Auf recht baldiges Wiedersehen! Meine besten Empfehlungen an Ihre verehrte Frau Gemahlin!«
III.
Pädagogische Vorbilder.
Am liebsten freilich würde ich persönlich auf die Erziehungsweisheit der Vergangenheit an dieser Stelle verzichten. An lehrreichen Abhandlungen, an Doktorarbeiten über die Erzieher aller Völker und Zeiten ist kein Mangel. An historischem Wissen fehlt es uns wahrhaftig nicht. Daß auch ich die Pädagogik früherer Jahrhunderte, auch die anderer Völker, einigermaßen kenne, wird man mir glauben. Wenn nicht, so schadet es auch nichts. Man hat jetzt so vortreffliche Handbücher über die Geschichte der Pädagogik, daß einer ja mühelos in einem Monate darin zu einem Kenner werden kann. Verzichten möchte ich, weil wir an sich schon in Überlieferung und in historischer Bildung ersticken. Was wir brauchen, ist die Tat.
Was würde wohl Jesus Sirach dafür gegeben haben, wenn er einen flüchtigen Blick in unsere heutige Erziehungspraxis hätte tun können? Was Habakuk – der einzige von allen kleinen Propheten, zu dem ich von Kindheit an in einem herzlichen Verhältnis stehe; ich sprach freilich seinen Namen früher etwas unkorrekt als Haferkuck aus und stellte ihn mir als einen kleinen neckischen Kobold vor, der sich auf der Tenne und beim Futterkasten im Pferdestall durch Neugier bemerklich machte, daher das frühe Interesse und Verständnis für ihn –. Was würden dessen Kollegen von der »kleinen Prophetie«, deren Namen, aber auch rein nichts als eben diese Namen, seit Luthers Tagen Millionen, nein, ich glaube Milliarden von blonden Bauernkindern kennen und hersagen lernten – Hosea, Joel, Amos, Obadja, Jona, Micha, Nahum, Habakuk, Zephanja, Haggai, Sacharja, Maleachi – ein Lautgeklingel, den Kindern weniger wertvoll als der Spielreim:
Ene mene mink mank
Pinkpank
Use buse packe dich
Eier beier weg! –
Was würden also wohl diese schwarzgelockten Hebräer, was die ernsten Griechen, etwa ein Sokrates, ein Plato, Aristoteles, was Cicero, Seneca, der heilige Augustin, was Luther, Goethe, Fichte und andere große Erzieher der Vorzeit darum gegeben haben, wenn sie einen flüchtigen Blick in die heutige Erziehungspraxis hätten tun können?
Wenn man einen dieser Männer gefragt hätte: »Wie sollen die Deutschen im 20. Jahrhundert ihre Kinder erziehen?« so würden sie gewiß – da sie ja eben gescheite Leute waren – wie aus einem Munde jeder in seiner Sprache gerufen haben: »Ja, was woas denn i? Des müssen doch de alloanig wissen!«