Nahe verwandt mit dem Oleander, der im nächsten Abschnitte besprochen werden soll, ist das in den Laubwäldern Europas bis nach Norddeutschland wildwachsende kleine Immergrün (Vinca minor), dessen zahlreiche nichtblühende Stengel niedergestreckt und reich beblättert sind und Wurzeln schlagen, während die blühenden aufrecht stehen. Die Blüten sind langgestreckt, blau, bei einigen Spielarten weiß, violett, rot, purpurn, einfach oder gefüllt. Noch schöner ist das in allen Teilen größere Immergrün (V. major) mit kürzern Blütenstielen und hellblauen Blumen. Eine seiner Spielarten hat goldgelb gezeichnete Blätter, eine Varietät, die es übrigens auch vom kleinen Immergrün gibt. Beide Arten benutzt man vorzugsweise zur Ausschmückung schattiger und feuchter Stellen des Gartens, wo aus Lichtmangel keine anderen Pflanzen gedeihen, außerdem als Schmuck von Gräbern. Alle diese Arten blühen schon vom März an bis zum Juni und oft noch einmal im Herbst. Man vermehrt sie durch Teilung der Stöcke und durch Ausläufer, die sich häufig schon bewurzelt finden. Eine meist in Gewächshäusern kultivierte, ausdauernde Art der Antillen ist Vinca rosea mit langröhrigen, dunkelrosenroten, im Schlunde purpurnen Blumen.

Ein südasiatischer Strauch ist der in Gärten Südeuropas häufig kultivierte Jasmin (Jasminum grandiflorum), der seinen Namen vom persischen jâasman oder jasmin hat. Seine langen, biegsamen Äste sind als Pfeifenröhren, namentlich in der Türkei, sehr beliebt. Die wohlriechenden weißen Blüten waren früher als Arznei gebräuchlich, werden jetzt aber nur noch als Parfüm, sowie zur Bereitung des in der Parfümerie geschätzten ätherischen Jasminöls gebraucht, indem man sie mit dem zu Pomade beliebten Behenöl von Moringa oleifera übergießt. Ein im Orient, in Süd- und Ostasien häufig angepflanzter Zierstrauch ist der in Ostindien heimische arabische Jasmin oder Sambac (Jasminum sambac), dessen blaße Blüten wie bei allen Nachtblumen erst nach Sonnenuntergang einen starken Wohlgeruch aushauchen, weshalb sie als Opfer und zum Ausstreuen in Tempeln, wie auch zum Parfümieren des chinesischen Tees dienen. Aus ihnen wird aber ebenfalls ein ätherisches Jasminöl und ein dem Rosenwasser ähnliches Wasser dargestellt. Mit den orangefarbenen Blumenkronröhren färbt man in Ostindien statt des Safrans Speisen und andere Gegenstände gelb. In derselben Weise werden die gelben Blüten des ihm verwandten ostindischen Trauerstrauchs (Nyctanthes arbor tristis) verwendet.

Als wilder Jasmin oder wohlriechender Pfeifenstrauch wird der aus China und Japan zu uns gekommene Philadelphus coronarius mit starkriechenden, einfachen und gefüllten, grünlichweißen Blüten und gefüllten Blättern kultiviert und ist auch stellenweise um Dörfer herum verwildert. Seine geraden Schosse dienen zu Pfeifenröhren und die Blüten zum Extrahieren des Parfüms. Auch Philadelphus satsumi aus Japan, P. latifolius, pubescens und gordonianus aus Nordamerika werden in unsern Parks gezogen. Dem wohlriechenden Pfeifenstrauch ähnliche Blüten hat der sehr ästige, 1 bis 2 m hohe japanische Zierstrauch, die rauhblätterige Deutzie (so genannt nach dem Amsterdamer Ratsherrn Joh. Deutz, dem Förderer von Thunbergs botanischen Reisen), Deutzia scabra, die in unsern Anlagen zu finden ist, während die dieser ähnliche, aber kleinere zierliche Deutzie (D. gracilis) als frühblühende Topfpflanze bei uns beliebt ist.

Ebenfalls in Japan und im nördlichen China heimisch ist die mit den vorigen verwandte Hortensie (Hydrangea hortensis), ein bis 1 m hoher Strauch mit ursprünglich rosenroten Blüten in oft 30 cm im Durchmesser haltenden Trugdolden. Die „gefüllte“, d. h. nur mit großen, unfruchtbaren Blüten versehene Abart wurde 1788 in den berühmten, 1730 gegründeten botanischen Garten in Kew bei London eingeführt und erhielt ihren Namen vom englischen Botaniker Commerson, der sie 1767 in China entdeckte, nach seiner Freundin, Frau Hortense Lapeaute, die ihren Gemahl, der als Astronom mit ihm zusammen an der Bougainvilleschen Expedition teilnahm, begleitete. Die einfachblühende Form mit fruchtbaren Blüten wurde erst in neuester Zeit eingeführt. Die rotblühende Form kann man durch Zusatz von Eisen und Alaun in eine blaublühende verwandeln. Zu diesem Zwecke setzt man dem Wasser, mit dem man die in Töpfen gezogene Pflanze begießt, 5 g Eisen-Ammoniakalaun auf 1 Liter Wasser oder etwas Eisenvitriol bei. Die Gärtner pflegen der Erde schon beim Einpflanzen im August etwas Eisenfeilspäne — etwa 15 g auf 1 Liter Erde — beizugeben. Am besten dient hierzu eisenhaltige Erlenbruch- oder Sumpfmoorerde; in solcher entwickelt die Hortensie beständig blaue Blüten. Sie findet sich auch in Japan und entsteht bei uns zuweilen von selbst. Hydrangea paniculata, ein Strauch mit weißlichen, später rötlichen, unfruchtbaren Blüten, wächst in Japan und auf Sachalin und wird bei uns besonders in großblumigen Varietäten als winterharter Zierstrauch angepflanzt, wie auch die weißblütige nordamerikanische baumartige Hortensie (Hydrangea arborescens), die in Virginien zu Hause ist und 3 m hoch wird. Die Blätter von H. thunbergi dienen den Japanern zum Tee, der von ihnen wegen des Wohlgeschmacks Himmelstee genannt wird.

Die Erikazeen mit etwa 420 Arten wachsen in Europa besonders im Mittelmeergebiet, am reichsten aber im Kapland, und zwar fast ausschließlich in der Nähe der Westküste. Von den einheimischen Arten werden außer dem Alpenheidekraut, der fleischroten Heide (Erica carnea), auch einige Verwandte derselben in Gärten gezogen. Den Namen erhielt die Pflanzengattung vom griechischen ereíkē, womit von den Alten die südeuropäische baumartige Heide (Erica arborea) wegen ihrer brüchigen Äste (von ereíkein brechen) bezeichnet wurde. Dioskurides schreibt in seiner Arzneimittellehre: „Die Baumheide (ereíkē) ist ein buschiger Baum, der Tamariske ähnlich, aber weit kleiner. Aus ihren Blüten holen die Bienen einen Honig, der gar nicht beliebt ist.“ Sein Zeitgenosse, der ältere Plinius, sagt: „Erice nennen die Griechen einen Strauch, der der Tamariske ähnlich, wie Rosmarin gefärbt ist, fast ebensolche Blätter hat und die Schlangen verscheuchen soll.“ Diese Baumheide wird 10 m hoch, hat kleine, fast kugelige, in Trauben vereinigte, wohlriechende Blüten, überzieht in manchen Gegenden Griechenlands weite Strecken und liefert namentlich den Bienen in Attika eine Hauptnahrung; doch hat der von diesen Pflanzen gesammelte Honig (eríka-méli, Heidehonig) einen eigentümlichen Geruch zum Unterschied des beliebten und teuren, schon im Altertum berühmten Honig des Berges Hymettos, der vorzüglich von Rosmarinus und Thymus capitatus von Bienen gesammelt wird. Das fleisch- bis ziegelrote maserwüchsige Wurzelholz der auf den Kanaren bis 20 m hoch werdenden Baumheide, das besonders aus Spanien, Südfrankreich und Korsika ausgeführt wird, wird zu Schnitz- und Dreharbeiten, besonders aber zu Pfeifenköpfen verwendet. Außer den einheimischen werden neuerdings besonders viele Erika-Arten vom Kap der Guten Hoffnung als Zierpflanzen kultiviert. Sie fordern eine besondere Behandlung in den sogenannten „Kaphäusern“ und zeichnen sich durch große Zierlichkeit aus. Ihre mannigfach geformten Blüten zeigen das reinste Weiß, zartes Rosa, feuriges Rot, Purpur, seltener Gelb und Grün. Winterharte europäische Arten, wie die Sumpfheide (Erica tetralix) und E. ciliaris aus Südwesteuropa, besonders aber Erica carnea aus Südeuropa, ein zeitiger Frühjahrsblüher mit weißen oder roten Blüten, kultiviert man im Garten am Rande von Gebüschen, als Einfassungen und auf Moorbeeten. In Australien und Ozeanien sind die Erika-Arten durch die Epakridazeen vertreten, von denen ebenfalls zahlreiche zur Zierde in unseren Gärten gezogen werden. Manche von ihnen haben eßbare Früchte, von denen die der Styphelia sapida am meisten geschätzt werden.

Zu den Erikazeen gehören auch die Rhododendren oder Alpenrosen. Wörtlich übersetzt heißt das griechische rhododéndron Rosenbaum, wegen der rosenroten Blüten. Im Altertume verstand man unter dieser Bezeichnung den ebenfalls rotblütigen Oleander (Nerium oleander). Öfter findet man in unseren Gärten die rostblätterige Alpenrose (Rhododendron ferrugineum), die Königin der Alpenpflanzen, angesiedelt. Als Schneerose ist sie schon viel besungen worden und dient den Älplern als beliebter Schmuck. Auch zieren damit die Bergwanderer ihre Hüte. Häufiger als sie werden ausländische Arten als Zierpflanzen in Gärten und Gewächshäusern kultiviert, so vor allem die aus den Bergen Kleinasiens zu uns gekommene pontische Alpenrose (Rh. ponticum) mit mattvioletten Blüten, die kaukasische Alpenrose (Rh. caucasicum) mit großen, blaßgelben Blüten aus dem Kaukasus, die goldblütige Alpenrose (Rh. chrysanthum) mit goldgelben Blüten aus Sibirien. Sehr zahlreiche baumartige Rhododendren wachsen an den Abhängen des Himalaja, so die baumartige Alpenrose (Rh. arboreum), die in Höhen von 1600–3300 m vorkommt und in ihrer Heimat, von Kaschmir bis Nepal, 6–9 m hoch wird. Sie hat große, dunkelrote Blüten, wird aber in verschiedenen Abänderungen in den Gärten gezogen. Die Unterfläche der Blätter dieser Art ist mit einer süßen, zuckerartigen Masse überzogen, die bisweilen in durchsichtigen Tropfen hinabhängt und von den Gebirgsbewohnern Indiens gegessen wird. Die eigentliche Alpenrose des Himalaja ist aber Rh. dalhousianum (der Lady Dalhouse zu Ehren benannt), die wohlriechende, weiße oder rosafarbene Blüten von 13 cm Umfang mit dem feinsten Aroma erzeugt, welche ohne Unterbrechung 2–3 Monate aufeinander folgen. Sie findet sich im Sikkim-Himalaja in einer Höhe von 1600–2600 m, während Rh. nivale daselbst nur an der Grenze des ewigen Schnees gedeiht. Aus Nordamerika stammen Rhododendron maximum, die der pontischen gleicht, aber höher wird, mit zart fleischroten bis fast weißen, innen gelb und grün gefleckten Blüten und Rh. catawbiense mit dunkelroten Blüten. Alle diese Arten wurden untereinander gekreuzt und haben sehr viele Blendlinge geliefert, die teilweise wundervolle Blüten aufweisen und den Stolz unserer Gewächshäuser bilden.

Ähnlich verhält es sich mit den den Rhododendren verwandten Azaleen, so genannt nach dem griechischen azaléos trocken, dürr, weil sie meist an dürren Orten wachsen. Auch sie sind wie jene sämtlich Hochgebirgspflanzen, die in zahlreichen Spielarten und Kreuzungsprodukten mit den Rhododendren einen wichtigen Teil unseres Frühlingsflors ausmachen. Die 40 Arten derselben wachsen in Nordamerika, Ostasien und eine einzige im Kaukasus. Die prachtvollsten Sorten kamen ums Jahr 1800 aus China zu uns, unter welchen Azalea indica mit roten Blüten, die dort seit alter Zeit als beliebte Zierpflanze kultiviert wird, die Stammmutter der meisten Spielarten ist und in zahlreichen Varietäten und Blendlingen in unsern Kalthäusern kultiviert wird. Sie ist wahrscheinlich auf vier Arten zurückzuführen und wird in bezug auf Blütenreichtum, Glanz und Farbenpracht der Blumen von keiner anderen Pflanzengattung übertroffen. Alle von der indischen Art abstammenden Azaleen haben meist 10 Staubgefäße und bleibende Blätter, weshalb sie auch zur Familie der Rhododendren gezählt werden. Alle übrigen, die pontischen, japanischen und amerikanischen Arten haben nur 5 Staubgefäße und abfallende Blätter. Die ersteren erfrieren bei uns im Freien, können also nur in Kalthäusern gezogen werden, während letztere unsere Winter im allgemeinen ertragen und mit nur leichtem Schutz im Freien ausdauern. Am frühesten, nämlich schon seit 1793, wurde bei uns die in den Gebirgen des nördlichen Kleinasien heimische pontische Azalee (A. pontica) eingeführt. Es ist dies ein 1–2 m hoher Strauch mit großen, goldgelben, wohlriechenden Blüten. Der Nektar ihrer Blüten ist sehr stark narkotisch, so daß der von ihm gesammelte Honig betäubt und selbst Raserei zur Folge hat, wie schon die zehntausend Griechen, die unter Xenophons Führung im Jahre 400 v. Chr. den berühmten Rückzug aus Mesopotamien über das armenische Hochland nach Trapezunt am Schwarzen Meere machten, an sich erfuhren. Außer ihr werden bei uns im Freien meist die amerikanischen Arten: Azalea punicea, mucronata, amoena, calendulacea, arborescens und viscosa, wie auch deren Kreuzungsprodukte gezogen.

Ein anderer, wegen seiner wundervollen Blüten bei uns als Topfpflanze, aber schon in wärmeren Lagen Norditaliens und Südfrankreichs im Freien gezogener Zierstrauch, der aus Ostasien zu uns kam, ist die Camellie oder japanische Rose. Diese mit den Teegewächsen die Familie der Ternströmiazeen (nach dem Schweden C. Ternström, der China durchforschen wollte, aber 1745 vor Erreichung dieses Zieles starb, so genannt) bildende Pflanze erhielt nach dem Abbé Berlese in Paris, dem Verfasser einer Monographie der Camellien, ihren Namen von Karl von Linné nach dem Jesuiten Georg Josef Kamell (Camellius), der als gelernter Apotheker in Manilla auf den Philippinen 1639 allerlei Pflanzen, die medizinisch von Wichtigkeit sein könnten, sammelte. Die Camellien sind dem Teestrauche ähnliche Sträucher im Himalaja, in Cochinchina, China und Japan. Die prächtigste Art ist die Camellia (oder Thea) japonica, ein 12–15 m hoher Strauch mit lederartigen, immergrünen Blättern und reichlich erscheinenden, endständigen, stiellosen, großen, roten Blüten, die sich leicht füllen. Sie wird in Japan in Hecken und in China als Zierpflanze angebaut. Aus ihren braunen Samen wird dort ein dem Olivenöl ähnliches Öl gepreßt, das als Heilmittel und zum Hausgebrauch benutzt wird. Sie wurde 1739 von Lord Petre von Japan nach England gebracht und hier mit der erst gegen das Ende des 18. Jahrhunderts in Europa eingeführten chinesischen Art vielfach gekreuzt. Man zieht heute von ihr mehrere hundert prachtvolle Varietäten mit roten, rosenroten, weißen und weißgestreiften, gesprenkelten oder gefleckten Blüten. Sie blühen bei uns in Gewächshäusern von Februar bis April, doch bringt man viele Sorten durch künstliches Antreiben schon im Oktober und November zur Blüte. Bei sorgfältiger Pflege gedeiht sie auch im Zimmer, erträgt aber sehr schlecht einen Wechsel des Standortes, da in solchem Falle die Blüten regelmäßig abfallen. Die in China und Japan einheimische, in letzterem Lande sasankua genannte kleinere, zartere Verwandte, Camellia sasankua mit stumpferen, weicheren Blättern und kleineren Blüten, wird in ihrer Heimat häufig kultiviert. Nicht nur werden ihre wohlriechenden, weißen Blüten vielfach dem chinesischen Tee beigemengt, um ihn zu parfümieren, sondern auch die getrockneten Blätter unter die Teeblätter gemischt, desgleichen für sich allein als Tee benutzt. Mit einer Abkochung derselben waschen die Japanerinnen ihr Haar, und aus den Samen gewinnt man ein geschätztes, wohlriechendes Öl. In Nepal wird Camellia kissi mit stark wohlriechenden Blüten ebenfalls als Teesurrogat verwendet und liefert aus den Samen ein gutes Öl. Nach den japanischen Camellien gelangte dann auch aus China die reichblühende Camellia reticulata mit breiten Blättern und großen Blüten zu uns und lieferte durch Kreuzung mit jenen zahlreiche Blendlinge mit schönen, bunten Blüten.

Unter den Nachtschattengewächsen sind einige Stechapfelarten als Zierpflanzen von Bedeutung, so die Datura metel mit nachts sich öffnenden zarten, weißen, fast wie Lilien riechenden Blüten. Sie wächst im Mittelmeergebiet, in Afrika und Südasien und wird in Indien, Persien und Arabien zur Bereitung von Berauschungsmitteln mit Haschisch, Opium und Gewürzen verwendet. Datura fastuosa (d. h. die schöne, stolze) mit großen, weißen, bisweilen außen violetten, auch gefüllten, wohlriechenden Blüten in Ost- und Südasien, dem malaiischen Archipel und dem tropischen Afrika wird in Indien und China wie der Stechapfel bei uns benutzt und als Zierpflanze kultiviert. Sie wird auch bei uns in Töpfen gezogen, muß aber frostfrei überwintert werden. Gleicherweise ist dies mit Datura suaveolens (d. h. der angenehm riechenden) und der 3–4 m hohen D. arborea (d. h. der baumartigen) der Fall, die beide in Chile und Peru heimisch sind und große, hängende, weiße, besonders gegen Abend wohlriechende Blüten besitzen. Ebensolche hängende, große, aber statt weiße von der Basis bis zur Mitte gelbe, in der oberen Hälfte jedoch mattrote, mit blutroten Streifen durchzogene Blüten weist die ebenfalls strauch- oder baumartige D. sanguinea in Peru auf. Aus deren Blüten bereiteten sich die Peruaner, wie wir bereits erfuhren, einen berauschenden Trank, den einst die Priester des Sonnentempels in Sagamossa, dem peruanischen Orakelsitze, tranken, um sich mit den Geistern der Verstorbenen in Verbindung zu setzen. Deshalb wird die Pflanze heute noch von den Peruanern yerba de huaca, d. h. Gräberpflanze, genannt. Von Nachtschattengewächsen werden auch manche Arten des Tabaks als Zierpflanzen kultiviert, so Nicotiana tabacum var. purpurea latissima und die 3 m hoch werdende N. glauca aus Mexiko, ferner N. longiflora und affinis, letztere mit großen, wohlriechenden Blüten, beide aus Chile, die gewaltige N. tomentosa aus Peru und die N. wigandioides mit 1 m langen und 60 cm breiten Blättern aus Venezuela.

Ebenfalls südamerikanischer Herkunft sind die bei uns als Gartenzierpflanzen so beliebten Fuchsien, die nach dem von Karl V. geadelten Schwaben Leonhard Fuchs (1501–1565) so genannt wurden. Dieser war zuerst Schullehrer in seinem Geburtsorte Wemding in Schwaben, erwarb sich dann als Arzt und Botaniker großen Ruf und starb als Professor der Medizin in Tübingen. Neben Otto Brunsfeld und Hieronymus Bock (genannt Tragus) war er der Begründer der vaterländischen Pflanzenkunde und gab die damals besten Pflanzenabbildungen heraus. Sein in Basel gedrucktes New Kreuterbuch besaß einst großes Ansehen, so daß es noch 1643 neu aufgelegt wurde. Die Fuchsien sind Sträucher oder kleine Bäume mit vorherrschend roten Blüten mit gefärbtem Kelch, vier Blumenblättern und kleinen, fleischigen, vielsamigen, dunklen Beeren. Über 60 Arten derselben finden sich in den Gebirgen von Mexiko bis zum Süden von Chile in Höhen von 1000–3000 m, wenige auf den Antillen, in Guiana und Brasilien, auch in Neuseeland. Der französische Botaniker Charles Plumier beschrieb 1703 die erste Fuchsia, die als F. coccinea 1788 in die europäischen Gärten eingeführt wurde. Seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts sind mehrere Arten in Kultur, und gegenwärtig zählt man mehr als 800 Hybriden und Spielarten derselben. Die hauptsächlichsten Stammeltern der jetzigen Fuchsien sind außer F. coccinea mit dünnen, purpurrötlichen Ästen, kleinen Blüten mit scharlachrotem Kelch, violettblauer Blumenkrone und lang hervorragenden Staubfäden F. fulgens mit mennigroten, F. globosa mit prächtigen, scharlachroten und F. gracilis mit kleineren, aber sehr zahlreichen, karminroten Blüten — alle drei aus Mexiko — und F. corymbiflora aus Peru mit 13 cm langen Blüten mit karminrotem Kelch und scharlachroter Blumenkrone. Lange Zeit war die Größe der Blume die geschätzteste Eigenschaft dieser beinahe prächtigsten Blütenpflanzen der Gewächshäuser, dann kamen die Sorten mit weißlicher Kelchröhre und gefärbter Blumenkrone, später gestreiftblumige Sorten, darauf gefüllte und fast gleichzeitig Fuchsien mit sehr dunkler Blumenkrone und zurückgeschlagenen Kelchblättern, endlich die Sorten mit roten Kelchen und weißer Blumenkrone auf. Bemerkenswert sind noch F. serratifolia aus Peru mit dunkelroten Ästen und roten Blüten, die in unserem Winter — dem Sommer ihrer Heimat — erscheinen, und F. microphylla aus Mexiko mit sehr kleinen Blättern und Blüten. Die Beeren mehrerer Arten werden in Südamerika, mit Zucker eingemacht, gegessen, von andern dient das Holz zum Schwarzfärben. Die Fuchsien wachsen leicht und willig, blühen sehr reichlich und gedeihen am besten, wenn man sie an einem luftigen, kühlen, nur eben frostfreien, wenn möglich etwas hellen Raum bei spärlichster Bewässerung überwintert.