Blumengarten in Verbindung mit einem Gemüsegarten in Port Sunlight.
Tafel 150.
Der Garten von [Tafel 147] drei Monate nach seiner Anlegung.
Ebenso werden die knolligen Wurzeln der mittelamerikanischen Sauerkleearten Oxalis tuberosa und esculenta gegessen. Zu diesem Zwecke werden diese Pflanzen in ihrer Heimat angebaut, wie auch der dickstengelige Sauerklee (Oxalis crassicaulis), dessen in Aussehen und Geschmack unsern Kartoffeln ähnliche Wurzelknollen verspeist werden, während die Blätter als Salat dienen. Die dicken Stengel sind reich an oxalsaurem Kalk, der aus dem ausgepreßten Safte derselben in Kristallen aufschießt. Die ganze Pflanze dient auch zu Rabatteneinfassungen. Gleicherweise enthält das Kraut des gemeinen Sauerklees (Oxalis acetosella) viel Oxalsäure, das früher daraus gewonnen wurde und als Sauerkleesalz in den Handel kam. Zu 1 kg desselben waren 150 kg Blätter nötig. Neuerdings wird dieses künstlich hergestellt. Die Blätter des Sauerklees werden indessen wie Sauerampfer zu Salat benutzt. Sie standen früher als heraldische Pflanze im Wappen der Irländer. Als shamrock wurde die Pflanze von englischen Dichtern häufig besungen. Alljährlich am 17. März, am Tage des heiligen Patricius (Patrik), des Schutzpatrons von Irland, wird ein Sauerkleeblatt von jedem patriotischen Irländer im Knopfloch oder am Hut getragen, da jener Schutzheilige des Landes durch dieses Sinnbild den Iren das Geheimnis der heiligen Dreifaltigkeit erklärt haben soll. Mit der Ausrottung der Wälder auf dieser Insel wurde auch der nur in Wäldern wachsende Sauerklee ausgerottet und der kriechende Klee (Trifolium repens) erschien durch die Kultur. Deshalb werden nun die Blätter dieser Pflanze an Stelle derjenigen des Sauerklees als shamrock getragen und vielfach für das echte Nationalabzeichen der Irländer gehalten.
Von den Malvengewächsen sind die Moschus- und Rosenmalve (Malva moschata und alcea), beide mit rosenroten, erstere ausnahmsweise auch mit weißen Blüten, zu Gartenzierpflanzen erhoben worden. Die wilde oder Roßmalve (Malva silvestris), auch Käsepappel genannt, mit hellpurpurnen, dunkler gestreiften Blüten, die beim Kochen ihres Krautes eine schleimige Lösung liefert, wird seit dem frühen Altertum äußerlich zu erweichenden Umschlägen und innerlich zu Gurgelwässern und als beruhigendes Mittel gebraucht. Außerdem wird sie auch als Gemüse angepflanzt. Schon der griechische Dichter Hesiod erwähnt sie unter der Bezeichnung maláchē als eßbar. Dioskurides im 1. Jahrhundert n. Chr. sagt in seiner Arzneimittellehre: „Die im Garten gezogene Malve (maláchē) paßt besser zur Speise als die wilde. Man braucht die Pflanze auch äußerlich und innerlich als Heilmittel.“ Palladius (um 380 n. Chr.), der sie, wie schon der ältere Plinius, malva nennt, rät, sie im Oktober zu säen und sagt, daß man sie auch im Februar säen könne. Sie liebe einen fetten, feuchten, gedüngten Boden. „Haben die Pflänzchen 4–5 Blätter, so versetzt man sie; denn ist sie größer, so wächst sie nicht leicht an. Sie schmeckt übrigens besser, wenn sie nicht versetzt wird. Man kann sie dadurch zwingen, nicht emporzuschießen, daß man auf ihre Spitze ein Steinchen oder Erdklümpchen legt. Sie gedeiht am besten, wenn sie fleißig gehackt wird, wobei man aber ihre Wurzeln nicht berühren darf.“
Von der in Syrien heimischen krausen Malve (Malva crispa) wird der Bast des Stengels als Gespinstmaterial gebraucht, ebenso von der ostindischen Hanfrose (Hibiscus cannabinus), einer einjährigen, krautigen Pflanze, welche in ihrer Heimat seit alter Zeit in ausgedehntem Maße kultiviert wird und den weißlichen, geschmeidigen, weichen, dem Flachs ähnlichen Gambohanf liefert. Auch der veränderliche Eibisch (Hibiscus mutabilis), dessen schöne Blüten morgens beim Aufblühen weiß, mittags rosenrot und abends beim Verblühen purpurrot sind, liefert einen guten Bast. Blätter und Blüten werden in China und Ostindien als Heilmittel benutzt. Die Pflanze wird in Südspanien kultiviert.
Ebenfalls strauchartig ist der chinesische Roseneibisch (Hibiscus rosa chinensis), der gleich dem vorigen in Ostindien und China als schöne Zierpflanze kultiviert wird. Seine großen, stark variierenden Blüten dienen dazu, Kopfhaare, Augenbrauen und auch Schuhe schön schwarz zu färben. Auch sein Bast wird technisch verwendet. Der syrische Eibisch (Hibiscus syriacus), ein Strauch von 1,5–3 m Höhe mit 8 cm breiten, violetten, roten oder weißen, im Grunde schwarzroten Blüten, ist bei uns eine beliebte, im Freien unter Bedeckung überwinternde Zierpflanze. Winterhärter ist der noch häufiger in Gärten angetroffene, aus Südeuropa stammende Stundeneibisch (Hibiscus trionum), dessen zarte Blüten sich zu bestimmten Tageszeiten öffnen und nur wenige Stunden offen bleiben. Wegen dieser Eigentümlichkeit wird er auch Stundenblume oder Wetterrose genannt.