Frater Severin mußte Atem holen.
„Wir brüllen noch alle, derweil das Fröschl munter und vergnügt schon auf der Anrichttafel herumhupft und einen Ausweg sucht. Da merk ich gählings, daß der Frater Küchenmeister nimmer lacht. ‚Bruder, was ist dir?‘ frag ich. Und wie ich ihn anrühr beim Ellbogen, rutscht er langsam von der Tafel auf den Boden hin. Und ist ein maustoter Mann gewesen! — Freilich, der Tod schaut allweil aus wie ein trauriges Ding. Aber am Lachen sterben? Ist das nit besser, als sterben an der Pest?“
Wolfrat nickte. „Ich wollt, ich tät das Lachen schon wieder können!“
Eine Weile schwieg der Frater. Dann sagte er ein bißchen verdrießlich: „Mir hat man selbigsmal den Fürwurf gemacht, ich hätt nit obacht gegeben auf das Fläschl mit dem Nießwurzgeist. Zehn Tropfen, heißt es, machen tot. Aber ich laß mir ein Ding, das mich reuen müßt, nit einreden. Das Fläschl wird umgefallen sein, und das Schneerosenblut ist ausgeronnen und verdunstet.“ Er lächelte schon wieder. „Und denk, das Fröschl hat keiner mehr gesehen. Möcht wissen, was geschehen ist mit ihm. Und ob’s noch lebt?“
Der Sudmann murrte: „Möcht lieber wissen, wer den Kuchlbuben bei den Ohren genommen hat?“
„Freilich, ja!“ Frater Severin nickte nachdenklich vor sich hin. „Aber —“ Sein fettes Rundgesicht bekam den Ausdruck tiefster Philosophie: „Wer blast denn uns so auf?“ Langsam strich er mit den Händen über sein ‚vollgedrücktes Maß‘. Und weil ihm Wolfrat keine Antwort gab, hob er die Bitsche von der Erde und hielt sie dem Sudmann an den Mund: „Komm! Schluck wieder ein lützel!“
Wolfrat trank.
„Der liebe Herrgott soll’s gedeihen lassen!“ seufzte Frater Severin, sog den Rest aus der Kanne und ging davon. „Auf den Abend komm ich wieder.“
Er hatte da ein Versprechen gegeben, das er nicht halten konnte. Denn als die Sonne von den Dächern geschwunden war, als es zwischen den hohen Mauern schon zu dämmern begann und Wolfrat einmal aufblickte, stand Herr Heinrich vor ihm.
„Nun? Wird’s dir schon bald zu lang?“