Die westafrikanische Ölpalme ist ein sehr schönes Gewächs, gedeiht aber nur dort, wo ein feuchtes, heißes Klima herrscht. Nur unter den natürlichen Lebensbedingungen, im Walde, erreicht sie ihre normale Höhe von 20 m, in der Kultur aber wird sie meist bloß 10–15 m hoch. Ihr tief geringelter, mannsstarker Stamm schwillt vielfach über dem Boden etwas an und ist unter den natürlichen Verhältnissen im obersten Teil meist noch mit den Resten abgestorbener Blattstiele bedeckt. In der Entfernung dieser, damit die Palme zum Herunterholen der reifen Früchte bestiegen werden könne, beschränkt sich in der Regel die ganze Pflege seitens der Eingeborenen. Die schöne Blattkrone besteht aus 20–25 Wedeln bis zu 7 m Länge mit etwa 1 m langen Fiedern, die sich aber schlecht zum Flechten eignen. In den Blattachseln des Wipfels brechen die mit kätzchenartig angeordneten Blüten reichlich besetzten Blütenstände hervor, die, wie bei den meisten Palmen, getrennten Geschlechts sind, jedoch in der nämlichen Krone, nicht auf verschiedenen Individuen sich entwickeln. Eine Palme bringt während des Jahres durchschnittlich drei bis vier der massigen, nicht herabhängenden Fruchtstände zur Reife. Sieben Monate nach der Blüte reifen die Früchte heran. 600–800, ja bis 1500 an der Zahl finden sie sich an einer riesigen, meist 20–30, gelegentlich bis 50 kg schweren Traube, durch kurze Stacheln voneinander getrennt. Sie sitzen sehr fest und sind wegen ihres gedrängten Wachstums unregelmäßig abgeplattet und erscheinen fett glänzend, von hochgelber bis zinnoberroter Farbe. Am Oberteile sind sie braunschwarz angelaufen. Zu äußerst bestehen sie aus einer dünnen Lage eines fettreichen, faserigen Fleisches, das eine dickschalige, steinharte, mit einem bläulich weißen Kerne versehene Nuß umschließt. Etwa ein Drittel des Gewichtes der Fruchtstände wird von den Früchten selbst gebildet. Deren ölhaltiges Fruchtfleisch bildet eine Lieblingsnahrung der Affen und Papageien, aber auch des Menschen, der es roh oder noch häufiger gekocht in Form der bei den Negern sehr beliebten Palmölsuppe verzehrt. Besonders aber gewinnt er daraus das für ihn so wichtige Palmöl, das ihm als Fettzusatz zu seiner an Fett sonst so armen Pflanzenkost, außerdem aber zur Beleuchtung, zum Einreiben des Körpers und als Arznei dient.

Zur Ölgewinnung wird der ganze Fruchtstand der Ölpalme abgehauen, sobald die Palmnüsse reif sind. Dann werden die einzelnen Früchte ausgebrochen und deren äußeres Fleisch durch Kochen in Wasser oder durch Liegenlassen an der Sonne erweicht. Darauf werden sie in Mörsern gestampft, wobei sich das Fleisch vom Kern löst und zugleich das im Fruchtfleisch enthaltene Öl heraustritt. Dieses schön orangerote, wohlschmeckende Palmöl wird zum geringeren Teil von den Eingeborenen selbst im Haushalt verwendet, zum größeren Teil jedoch an die europäischen Faktoreien verkauft. Im tropischen Westafrika, wo die Ölpalme manchenorts ausgedehnte Wälder bildet, wird es in solchen Mengen erzeugt, daß es gegenwärtig den wichtigsten Handelsartikel dieser Gegenden bildet.

Aus den nach der Ölgewinnung übrigbleibenden bräunlichen, harten Kernen wird das weiße Palmkernöl gewonnen, das sogar noch feiner und wertvoller als das Palmöl ist. Dies wird von den Eingeborenen auf sehr primitive Weise durch Aufklopfen der Kerne und Auspressen des Samens gewonnen. Der weitaus größte Teil der Kerne gelangt aber in die Faktoreien, um nach Europa gesandt zu werden, wo die Ölgewinnung aus diesen vermittelst eigens dafür konstruierter Maschinen geschieht. Die Abfälle bei der Ölbereitung, Palmkuchen genannt, geben ein ausgezeichnetes Viehfutter.

Der Nutzen der Ölpalme beschränkt sich aber nicht bloß auf die ölreichen Früchte. Sie liefert nämlich außerdem in ihren stattlichen Wedeln das Material zur Umzäunung von Gehöften und zu größeren Fischereianlagen, sowie paarweise zur Herstellung leichter und zäher Tragkörbe. Die starken Blattrippen dienen als geschätztes Material für den Hausbau und zur Herstellung von Palisaden, aus den Fiederblättern werden Körbe und viele andere Geräte geflochten und aus den Rippen gute Besen hergestellt. Die außerordentlich festen Gefäßbündel der Wedelstiele vertreten die Stelle von Darmsaiten bei den Musikinstrumenten der Eingeborenen. Endlich wird aus der Ölpalme der bei den Eingeborenen so beliebte, frischem Äpfelmost ähnliche, anfangs süße, bald aber durch Hefegärung stark alkoholhaltige und dann berauschende Palmwein gewonnen. Zur Erlangung kleinerer Mengen davon schneidet man die männlichen Blütenstände ab, zu derjenigen größerer Mengen jedoch wird die Palme mit axtartigen Werkzeugen gefällt, indem man damit das ganze Wurzelwerk durchhaut. Nachdem die Stämme 1–2 Wochen am Boden gelegen haben, schneidet man ihnen mit dem Buchmesser die Wedel ab und höhlt da, wo das Mark in das Herzblatt ausläuft, von oben aus ein ziemlich großes Loch in den Stamm, das mit einer kleinen Öffnung bis auf die untere Seite desselben durchgeführt wird. Durch dieses Loch wird eine dünne Holzröhre gesteckt, durch welche der Saft tropfenweise in einen untergestellten Topf abläuft. Durch Schneiden und Brennen wird das Loch täglich etwas erweitert, ein Vorgang, den die Neger als das „Rufen des Palmweins“ bezeichnen. In den ersten 16 Tagen fließt der süßeste Saft aus, dann wird der Ausfluß stärker, aber das Produkt ist wässeriger. Nach höchstens 30 Tagen ist der Saftreichtum des Stammes erschöpft. Dieser Palmwein wird von den Eingeborenen dem von der Kokospalme gewonnenen vielfach vorgezogen.

Bei dem großen Nutzen der Ölpalme für den Menschen kann es uns nicht wundern, daß der dem Neger so unentbehrliche Fruchtbaum im 18. Jahrhundert durch westafrikanische Negersklaven nach Westindien gebracht wurde, wo er in ähnlicher Weise wie in seiner Heimat kultiviert wird. Am besten gedeiht er im lockeren Buschwald, wo auch die Fruchtstände am größten werden. Sonst wächst er auch willig auf trockenem und leichtem, wie auf feuchtem und schwerem Boden. Entweder werden zuerst Stecklinge aus reifen Früchten gezogen und dann in Abständen von etwa 2 m verpflanzt, oder die Früchte werden gleich in entsprechenden Entfernungen in den Boden gesteckt. Der Baum braucht bis zur vollen Entwicklung etwa 10 Jahre; dann fängt er an zu blühen und Früchte zu tragen, was wenigstens bis zum 60. Jahre andauert. Da jedes Jahr 3–7 Früchtbündel zur Reife gelangen, kann man im Durchschnitt bei geregelter Kultur wohl auf 50 kg Früchte pro Baum rechnen. Da nun 250 kg frischer Früchte 24,5 kg Öl im Fruchtfleisch und 32 kg Kerne liefern, die ihrerseits etwa 15 kg Kernöl abgeben können, so besteht also fast ⅙ des Fruchtgewichtes aus Öl. Da aber dieses nicht restlos aus ihnen gewonnen werden kann, so ist die wirkliche Ausbeute eine bedeutend geringere und beträgt oft nicht einmal die Hälfte des tatsächlich Vorhandenen. So gewinnt der Neger mit seinen unvollkommenen Verfahren aus 50 kg Früchten, die also die mittlere Jahresernte einer Palme darstellen, bloß 2,94 kg Öl und 3,84 kg Kerne. Die Fruchtfleischrückstände enthalten noch sehr viel brauchbares Fett, das durch kräftigeres Pressen leicht zu gewinnen wäre.

So lange die Ölpalmen jung sind, müssen sie namentlich gegen die Glut der regelmäßig am Ende der Trockenzeit von den Negern angefachten Steppenbrände geschützt werden. Haben sie aber eine gewisse Höhe erreicht, so ertragen sie, ohne Schaden zu erleiden, sowohl die Umschließung durch andere, sie überragende Gewächse, als auch monatelange Überschwemmung ihres Standortes und die auflodernden Flammen der Grasbrände.

Im Zentrum der Palmenentwicklung, dem Waldgebiet des nördlichen Südamerika, ist die Weinpalme (Raphia vinifera) heimisch, die außerdem in Brasilien und Westafrika verbreitet ist. Der Stamm erreicht bloß 5–10 m Höhe, besitzt aber bis 15 m lange Blätter mit gewaltigen, oft über 2 m langen Fiedern. Durch Abschneiden der sich entwickelnden Blütenkolben werden große Mengen eines zuckerigen Saftes gewonnen, der durch alkoholische Gärung einen ebenfalls viel genossenen Palmwein liefert; dieser soll aber an Güte dem von anderen Palmen gewonnenen nicht gleichkommen. In Südasien und Indonesien werden verschiedene andere Palmen als Weinpalmen bezeichnet, da sie ebenfalls zur Bereitung von Palmwein benutzt werden.

Andere Palmengattungen liefern in ihren steinharten, weißen Früchten einen wertvollen Ersatz für das durch die zunehmende Ausrottung der Elefanten und die allmählich sich vermindernde Mammutelfenbeingewinnung in Nordsibirien immer seltener und kostbarer werdende Elfenbein. Es sind dies die von verschiedenen Palmenarten stammenden, als „vegetabilisches Elfenbein“ auf den Markt gelangenden Steinnüsse. Zuerst erlangten als solches die Nüsse der südamerikanischen Steinnußpalme (Phytelephas macrocarpa) Bedeutung, die seit dem Jahre 1826 in zunehmender Menge in der Kulturwelt Verwendung finden und deshalb einen der wichtigsten Handelsartikel des Staates Kolumbia bilden. In ihrer Heimat, den Wäldern am Magdalenenstrom und dessen Zuflüssen, werden sie von den Eingeborenen schon seit uralter Zeit zu allerlei Schnitzereien verwendet. Zwei Spanier, Ruiz und Pavon, machten bereits in einem 1798 erschienenen Werke die wissenschaftliche Welt auf diese Palme und ihre Nüsse aufmerksam und gaben ihr den bis heute in Geltung gebliebenen lateinischen Namen Phytelephas macrocarpa, der die großfrüchtige Pflanzenelfenbeinpalme bedeutet.

Tafel 25.