Ein Aufglänzen selbstloser Schutzengelfreude leuchtete über das Gesicht des Jägers. »Gott sei Lob und Dank! 's Madl muß abtragen. Da kommt's vor Abend nimmer zruck!« So rechnete Pepperl in Gedanken. »Derweil is der Herr Fürst wieder daheim. Und da muß er bei der Arbeit sein, der Gschniegelte!« Mit einem seelenvergnügten Jauchzer quittierte er das Ergebnis dieser Rechnung und rief — unverkennbare Schadenfreude im Ton der Stimme — über das Almfeld: »He! Burgi! Tu dein braven Vatern schön grüßen, gelt!« Und mit langen Sprüngen hetzte er schräg durch den Wald hinunter.

Es dauerte nicht lang, da erschien unter der Türe des Fürstenhauses der Herr Kammerdiener in weiß und grün gestreifter Hausjacke, eine Zigarre zwischen den Zähnen und ein weißes Hütchen auf dem schön frisierten Kopf. Den Rauch in die Sonne blasend und dazwischen eine Arie aus Rigoletto pfeifend, spazierte er über das Almfeld hin und her. Wie zufällig geriet er vor die Sennhütte — und fand die Tür verschlossen.

»Fräulein Burgi!« rief er leis durch die Ritzen der Bretter. »Fräulein Burgi!«

Als er keine Antwort erhielt, wanderte er verstimmt davon. Beim Jägerhäuschen blieb er stehen und blickte durch das offene Fenster.

Drinnen lag Mazegger angekleidet auf dem Bett, das Gesicht in die Arme vergraben.

»Heda! Sie!«

Der Jäger erhob sich. Seine Augen waren heiß gerötet.

»Halten Sie sich fertig bis in einer Stunde. Sie haben einen Brief nach Leutasch zu bringen, der noch heut mit der Post nach Innsbruck muß.«

Mazegger biß die Zähne übereinander.

Als gält' es ein hochwichtiges und unaufschiebbares Geschäft zu erledigen, eilte Martin ins Fürstenhaus hinauf, holte aus seiner Kammer ein Notizbuch und ein Zentimeterband, begab sich in das »Grafenstübchen« und verriegelte hinter sich die Tür. Hier saß er eine Weile und betrachtete nachdenklich den anspruchslos möblierten Raum und die weißgetünchten Wände. Dann maß er alle Mauern und Fenster ab — und begann in sein Notizbuch eine lange Liste zu schreiben: