Tag um Tag verging, und Zenza wurde immer stiller und verdrossener. Der Kropfenjörgi hatte viel mit der Herde zu schaffen, aber in jeder freien Minute lief er hinter dem Mädel her wie ein Hund hinter seinem Herrn. Mit dem Spürsinn der Eifersucht fand er bald heraus, wo die Ursach ihrer schlimmen Laune zu suchen wäre. Zenzas Augen blickten nie so finster, als wenn Haymo auf seinem Hegergang in die Nähe des Almfeldes kam.

„Sennerin? Hat dir der Jäger was getan?“ fragte der Kropfenjörgi zu dutzendmalen.

Zenza hatte immer die gleiche Antwort: „Laß mich in Ruh!“

Eines Abends trat ihr der verschlossene Zorn doch auf die Lippen. Da saßen sie am Herdfeuer. Draußen ging ein Schritt vorüber. Zenzas Augen flammten, und ihre Hände zitterten.

Jörgi schlich aus dem Winkel hervor. „Sennerin?“ fragte er mit heiserer Stimme. „Sag mir’s! Hat dir der Jäger was getan?“

„Ja. Einen Schimpf hat er mir angetan, an dem ich erstick! Und jetzt laß mich in Ruh und frag nimmer!“

Jörgi trat vor die Hütte. Ringsumher, mit leise klingenden Glocken, lagen die wiederkäuenden Rinder im Gras. Sie hatten alle den Kopf nach dem Jäger gewendet, der in der sinkenden Dämmerung über den Almhang emporstieg. Jörgi ballte die Fäuste.

„Wart du! Wir zwei, wir wachsen zusammen!“ Sein funkelnder Blick folgte der Gestalt des Jägers, bis sie im schwarzen Schatten des Waldes verschwand.