„Eine Mädchenstimme!“ sagte Desertus. „Und sie klingt wie der Schrei eines verzweifelten Herzens.“
„Dort oben ist jemand in Not! Lasset uns rascher ausschreiten! Vorwärts! Vorwärts!“ befahl Herr Heinrich.
Als sie eine gute Strecke Weges weiter emporgekommen waren, klang abermals der Ruf: „Hoidoooh! Hoidoooh!“ Trotz der Dämmerung nahm Herr Heinrich mit seinem scharfen Auge auf einem vorspringenden Fels unfern der Jagdhütte die Gestalt des rufenden Mädchens wahr. Er höhlte die Hände um den Mund und gab den Ruf zurück.
Das Mädchen mußte den Ruf vernommen haben, denn man hörte einen Schrei, wie in Freude und doch in Jammer, und dann, vom Winde herabgetragen, die gellenden Rufe: „Leut! Leut! Um Gottes willen, da her, da her! Hoidoooh!“
„Diese Stimme!“ murmelte Desertus. „Ich habe sie schon gehört!“ Und den anderen voran eilte er, so rasch es der steile Weg gestattete, durch die Sunke des Tals empor. Herr Heinrich hielt sich nahe hinter ihm, Herr Schluttemann blieb keuchend zurück, Frater Severin rang atemlos die Hände und fiel auf einen Steinblock nieder.
Als Desertus den Fuß der letzten Höhe erreichte, kam Gittli mit jammernden Worten ihm entgegengestürzt.
„Sie ist es!“ stammelte er, und drückte, den Schritt verhaltend, die zitternde Faust auf seine Brust.
Nun stand sie vor ihm; wirr hingen ihr die Haare um das bleiche, von Angst verstörte Gesicht. Sie wollte sprechen, da erkannte sie ihn und erschrak. Sie machte eine Bewegung, als hätte sie fliehen mögen; aber die Sorge um jenen anderen bannte in ihr die Furcht vor diesem einen. Schluchzend fiel sie vor ihm nieder und schrie: „Helfet ihm! Helfet ihm!“
Er hob sie auf. „Wem soll ich helfen? Rede, Mädchen, rede doch!“
Da klang die Stimme Herrn Heinrichs: „Was ist geschehen?“