29.
Es war Herbst geworden. Von den Buchen fiel das welke Laub, und in den kühlen Nächten begannen schon die Hirsche zu röhren.
Wieder erwachte ein Morgen über dem See. Ein grauer, schwerer Nebel lagerte über dem Wasser und flutete um die Bartholomäer Klause. Man konnte kaum auf zwanzig Schritte sehen. Die Tür der kleinen Kirche war offen, und im Dämmerlicht der schmalen Halle stand Pater Eusebius neben dem Altar. Auf den Stufen kniete Wolfrat. Als er sich erhob, schlug er das Kreuz mit der linken Hand; der rechte Arm, den der Ärmel umhüllte wie einen dürren Stecken, hing in einer ledernen Schlinge.
Schweigend traten sie ins Freie und gingen zum Ufer.
„Schau, Wölfi, da wartet schon das Schiffl!“ sagte Pater Eusebius und legte seine Hand auf die Schulter des Sudmanns. „Jetzt schau halt, daß du gut heimkommst. Und sei gescheit und mach keinen Streich mehr!“
Wolfrat schüttelte den Kopf und tappte nach der Hand des Paters. Die Augen gingen ihm über. „Vergeltsgott für alles, Vergeltsgott tausendmal!“ So stammelte er und quetschte dabei die Hand des Paters, als wäre sie eine Nuß, die er knacken müßte.
„So hör doch auf!“ stöhnte Eusebius und befreite seine rotüberlaufenen Finger. „Der Kerl druckt noch mit einer Hand wie ein anderer mit zwei Fäusten. Jetzt aber mach, daß du weiterkommst! Oder hast du an den fünf Monaten daherin nicht genug gehabt? Geh, Wolfrat! Wenn der Schnee fallt, komm ich auch hinaus, und dann schau ich schon einmal, wie’s geht bei dir daheim.“ Er schob den Sudmann in das Schiff, in dem ein Knecht schon das Ruder bereit hielt.