Desertus wollte nichts wissen von Ruhe. Er ging nur, um das Kleid zu wechseln. Dann ritten sie zum Klosterhof hinaus. Vor Mittag erreichten sie Bartholomä.
„Nun? Wie geht es deinem Kranken?“ fragte Herr Heinrich.
Eusebius lächelte. „Sagt, Herr, habt Ihr schon einmal einen Stein in die Höhe fallen sehen und ein Wasser bergauf laufen? Nein? Dann passet nur auf, Ihr seht es gewiß noch! Denn der Mann wird gesund. Freilich, den lahmen Arm muß er sich gefallen lassen.“
Herr Heinrich und Desertus traten in die Klause. Auf reinlichem Lager ruhte Wolfrat, abgemagert bis auf Haut und Knochen. Brust und Arme lagen noch im Verband; die Rißwunden im Gesicht waren geheilt und hatten kaum merkliche Narben zurückgelassen.
Wolfrats Augen leuchteten auf, als er den Propst in der Tür erscheinen sah. „Grüß Gott, Herr! Gelt, ich darf schon gleich fragen: wie geht’s meiner Seph?“
„Ein paar Wochen noch, Wolfrat, und dein Weib ist wieder kerngesund.“
„Vergeltsgott, lieber Herr! Und mein Bub?“
„Der ist kugelrund geworden. Freilich,“ Herr Heinrich lachte, „er war in Klosterkost.“
Desertus trat in mühsam verhehlter Erregung an das Lager des Sudmanns.
„Jetzt kenn ich Euch erst, Herr Pater!“ sagte Wolfrat mit schwankender Stimme. „Euch muß ich ein festes Vergeltsgott sagen. Hättet Ihr selbigsmal nur ein kleines Weil später zugestoßen, dann wär’s aus gewesen mit mir.“