Jahrtausende hindurch haben unsere Ahnen der vorgeschichtlichen und frühgeschichtlichen Zeit das zur Herstellung des Breies, der Grütze und später auch des Fladenbrotes nötige, damals noch äußerst grobkörnige und vielfach mit feinen Gesteinssplittern vermengte Mehl selbst herstellen müssen. Zu diesem Zwecke wurde das meist kurz geschnittene Korn durch die Hufe der darüber getriebenen Rinder, Ziegen oder Schafe ausgetreten — woher überhaupt die lateinische Bezeichnung des Weizens triticum (von tritare = austreten), d. h. das „Ausgetretene“ herrührt — und in Vorratsbehältern verschiedenster Gestalt aufbewahrt. Daraus holten sich die Frauen jeweilen ihren täglichen Bedarf an Korn. Wie heute noch im Orient, konnte man einst früh morgens noch vor dem Morgengrauen das Reibegeräusch der primitiven steinernen Handmühlen in den Siedlungen der Stein- und Bronzezeit hören, in denen die Frauen das Mehl zur Herstellung des Breies oder der flachen, ungetriebenen Brotfladen für das Frühstück herstellten. Es war dies die erste Arbeit des Tages, soviel Korn als für die erste Mahlzeit der Hausgenossen nötig war, zu Mehl zu mahlen. Deshalb heißt es in den Lobsprüchen eines tugendsamen Weibes aus den Sprüchen Salomos (Kap. 31, Vers 15) von „der Frau, die morgens früh aufsteht, wenn es noch Nacht ist, und die Speise für ihren Mann, die Kinder und das Gesinde bereitet“, d. h. auf der Handmühle das für den ersten Tagesbedarf erforderliche Korn zu Mehl mahlt.
Bild 3. Auf einer Handmühle Korn zu Mehl verreibende Ägypterin.
Statuette aus Kalkstein um 2600 v. Chr., jetzt im Alten Museum in Berlin.
Tafel 1.
1. Roggen, 2. blühendes Roggenährchen, 3. Spelt oder Dinkel, 4. vierzeilige Gerste, 5. Emmer, 6. unbegrannter Weizen, 7. begrannter Weizen, 8. reifes Ährchen von unbegranntem Weizen, 9. zweizeilige Gerste, 10. Hafer, 11. Haferährchen in der Blüte, 12. sechszeilige Gerste, 13. Ährchen der zweizeiligen Gerste.
Tafel 2.
(Phot. von E. Reinhardt.)
Holzpflug mit Metallspitze, wie er heute noch in Toskana verwendet wird. Die gleiche Form war schon im Altertum üblich. Im Hintergrunde Stützbäume für Weinreben.