußen raffte er die beiden Fackeln auf, barg sie unter dem Wettermantel und eilte über das Almfeld hinaus. Als er den Waldsaum erreichte, blieb er stehen. Der Nebel war so dicht, daß die Sennhütte völlig im Grau verschwand und daß von dem Lichtschein, den das Herdfeuer durch die Tür warf, kaum noch ein Schimmer zu erkennen war. Deutlich hörte man noch die Stimme des Sennen, der mit seinem Weib und mit den Kühen schalt.
Mazegger wartete. Als es mit Anbruch der Nacht in der Sennhütte ruhig wurde, steckte er eine Fackel in Brand und stieg durch den Wald empor. Im Nebel erhellte die Fackelflamme nur einen Umkreis von wenigen Schritten. Verschwommen tauchte der hohe Reisigwall des Almzaunes auf, wie eine dunkle Mauer, in die eine Bresche gebrochen ist. Diese Lücke war der Weg, den er gehen mußte; nur dünne Stangen versperrten ihn.