Der erfolgreiche Anbau des Tabaks verlangt große Sorgfalt und Pflege. Die Anzucht im Großbetriebe erfolgt in besonderen Saatbeeten, die sowohl gegen übermäßige Sonnenbestrahlung als auch gegen die heftigen Regengüsse, wie sie bekanntlich in den Tropen häufig sind, geschützt werden müssen. Deshalb bedeckt man sie mit auf Stangen von 1–1,5 m Höhe befestigten schrägen Dächern, die den Durchgang der nötigen Luft nicht behindern. Nach drei Wochen werden die Keimpflänzchen möglichst schnell an ihren definitiven Standort überführt und hier etwa zwei Wochen lang, bis sie erstarkt sind, zum Schutze gegen Witterungseinflüsse mit dütenförmigen Holzmützen bedeckt.
Nach etwa 75 Tagen ist die Pflanze ausgewachsen und wird geerntet, wobei seltener die reifen Blätter, sondern meist die ganzen Pflanzen abgeschnitten, in Bündel gebunden und entweder an der freien Luft oder durch Feuerwärme in Trockenhäusern getrocknet werden. Sie verlieren dabei ihren Stärkegehalt und erlangen die gewünschte braune Farbe. Dann werden die Blätter vom Stengel abgebrochen — wenn sie es nicht schon waren — und dabei zugleich nach ihrer Qualität sortiert, um dann abermals zu Bündeln vereinigt und in geschlossenen Räumen zu großen Haufen, sogenannten Stöcken, aufeinander geschichtet zu werden, die 100–800 Zentner Tabakblätter umfassen. Hier machen sie eine von besonderen Bakterien hervorgerufene Gärung durch, wobei diejenigen aromatischen Verbindungen entstehen, durch welche der fertige Tabak beim Rauchen den angenehmen Geruch und Geschmack erhält, weicher zum Bearbeiten wird und gleichmäßiger gefärbt erscheint. Zugleich wird der Gehalt an dem äußerst giftigen Nikotin um etwa 30 Prozent der ursprünglich vorhandenen Menge desselben herabgesetzt. Dabei tritt in einem feuchten Klima ein „Schwitzen“ genanntes Austreten eines klebrigen Stoffes auf, was in einem trockenen dagegen unterbleibt. Den Beginn der Gärung (Fermentation) erkennt man an einer Wärmezunahme, welche im Innern des Stockes am bedeutendsten ist und daselbst bis 50°C. und mehr steigen kann. Sobald dies eingetreten ist, nimmt man die Bündel auseinander und baut aus ihnen einen neuen Stock auf, in welchem die bisher im Innern befindlichen Bündel an die Außenseiten gelegt werden. Derartige Umlagerungen werden wiederholt vorgenommen, damit jedes Bündel in annähernd gleicher Stärke fermentiert wird.
Ist dies geschehen, so werden die Stöcke je nach Sorten, Klima und Witterungsverhältnissen entweder ganz auseinander genommen, um weiter verarbeitet zu werden, oder abermals in kleineren Partien zusammengelegt, wobei noch eine zweite Fermentation stattfindet. Näheres über die Einzelheiten bei diesem Vorgang findet sich im Abschnitt über die Gärungserreger. Nach der Fermentation werden die Blätter gelüftet, getrocknet und schließlich in Fässer verpackt, um in die Tabakmanufakturen zu gelangen, wo die schlechteren Sorten oft noch zur weiteren Herabsetzung des Nikotingehaltes ausgelaugt und zur Verstärkung des Aromas „gesaucet“, d. h. mit verschiedenen, meist opiumhaltigen Brühen behandelt werden. Für Deutschland ist Bremen ein Haupthandelsort für Tabak. Dort gibt es die größten Tabak- und Zigarrenfabriken Europas.
Während heute überall in den Tabak produzierenden Ländern der rötlich blühende echte oder gemeine Tabak gebaut wird, pflanzt man im Orient, sowie in Nordafrika den nur 1 m Höhe erreichenden, gelblich blühenden Bauern- oder türkischen Tabak (Nicotiana rustica), der in Mexiko seine Heimat hat. Wir sahen bereits, daß er den türkischen oder Latakiatabak liefert. Die Kultur ist dieselbe wie beim echten Tabak, und an ihm werden, gleicherweise wie bei jenem, gelegentlich eine Reihe von durch winzige Spaltpilze hervorgerufene Krankheiten beobachtet, unter denen der sogenannte „Spickel“, sowie der Blattfleckenrost und eine dritte Blattfleckenkrankheit die wichtigsten sind.
Entsprechend dem großen Verbrauch des Tabaks ist sein Anbau ein ganz bedeutender und beträgt auf der ganzen Erde wenigstens 550 Millionen kg, wovon auf die Vereinigten Staaten von Nordamerika 225 Millionen kg, auf Britisch-Ostindien 172 Millionen kg und auf Deutschland 40 Millionen kg entfallen. Außerdem führte Deutschland im Jahre 1906 für 120 Millionen Mark unbearbeitete Tabakblätter ein. Auf den Kopf der Bevölkerung kommen daselbst jährlich fast 2 kg Tabak.
Was nun endlich die Verarbeitung des Tabaks betrifft, so beginnt man beim Rauchtabak mit einer genauen Sortierung der Blätter nach der Farbe, wobei man die Blätter mischt, um die gewünschte Qualität zu bekommen. Darauf werden die Blätter angefeuchtet, um ihnen die nötige Elastizität zu erteilen, und zwischen Walzen gepreßt, auf Rollen gesponnen oder sofort geschnitten. Bei der Zigarrenfabrikation wird zum Innenblatt eine geringere Qualität, zum Deckblatt dagegen eine bessere, vielfach mit hellen Flecken versehene, genommen. Letztere entstehen in der Natur durch Tautropfen, die den Sonnenstrahlen als Brennglas dienen; dem Publikum zuliebe werden sie vielfach auch künstlich durch Einwirkung von Salpetersäure erzeugt. Das Schneiden der Deckblätter erfordert viel Übung und ein gutes Auge, da man trachten muß, aus einem Blatt so viel Deckblätter wie möglich herauszuschneiden. Das Ganze wird dann durch Maschinen gerollt. Danach werden die Zigarren an der Sonne oder am Ofen getrocknet, je nach Farbe und Sauberkeit des Deckblatts sortiert und in Kistchen verpackt.
Tafel 85.
Das Sortieren der Tabakblätter nach Länge und Farbe auf einer Tabakplantage Sumatras.