Abb. 164. Illustration zu Wielands Idris. Lauenburger Kalender. 1790. (E. 608.)
Abb. 165. Allegorie auf den Tod Friedrich des Großen.
Göttinger Taschenkalender. 1792. (E. 661.)
Abb. 166. Vignette zu Müllers Verschanzungskunst.
Potsdam 1782. (E. 458.)
Abb. 167. Porträt der Babette Renelle.
Rötelzeichnung im Besitz der Frau Dr. Ewald. Berlin.
Wie hat sich Chodowiecki dies Glück der Unsterblichkeit errungen? Versuchen wir dem Wege nachzugehen, der ihn in den Kreis derer führt, die als Fixsterne am deutschen Kunsthimmel glänzen. Von dem unablässigen Fleiß, der keine Feierstunden kannte, ist gesprochen worden. Die technische Gewandtheit aber, die seinem Wollen das Gelingen sicherte, die glückliche Beobachtungsgabe und Frische der Auffassung, die ihn bis ins hohe Alter nicht verließ, waren nicht nur Ergebnis eifriger Studien, sie waren Geschenke der Natur. Wenn wir des Künstlers Skizzen betrachten — gerade sie sind die glaubwürdigsten Zeugen für die Echtheit des Talents, das sich in flüchtigen Augenblicken glücklicher Inspiration am reinsten offenbart — so entdecken wir eine Leichtigkeit der Hand, ein Unterscheidungsvermögen für Charakteristisches und Gleichgültiges, eine Fähigkeit, mit wenigem alles zu sagen, die wir aus den ausgeführten Arbeiten mit ihrer nicht selten kleinlich erscheinenden Accuratesse und ängstlichen Durchführung niemals herauslesen könnten. Diese flüchtigen Zeichnungen, wie die hier abgebildeten Studien eines vom Rücken gesehenen Kavaliers ([Abb. 139]), einer am Tisch stehenden Dame ([Abb. 137]), eines Mädchens, das ein Gepäckstück im Arm hält ([Abb. 140]) — sie alle sind in ausgeführten Werken, für die der Meister stets seine Mappen plünderte, benutzt — zeugen von einer gottbegnadeten Schärfe des Blicks, sie atmen ein Leben und eine Beweglichkeit, die, wie gesagt, oft den nach ihnen ausgeführten Arbeiten zu mangeln scheint. Selbst das, was man Chodowiecki zuletzt zutrauen möchte, leidenschaftliches Temperament, kommt in einzelnen Skizzen, wie in dem Entwurf zur Figur des Hamlet ([Abb. 138], E. 252) zum Ausdruck. Man glaubt hier die Erregung des Augenblicks zu spüren, wo Shakespeares Gestalt in der genialen Interpretation Brockmanns die Einbildungskraft des Meisters zu ungewohnter Lebhaftigkeit entflammte. Zu diesen glücklichen, scheinbar direkt von inneren Impulsen angeregten Augenblicksschöpfungen zählen auch einige Blätter der Danziger Reise, wie die Kirchgängerinnen ([Abb. 141], [142]), das polnische Starostenpaar ([Abb. 50]), den Bürgermeister Conradi ([Abb. 51]), Frau Öhmichen ([Abb. 143]) und jene köstlichen Rötelzeichnungen, die uns Frauen und Mädchen bei ihrer Arbeit oder in träumerischer Selbstvergessenheit schildern ([Abb. 144]–[146]). Hier ist Chodowiecki dem Charme eines Watteau so nahe gekommen, wie sonst nie; aber es steckt in seinen Gestalten unendlich größere Ehrlichkeit, viel mehr Respekt vor der Natur und sogar etwas mehr Energie der Technik ([Abb. 147] bis [151]).