Der kalte Blick rührte in Pepperl den Zorn zum Sieden auf. »Sie! Bleankeln S' net so mit Ihrem ausgwaschnen Gschau! Mich verschlucken S' noch lang net! Und mit solchene Augen können S' enkere Frauenzimmer in der Stadt drin anschauen, aber kein Madl bei uns da heraußen!«
Ohne auf Pepperl zu hören, war Martin zum Tisch getreten. »Geht einer von den Leutascher Jägern noch heut nach Hause?«
»Jawoll!« erwiderten Birmoser und Ruef.
Dem letzteren, der von beiden der minder bekneipte zu sein schien, reichte Martin ein großes Kuvert, das er aus der Brusttasche zog. »Übergeben Sie dieses Kuvert, das zwei Briefe enthält, morgen früh in Leutasch dem Postboten. Die Briefe sollen erst auf der Post in Seefeld aus dem Kuvert genommen werden. Das ist strenger Befehl Seiner Durchlaucht. Haben Sie verstanden?«
»Jawoll!«
Mit gnädigem Lächeln wandte sich Martin zur Sennerin, die wortlos dastand. »Gute Nacht, mein schönes Kind!« Freundlich klopfte er sie auf die Wange, dann hob er die Laterne, um seinen Weg zu beleuchten, und verließ die Hütte.
Mit keinem Blick sah Burgi dem Abziehenden nach, sondern hielt die zornblitzenden Augen auf Pepperl gerichtet. Die drei Jäger hinter dem Tisch begannen zu lachen und wollten mit derben Späßen über den unbehaglichen Augenblick hinüberturnen. Da trat die Sennerin vor Pepperl hin. »Du! Jetzt will ich dir was sagen!« Ihre Stimme zitterte. »Wir sind zwei gute Freund gwesen in aller Lustbarkeit. Net mehr und net weniger. Aber von heut an hat's an End. Solchene Sachen leid ich net in meiner Hütten. Da kannst dir an anders Platzl suchen!«
»So? So?« kollerte Pepperl. »Is dir am End schon Angst um ihn, weil ich ihm seine schmalzigen Haar a bißl aufkampelt hab?« Höhnend deutete er mit beiden Armen nach der Tür. »So geh doch, geh — main scheenes Gindd — und führ ihn am Armerl, daß er net stolpert. Wann er sich's Nasenspitzl verstaucht, wer weiß, leicht gfallt er dir morgen nimmer.«
Den Ärger verbeißend, sagte das Mädel ruhig: »Sei stad, gelt! Du rauschiger Unfürm du! Und kümmer dich lieber, daß du an Helfer findst, der dich heut noch auf'n Strohsack lupft! Und der ander? Der soll mich anschaun wie er mag! Dich frag ich noch lang net drum. Net heut und net morgen. Und überhaupt, heut hab ich gnug — von enk alle mitanander!« Sie packte den hölzernen Wassereimer und goß seinen Inhalt über das müd flackernde Herdfeuer, so daß unter dem plätschernden Guß auch das letzte Flämmlein erlosch. Es wurde ein bißchen duster in der Hütte. Das tränende Kerzenlicht, das die große Stube nicht aufzuhellen vermochte, sah aus wie das hilflose Waisenkind einer verlorengegangenen Sternmutter.