Solange früher die offizinellen Chinarinden in Südamerika von wildwachsenden Pflanzen gewonnen wurden, waren meist durch wertlose Rinden verwandter Gattungen vorgenommene Verfälschungen häufig. Jetzt kommen solche nur noch selten vor, da bloß Rinden kultivierter Pflanzen Südasiens von den Arzneiverordnungen zugelassen werden. Im allgemeinen kommt das Chinin allein den Chinabäumen zu. Einzig die den Cinchonen verwandte, in Venezuela und Kolumbia wachsende Remijia purdieana enthält auch Chinin, und zwar bis zu 2 Prozent.
Ebenfalls als Fiebermittel und Stomachicum wie die Chinarinde wird die von einer bis 6 m hohen, in Westindien, besonders den Bahamainseln und Kuba, heimischen Wolfsmilchart, Croton eluteria, gewonnene Cascarillrinde verwendet. Cascarilla heißt im Spanischen kleine Rinde. Anfänglich (1640) hielt man diese schon damals gegen Ruhr und Fieber angewandte Rinde für eine kleine Form der Chinarinde; daher jener Name. Zu Ende des 17. Jahrhunderts wurde sie in Deutschland als China nova oder Cortex eluterii bekannt. Sie kommt in röhrenförmigen Bruchstücken von graugelber bis brauner Farbe, eigenartig aromatischem Geruch und unangenehm bitterem Geschmack in den Handel und enthält außer dem Bitterstoff Cascarillin 15 Prozent Harz, Gerbstoff und ätherisches Öl.
Noch weniger wichtig als sie ist die einst als Ruhrmittel benutzte Simarubarinde, die von Simaruba officinalis, einem stattlichen, in Französisch-Guiana und Nordbrasilien heimischen Baum gewonnen wird. Heute kaum mehr gebraucht, kam die Rinde 1713 als Mittel gegen blutige Diarrhoen aus Cayenne nach Paris; 1718 wurde sie daselbst gegen die damals epidemisch herrschende Ruhr angewandt. 1723 brachte Barrère eine größere Menge der Droge nach Europa und gab 1741 eine genauere Beschreibung der Stammpflanze. Die früheste Nachricht über letztere scheint von Desmarchais aus dem Jahre 1728 zu stammen, wobei er schon von Simaruba oder bois amer spricht. 1775 gab dann der Apotheker Aublet eine weitere eingehende Beschreibung der Pflanze unter dem Namen Simaruba amara. Der jamaikanische Baum wurde 1772 von Wright entdeckt und ein Jahr später von ihm als Quassia simaruba beschrieben. Die gelbbraune, geruchlose, stark bitter und etwas schleimig schmeckende Rinde der dicken Wurzeln, die meist über Ciudad Bolivar am Orinoko, der vormals Angostura (weil an einem Engpaß gelegen) genannten Hauptstadt von Venezuela, in den Handel gelangt, enthält ein benzoëartig riechendes Öl, Harz, Gerbstoff und einen kristallisierbaren Bitterstoff.
Ebenso wie diese heute außer Gebrauch gekommen ist die nach demselben Verschiffungsort als Angosturarinde bezeichnete stark bittere Wurzelrinde des im nördlichen Südamerika heimischen, 20–25 m hohen, immergrünen Baumes Galipea officinalis (nach dem Indianerstamme der Galiponen so genannt) aus der Familie der Terebinthineen oder Balsamgewächse, die früher als Heilmittel gegen Wechselfieber berühmt war. Im Gegensatz zu dieser echten bezeichnete man die Rinde des in Südasien heimischen Brechnußbaumes (Strychnos nux vomica) als falsche Angosturarinde. Sie ist schwärzlich aschgrau, schmeckt sehr bitter und wurde zu Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts der außer als Fiebermittel auch als Heilmittel gegen Ruhr angewandten echten Angosturarinde beigemischt.
Heute werden von dem in ganz Indien, Siam, Kochinchina und Nordaustralien heimischen niederen Baum mit orangeähnlichen, etwa 4–5 cm langen, graugelben Früchten nur die in einem sehr trockenen, gallertartig weichen Fruchtfleisch eingebetteten scheibenförmigen, am Rande verdickten, 2,5 cm breiten und 0,5 cm dicken, graugrünlichen, mit seidenglänzenden, in radialer Ausstrahlung angedrückten Haaren dicht besetzten Samen als Krähenaugen oder Brechnüsse medizinisch verwendet. Sie enthalten bis zu 5 Prozent der sehr giftigen Alkaloide Strychnin und Brucin, beide annähernd zu gleichen Teilen, doch ist das Strychnin meist in etwas geringerer Menge vorhanden. Sie sind in der Pflanze an die Igasur- oder Strychnossäure gebunden. Weitere Bestandteile sind Eiweiß, Zucker, Fett, Gerbsäure und in geringen Mengen ein Loganin genanntes Glykosid. Wenn auch die giftigen Glykoside im hornigen Nährgewebe der Samen in größter Menge vorhanden sind, so ist doch die ganze Pflanze damit getränkt; gleichwohl soll der Inhalt der Früchte von Vögeln unbeschadet genossen werden. Die Giftwirkung beruht vorzugsweise auf dem Strychnin, das tetanische Krämpfe bewirkt und zuerst die Atmungsmuskeln, dann auch die übrigen, mit vorwiegender Beteiligung der Strecker, in Starrheit versetzt, so daß rasch der Tod durch Erstickung eintritt. In kleinen Dosen erhöht es den Tonus der Muskeln und Nerven; deshalb wird es mit gutem Erfolg bei Lahmheit der Muskeln, namentlich der Darmmuskulatur, gegeben.
Die reifen, von wildwachsenden Bäumen gesammelten und getrockneten Samen kommen meist aus Indien nach London auf den Markt. Aus ihnen stellt man außer Extrakten und Tinkturen das Strychnin dar, mit dem man die schädlichen Raubtiere vermittelst Köder vergiftet. In Südasien war die Giftwirkung der Brechnüsse schon längst bekannt; auch wurden sie dort in früherer Zeit zur Herstellung eines Pfeilgiftes, daneben auch als Betäubungsmittel benutzt. So sollen sie nach Royle im Ayur veda Charakas als Narkotikum des indischen Arzneischatzes erwähnt werden. In Europa wurden sie durch Vermittlung der Araber gegen Ende des 15. Jahrhunderts in den Arzneischatz eingeführt; als solche führt sie Brunfels 1531 unter dem Namen nux vomica an. Zuerst finden wir sie um 1500 als Kraen Eugeln im Inventar der Apotheke zu Zwickau angeführt. 1520 und 1521 werden sie als nux vomica neben nux indica (Kokosnuß) in der Arzneitaxe von Annaberg erwähnt. 1561 gab Valerius Cordus eine sehr gute Beschreibung der Samen, die er irrtümlich für Früchte hielt. Auch Bauhin und Gesner berichten von ihnen; doch waren sie noch im 17. Jahrhundert wenig verbreitet und kaum je als Arznei gebraucht. Als solche fanden sie erst von 1770 an Verwendung. Das in ihnen und in anderen Strychnosarten enthaltene Strychnin wurde nicht zuerst in ihnen, sondern 1819 und 1824 von Caventou in den einst ebenfalls offizinellen Ignatiusbohnen nachgewiesen. Dieselben stammen von einem ebenfalls zur Familie der Loganiazeen gehörenden Schlingstrauch der Philippinen (Strychnos ignatii), den der Jesuit Camelli 1699 als erster Europäer kennen lernte und nach dem Stifter seines Ordens, Ignatius Loyala, Ignatiusstrauch nannte, und enthalten fast dieselben Bestandteile wie die Brechnüsse. Früher wurden sie besonders gegen Wechselfieber und Epilepsie gebraucht. Ein naher Verwandter desselben ist der sich an den hohen Waldbäumen der Insel Java emporschlingende, 25–32 m lange Upasstrauch (Strychnos tieuté), aus dessen Wurzelrinde die Eingeborenen durch Auskochen mit Wasser und nachherigem Eindicken zu Sirupkonsistenz ihr überaus gefürchtetes Pfeilgift herstellen, das ebenfalls Strychnin als Hauptbestandteil enthält und sehr rasch den Tod des damit getroffenen Tieres herbeiführt.
Gleicherweise bereiten die Indianer Venezuelas aus der Rinde des sich um andere Urwaldbäume schlingenden Curarestrauches (Strychnos crevauxii, nach dem 1882 als Forschungsreisender in Südamerika ermordeten französischen Arzte Crevaux so genannt) ihr nicht minder wirksames Pfeilgift, das die Enden der motorischen Nerven lähmt, die Tiere so bei erhaltenem Bewußtsein lähmt und durch Lähmung der Atmungsmuskeln rasch den Tod herbeiführt. Deshalb wird es vielfach bei physiologischen Untersuchungen benutzt, wobei man die Tiere, wenn nötig, durch künstliche Atmung am Leben erhält; doch ist dies bei kleineren Dosen durchaus nicht nötig.
Im Gegensatz zu diesem Curarin, das die motorischen Muskeln lähmt, steht das Strophantin, das die Zusammenziehbarkeit der Muskeln, besonders des Herzmuskels steigert, und deshalb bei Schwächezuständen des Herzens vielfach als Ersatz der langsamer wirkenden und die Verdauungsorgane mehr angreifenden Digitalis gegeben wird. Als eines der stärksten Herzgifte, die es gibt, wird es in seiner Heimat, Westafrika, vielfach auch als Pfeilgift benutzt. Sein Erzeuger ist ein holziger Kletterstrauch Oberguineas aus der Familie der Apocynazeen oder Hundsgiftgewächse — zu denen u. a. auch unser Oleander gehört — (Strophantus hispidus), der sich an den höchsten Bäumen des Urwalds emporwindet und kreuzgegenständige, breitelliptische, rauhhaarige Blätter, gelbe Blüten mit lang herabhängenden Blumenblattspitzen und 30 cm lange, an beiden Enden zugespitzten Kürbissen mit tief gefurchter Oberfläche ähnliche Fruchtkapseln — meist zwei nebeneinander — besitzt, die bis 200 Samen enthalten. Letztere sind bis 15 mm lang und 3,5 mm breit, braun und etwas filzig behaart und dienen den Eingeborenen vorzugsweise zur Gewinnung von Pfeilgift, während eine Abkochung der Wurzeln und der Rinde innerlich gegen Malaria und Dysenterie und äußerlich zur Behandlung von Geschwüren aller Art, auch des Guineawurms, dient.
Wie Strophantus hispidus von Senegambien bis Oberguinea wird in Niederguinea und im ganzen Kongogebiet der gleicherweise kletternde Strophantus gratus bei allen Negerdörfern in Halbkultur angetroffen. Seine Balgfrüchte werden kurz vor der Reifezeit gesammelt und bilden ein nicht unwichtiges Handelsprodukt im Verkehr der Eingeborenenstämme, indem diese aus den leuchtend gelben, unbehaarten, außerordentlich stark bitter schmeckenden Samen ein sehr wirksames Pfeilgift herstellen. In gleicher Weise werden in Ostafrika die graugrünen, weißseidig behaarten Samen von Strophantus kombe benutzt, die heute in den deutschen Apotheken ausschließlich offizinell sind. Die sie erzeugende Liane wächst hauptsächlich am Sambesi und wird ebenfalls vielfach von den Eingeborenen in Halbkultur um ihre Dörfer gehalten. Schon David Livingstone machte auf seinen Forschungsreisen von 1858–1864 auf das ostafrikanische Pfeilgift kombe und auf die den Herzschlag verlangsamende Wirkung desselben aufmerksam. 1861 ermittelte dann der englische Konsul in Zanzibar, John Kirk, daß dieses Kombegift aus Strophantussamen bereitet wird. Fagge und Stevens, später Fraser, untersuchten dieses vom Sambesi erhaltene Kombegift und letzterer stellte 1872 das Strophantin dar, dessen physiologische Wirkung er auch klarlegte. Zugleich erkannte er die Identität dieses Giftes mit dem 1864 von Pélikan untersuchten westafrikanischen Pfeilgift inée oder onage (von den Samen von Strophantus gratus) aus Gabun. 1867 waren die Samen als neues Herzgift auf der Pariser Weltausstellung ausgestellt. Schon 1802 beschrieb A. de Candolle den Strophantus hispidus aus Sierra Leone.