Die meisten Varietäten dieser Zierpflanze in seinem Garten zu besitzen, kann sich außer dem japanischen Kaiser angeblich noch der sehr reiche Graf Okuma in Tokio rühmen. Sonst sehen es die Liebhaber der Kiku, deren Zahl Legion ist, darauf ab, eine ihnen besonders zusagende Form in möglichst eigenartiger Ausbildung zu erlangen. Als Beispiel für die Mühe, die auf die Zucht neuer Rassen verwendet wird, soll hier erwähnt werden, daß der Züchter Hayashi jedes Jahr 30000 Chrysanthemen der Sorte ennichi-giku, bei der es darauf ankommt, möglichst bizarr gestaltete Blüten zu erzielen, kultiviert, unter denen sich höchstens 5 Exemplare finden, die seinen Anforderungen entsprechen und zur Nachzucht verwendet werden. Zu möglichster Größe herangezüchtet ist das Riesenchrysanthemum Zukuri, das über tausend Blumen tragen kann; das Gegenstück dazu bildet die Zwergpflanze bonsai-zukuri. Hironishi ist eine ungefüllte Rasse, deren Blumen nur 16 Blumenblätter enthalten dürfen. Es ist dies die Kaiserblume, von der das Chrysanthemumwappen der kaiserlichen Familie abgeleitet ist. Die ipon-zukuri ist eine Rasse mit nur einer Achse und nur einer Blüte.
Schon im Jahre 1688 kultivierte man in Holland 6 aus Ostasien eingeführte Spielarten von Chrysanthemen, aber erst hundert Jahre später fand die Pflanze größere Verbreitung in Europa und wird seit 1826, wo dies in Toulon zuerst geschah, auch bei uns aus Samen gezüchtet. In neuerer Zeit wurde sie namentlich in England, dann auch in Deutschland zu großer Vollkommenheit gebracht; doch werden noch immer viele Varietäten aus Japan und China eingeführt. Obwohl wir es hierin noch lange nicht mit den Japanern aufnehmen können, so besitzen wir bereits eine Menge von Spielarten derselben mit weißen, gelben, orangefarbenen, braunen, roten, schwärzlich purpurfarbigen, auch zweifarbigen Blüten mit den verschiedensten Formen der Blumenkrone und ihrer einzelnen Blätter. Alle diese wunderbaren Abänderungen erzielen die Züchter teils durch künstliche Auslese, teils durch Hybridation oder Kreuzung und durch zufällig auftretende Mutationen. Die wunderbaren, riesigen Blumen, die neuerdings auf Ausstellungen und in Schaufenstern der Blumenläden unser Staunen erregen, gehören nicht, wie man glauben könnte, einer besonderen Art an, sondern es sind anormale Blütenstände, „Überblumen“, die durch eine eigene Kulturmethode erzeugt werden. Man bringt die Chrysanthemen zu diesem Zwecke in ein Kalthaus, wo sie ganz dicht am Fenster aufgestellt werden. An jeder Pflanze läßt man nur wenige Blätter und schneidet die Blütenknospen gleich nach ihrem Erscheinen bis auf eine einzige ab. Unter der Einwirkung der sehr starken Düngung nimmt dann diese, mehr als sonst üblich ernährte Blume einen riesigen Umfang an, der mitunter sogar demjenigen eines Menschenkopfes gleichkommt. Dabei hängen die stark verlängerten Blumenblätter, die zu lang sind, um sich selbst aufrecht halten zu können, in graziösen Linien herunter und verleihen diesen Blüten einen absonderlichen Ausdruck, der sehr dem modernen Geschmacke entspricht. Das Straußenfederchrysanthemum mit bewimperten Blättern ist wie die Kaktusdahlie eine vor einigen Jahren in einem einzigen Exemplare beim Blumenzüchter Alphonse Hardy aufgetretene Sprungvarietät, die sich infolge ihres absonderlichen Aussehens rasch einbürgerte.
Von weiteren bemerkenswerten Kompositen, die als Gartenzierpflanzen kultiviert werden, ist die Flockenblume (Centaurea) zu nennen, deren 470 Arten meist im Mittelmeergebiet heimisch sind. Unsere blaue Kornblume oder Cyane — vom griechischen kýanos blau so genannt — (Centaurea cyanus) ist ein Sommergewächs aus Sizilien, das mit dem Klatschmohn (Papaver rhoeas) als Ackerunkraut wahrscheinlich schon zur Pfahlbauzeit mit dem Getreide nach Mitteleuropa verbreitet wurde. Diese einstige Lieblingsblume Kaiser Wilhelms I., die als solche bei dessen Lebzeiten sich besonderer Gunst in ganz Deutschland erfreute, wird heute in Arten mit mannigfach gefärbten Blüten als Zierpflanze in Gärten kultiviert. Auch die auf Kalkbergen und Gebirgswiesen wachsende Bergflockenblume (Centaurea montana) mit größeren himmelblauen, in der Mitte purpurrötlichen Blüten und die 2 m und darüber hoch werdende Centaurea atropurpurea werden als Zierpflanzen gezogen. Aus dem Orient und dem östlichen Mittelmeergebiet kam die Bisamflockenblume (Centaurea moschata) mit großen, weißen oder violett gefärbten, schwach nach Bisam (Moschus) riechenden Blüten zu uns, ebenso die Centaurea orientalis, während die Centaurea ragusina mit fein zerschlitztem, weißfilzigem Laub und gelben Blüten aus Dalmatien stammt. Die niedrige, ebenfalls weißfilzige Centaurea candidissima wird gerne zu Teppichbeeten verwendet, während die Centaurea macrocephala mit 90 cm hohem Stengel und goldgelben Blüten von 9 cm Durchmesser mehr als Einzelpflanze auf Rasen kultiviert wird.
Aus dem südlichen Nordamerika kam die schöne Zinnie (Zinnia elegans) als prächtige einjährige Gartenzierpflanze zu uns. Ihren Namen erhielt sie nach Joh. Gottfried Zinn (1727–1759), der zu Schwabach bei Nürnberg geboren wurde und als Professor der Medizin in Göttingen starb. Er gab eine Beschreibung der um jene Universitätsstadt wachsenden Pflanzen heraus. Die 12 Arten Zinnia wachsen in Mexiko, Arizona und Texas. Die Zinnia elegans wird 60–80 cm hoch, hat gegenständige Blätter, große Blütenköpfe mit kleinen, gelben Scheibenblüten und großen, gelben Strahlenblüten. Sie wird in vielen Varietäten mit goldgelben, purpur- und scharlachroten, rosa, reinweißen, gestreiften, einfachen, gefüllten und krausen Blüten bis zu Riesenformen kultiviert. Ebenso Z. haageana und ein Bastard zwischen beiden, Z. darwini, von dem wieder mehrere Spielarten gezüchtet wurden.
Ebenfalls aus Nordamerika stammt das zweifarbige Schöngesicht (Calliopsis bicolor), das in unseren Gärten wegen seiner goldgelben bis braunen Strahlenblüten als schönblühende Zierpflanze allgemein beliebt ist. Desgleichen verhält es sich mit der nordamerikanischen geschlitzten Rudbeckie (Rudbeckia laciniosa) mit bräunlicher Scheibe und abstehenden, gelben Strahlenblüten. Sie wurde von Karl von Linné nach dessen Lehrer und Freund Hans Rudbeck, Professor der Botanik in Upsala in Schweden, wo er 1660 geboren wurde und 1740 starb, genannt. Auch Silphium perfoliatum mit gelben Blüten ist eine aus Nordamerika stammende Gartenzierpflanze, die teilweise verwildert ist, wie die von ebendorther stammende Meerambrosie (Ambrosia maritima). Letztere erhielt von Linné diesen Namen wegen ihres angenehmen Geruchs, der an die Ambrosia, die Nahrung der unsterblichen Götter, erinnern sollte, erstere dagegen von dem berühmten Heilmittel und Gemüse sílphion, das die Griechen aus Kyrene in Nordafrika bezogen und das eine mit dem Stinkasant verwandte Doldenpflanze und keine Komposite wie diese war.
Von den etwa 100 im wärmeren Amerika, besonders zahlreich in Mittelamerika, wachsenden Steviaarten werden ebenfalls mehrere, so die purpurrote Stevia purpurea, die weiße S. serrata und die fleischfarbige S. ivaefolia bei uns in Gärten kultiviert und liefern ein beliebtes Material für die Blumenbinderei. Von den fast ausschließlich nordamerikanischen Goldruten (Solidago) wird besonders die kanadische Goldrute (Solidago canadensis), die in ihrer Heimat gegen den Biß der Klapperschlangen gebraucht wird und deshalb Klapperschlangenkraut heißt, nebst einigen anderen Arten als Zierpflanze kultiviert, findet sich aber auch mehrfach bei uns verwildert.
Aus dem wärmeren Amerika, wo sie in 20 Arten vertreten sind, stammen auch die Toten- oder Samtblumen (Tagetes) mit zierlichen Köpfchen von gelben und orangefarbenen Blüten. Besonders Tagetes patula und T. erecta, die beide einander sehr ähnlich sind und stark aromatisch riechen, werden in mehreren Varietäten als Gartenpflanzen kultiviert. Man kennt sie in Europa seit dem 16. Jahrhundert. Sehr schöne Gartenpflanzen sind auch T. signata und T. lucida.
Selbst das überall auf unsern Wiesen wachsende gemeine Gänseblümchen oder Tausendschönchen (Bellis perennis) mit gelben Scheiben- und weißen oder roten Zungenblüten, das früher namentlich vom Landvolke als Heilmittel gegen Auszehrung gebraucht wurde, ist vom Menschen in Kulturpflege genommen worden und wird besonders in der rotblühenden einfachen oder gefüllten Spielart mit teilweise sehr großen Blüten zur Einfassung von Gartenbeeten und als Topfpflanze in Blumenfenstern gezogen. Seinen deutschen Namen erhielt es davon, daß es besonders häufig auf Feldern wächst, auf denen Gänse zur Weide getrieben werden, und weil es gerne von diesen gefressen wird. Tausendschönchen heißt es nach dem lateinischen bellis, das von bellus schön herrührt und etwa mit Schönchen übersetzt werden darf. Schon der ältere Plinius (23–29 n. Chr.) erwähnt es in seiner Naturgeschichte und schreibt von ihm: „Das Gänseblümchen (bellis) wächst auf Wiesen; die Blüte ist weiß und spielt ins Rötliche.“
Eine der ältesten und wichtigsten Arzneipflanzen, die heute noch keinem Bauerngarten fehlt, ist die echte Kamille (Matricaria chamomilla) mit gelber Blütenscheibe und weißem Strahl. Sie hat ihren griechischen Namen chamaimélon (von chamai niedrig und mélon Apfel), woraus dann das lateinische chamomilla entstand, nach dem älteren Plinius vom apfelartigen Geruch ihrer Blüten. Letztere werden getrocknet in den Apotheken, wie auch in fast allen Haushaltungen gehalten, um in Krankheitsfällen Verwendung zu finden. Sie besitzen einen angenehmen, etwas kampferähnlichen Geruch, den sie dem himmelblau gefärbten, ätherischen Kamillenöl verdanken, dem krampfwidrige, beruhigende Eigenschaften innewohnen. Außerdem enthalten sie Salizylsäure, wodurch sie antiseptisch wirken. Ausschließlich Zierblume ist dagegen die Matricaria coccinea mit scharlachroten Blüten.