Als die beiden zur Hütte kamen, legten sie Jagdzeug und Joppe ab, und während sich Benno vor der Hütte behaglich auf eine Holzbank streckte, schickte sich Friedl an, den Bock aufzubrechen. Da fand er auch Bennos erste Kugel, die zwischen den Schultern eingedrungen und im Brustknochen steckengeblieben war. Er hatte seine rote Arbeit noch nicht vollendet, als Anderl eintraf, der nun gerechtermaßen den seltsamen Schuß, die „Güte“ des Bockes und seine schönen Krickeln bestaunte. Friedl hängte das ausgeweidete Wild an einen Holznagel der Hüttenwand und schürte in der Herdstube ein Feuer an. Anderl holte Wasser von einer nahen Quelle, und bald schmorte und brodelte es in zwei eisernen Pfannen: die Leber des erlegten Wildes für die Jäger, die Lunge für den Hund. Während Friedl gewissenhaft das werdende Mahl überwachte, saß Anderl auf einer Herdecke und rauchte aus seiner kurzen Porzellanpfeife einen Tabak von zweifelhaftem Wohlgeruch. Dabei erzählte er von seinen Jagderlebnissen in der Hinterriß, erzählte, daß ein paar Fälle von Wildseuche vorgekommen wären, daß man den Jagdherrn für einige Wochen erwarte, und daß Pater Philippus, der Seelsorger von Hinterriß, einen neuen Kräuterschnaps erfunden hätte, der ganz vorzüglich munde, besonders nüchtern genommen des Morgens, mittags vor und nach dem Essen, und abends beim Schlafengehen. „Und wachst in der Nacht a bißl auf, da schmeckt er am besten. So a Schnapserl! Wer’s net kennt, der weiß net, was dös is! Ich sag dir’s, Friedl, es wär der Müh wert, daß d’ bald amal hinter kämst in d’ Riß, um dir vom Pater Philippus so a Glasl einschenken z’lassen!“

„Ich lauf doch wegen eim Glasl Schnaps net bis in d’ Hinterriß. Da möcht der Förstner a schöns Gsicht machen, wann ich um Urlaub zum schnapsen einkäm.“

„So such dir an andern Fürwand! Vielleicht gehst deim verehrten Freund und Spezi auf d’ Hochzeit?“

„Hochzeit? Wer macht denn Hochzeit?“

„Weißt denn du nix davon, daß der Huisenblasi in sechs Wochen dem Grenzbauern von Hinterriß sein Madl heiret, die Margaret?“

Friedl erschrak. Er dachte an Modei und an alles Leid, das diese Nachricht ausschütten mußte über ihr Leben. Er sah sie wieder, wie sie am Morgen vor ihm gestanden, bleich und stumm. Nun wußte er zu deuten, was am verwichenen Abend in Modeis Hütte geschehen war. Er sprang vom Herd auf. Ihm war, als müßte er hinausstürmen zur Tür, hinüber zu der einsamen Hütte.

Anderl guckte verdutzt an ihm hinauf. „Bub, was hast denn auf amal?“

Schweigend ließ sich Friedl auf die Herdbank nieder und hob den Hund zu sich herauf, der aufmerksam die beiden Töpfe beäugt hatte, aus denen der Dampf sich emporkräuselte zur Hüttendecke. Friedl streichelte dem Hund die glänzende Stirn, und als Bürschl unter dem Behagen dieser Liebkosung sich an ihm hinaufreckte, drückte der Jäger sein Gesicht an den Kopf des Tieres.

Anderl lachte. „Du wirst den Hund bald verzogen haben! Aber über den Huisenblasi, scheint’s, is net gut reden mit dir? Hast schon recht! Wenn man auch in der letzten Zeit nix mehr ghört hat – lassen hat er ’s Wildern deswegen doch net. Da könnts ös in Fall enk gratalieren zu seiner Hochzeit. D’ Margaretl is a Scharfe. Dö hat Haar auf die Zähn und wird ihm ’s Wildern schon austreiben.“

Friedl nickte, ließ den Hund zu Boden springen und rief Benno zur Mahlzeit in die Hütte.