„Ach, ich bitt Euch, wir haben ein krankes Kind daheim!“ schluchzte Gittli mit aufgehobenen Händen. „Kommt doch, kommt, ich bitt Euch gar schön, ich bitt, bitt, bitt!“

„Wer bist du denn?“

„Die Gittli bin ich, die Schwester vom Sudmann Polzer.“

„Sooo?“ Der Name, den Gittli genannt, gab dem Bader zu denken. Ja, hätte sie den guten Einfall gehabt, hinaufzurufen: ich bin Zenza, die Tochter des reichen Eggebauern — dann hätte sie was erlebt, wie der Bader gesprungen wäre! „Sooo? Also ja, geh nur heim, und sag, ich komm schon, sobald es Tag wird.“

Klirrend schloß sich das Fenster. Gittli stand wie betäubt und griff mit beiden Händen an ihren Kopf. War es denn möglich? Ein Kind — solch ein süßes, herziges Ding! Und es gab einen Menschen, der sich nicht die Seel aus dem Leibe lief, um zu helfen!

Helfen? Helfen? Wer jetzt? Wer? Pater Eusebius? Der hatte das Bübl des Klostervogtes wieder gesund gemacht. Gittli rannte, und atemlos erreichte sie die Klosterpforte. Die Glocke läutete schrill, denn mit dem ganzen Gewicht des Körpers hatte sich Gittli an den Strang gehängt.

„Pater Eusebius? Wo ist der gute Pater Eusebius?“ schluchzte sie, als sich das vergitterte Fenster öffnete.

„Ein Dirnlein? In der Nacht?“ staunte der Pförtner. „Was willst du vom Pater?“

„Wir haben ein krankes Kind daheim, der Pater Eusebius soll ihm helfen. Ach, guter Frater Pförtner, ich bitt Euch, bitt Euch —“

„O du mein Gott, Kind, den Pater, den holst du heut nimmer. Der ist seit zwei Tagen in der Bartholomäer Klause.“