„Was, mein Junge?“

„Daß Ihr am Fasttag nit auch eine Hirschkeule auf die Tafel setzt.“

In Entsetzen klatschte der Frater die Hände zusammen. „Haymo! Du gottverlorener Mensch!“

„Warum? Die Hirsche äsen Gras und Kräuter. Also muß ihr Fleisch ein Gemüse sein, wie Kohl und Rüben. Und das ist doch Fastenspeis.“

Der Küchenmeister machte ein verdutztes Gesicht; dann schlug er lachend die Hand auf den Tisch. „Schade, schade, Haymo, daß du kein Klerikus geworden! In dir steckt ein Kirchenlicht. Und das soll nit umsonst geleuchtet haben! Im nächsten Kapitel mache ich den Vorschlag, daß man alles Wildbret als Fastenspeis erklären soll.“ Nachdenklich schwieg er und schüttelte den Kopf. „Nein! Ich tu’s doch lieber nit. Am Ende drehen sie den Spieß um und sagen: wie der Hirschbraten kein Gemüse ist, so ist der Biberschwanz kein Fisch, obgleich er Schuppen hat. Und Biberschwanz ess’ ich für mein Leben gern. Gib her ein Bröckl!“ Und aus dem ‚Bröckl‘ wurde mit Kosten und Kosten der halbe Braten. „Gelt, du? Das rutscht wie Butter.“

„Ja, Frater, ein feiner Braten! Der kommt wohl von weither?“

„Von der Donau. Dort leben die Biber zu Hunderten in ihren Wasserdörfern. Von Straubing bis weithinunter gegen Wels hat der Passauer Bischof das Jagdrecht. Mit dem letzten Salzkarren hat er uns ein Dutzend geschickt, wickelfette Kerle!“

„Von Passau? Ist das von dorther, von wo der neue Pater Fischmeister gekommen ist?“

„Warum fragst du?“

Haymo wurde rot. „Ich mein’ nur so. Ich hab ihn gesehen, heut früh am See.“