Abb. 67. Illustration zu Philippine Engelhards Gedichten. Göttingen. 1782. (E. 420.)

Hatte Chodowiecki in Danzig von den dort ansässigen Künstlern viel Klagen hören müssen über die schlechten Zeiten, in denen die Kunstfreunde rarer seien, als weiße Raben, hatte man von hier mit stillem Neid auf seine einträgliche Beschäftigung in Berlin geblickt, so mußte er am Elbstrand einsehen, daß die Streusandbüchse des Deutschen Reichs doch wohl nicht den besten Nährboden für die Früchte der Kunst abgebe. Wie ärmlich erschien das Kunstleben der fridericianischen Hauptstadt neben dem prunkvollen Mäcenatentum der polnisch-sächsischen Dynastie! Die Kunstschätze der kurfürstlichen Residenz hatten seit lange Weltruf. Dichtete doch schon am Anfange des Jahrhunderts ein nassauischer Hofmedicus mit mehr Begeisterung als Geist:

Das Auge sieht sich nimmer satt,

Sagt Salomo in seinen Sprüchen;

Ach, daß er Dresden nicht gesehen hat!

Vermutlich hätt’ er diesen Satz

Geändert, wo nicht ausgestrichen.

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Denn das, was man in Dresden schauet,

Und was August vollführt und bauet,