Wolfrat stand betroffen; scheu griff er nach dem Hut und entblößte den Kopf. Über einem Haufen Heu lag ein lebensgroßes Schnitzwerk: das Bild des Erlösers mit ausgebreiteten Armen. Es fehlte nur das Kreuz. Das Schnitzwerk war mit frischen Farben bemalt: die Locken braun, die Augen blau, die Glieder bleich wie Schnee, und aus allen Wunden, unter jedem Stachel der Dornenkrone, rannen die roten Tropfen. Der flackernde Schein der Kerze warf über das Bildnis ein Gezitter von Licht und Schatten, daß es zu leben und sich zu bewegen schien.

„Den sollst du hinauftragen auf meine Alm in der Röt und sollst ihn ans Kreuz schlagen!“ sagte der Bauer. „Ich hab ihn bei mir überwintert, damit er nit zugrund geht im Schnee. Aber jetzt fangt das Gras zu wachsen an, jetzt muß er hinauf und auf mein Sach schauen. Schwer tragen mußt du freilich an ihm, aber schau, ich hab dir da eine Krax hergestellt, die liegt dir gut auf dem Buckel. Da spürst du ihn nur halber. Und jetzt red! — Willst du?“

„Ja, Bauer, in der Samstagnacht,“ sagte Wolfrat, „und aufpacken will ich ihn gleich.“

„Brav, brav!“ nickte der Eggebauer.

Wolfrat hob zur Probe die Kraxe auf den Rücken, um abzumessen, wie hoch er das Schnitzwerk hinaufschnüren müsse, damit es ihn mit den Füßen nicht im Gehen behindere. Dann legte er die Stricke zurecht und kleine Heubüschel, mit denen er das Schnitzwerk unterlegen mußte, damit die frische Farbe von den Kanten der Kraxe nicht abgeschürft würde.

„Gelt,“ sagte der Eggebauer, „hast ein rechtes Kreuz bei dir daheim?“

Wolfrat nickte nur.

„Mein Gott, mein Gott, schaut bei mir auch nit besser aus!“

„Wie geht’s der Bäuerin?“

Der Bauer seufzte. „Schlecht, schlecht! Wär mir schon lieb, wenn sie bald wieder gesunden tät! Das Weib ist so viel ungut und zuwider. Und jagt mir die Seel aus dem Leib.“