Bisweilen findet sich in unseren Anlagen auch der in Südeuropa heimische Baumwacholder (J. excelsa), der nebst dem im östlichen Mittelmeergebiet, besonders in Syrien und Phönikien heimischen, in der Erscheinung der Cypresse ähnlichen, ebenfalls baumartigen Cedernwacholder (J. phoenicea) die Ceder der Alten bildete, deren rötliches, wohlriechendes Holz als „der Verwesung widerstehend“, wie schon Theophrast im 4. Jahrhundert v. Chr. sagt, mit Vorliebe als Werkholz benutzt wurde, während sie den gemeinen Wacholder als „kleine Ceder“ (kédros mikrá) bezeichneten. Nach Homers Ilias war das Bettgestell des Königs der Troer, Priamos, aus solchem Wacholderholz gefertigt (kédrinos) und duftete lieblich. Nach der Odyssee aber brannte in der Wohnung der Nymphe Kalypso, Tochter des Atlas, die den auf die von ihr bewohnte Insel Ogygia verschlagenen Odysseus 7 Jahre lang festhielt, ein Feuer von Baumwacholder (kédros) und Lebensbaum (thýon von thýein opfern, weil sein Holz beim Opfer verbrannt wurde) und verbreitete weithin über die Insel Wohlgeruch. Rings um die Wohnung der Nymphe standen Erlen (klḗthrē), Schwarzpappeln (aígeiros) und wohlriechende Cypressen (kypárissos). Auf den Bäumen nisteten Käuzchen (skṓps), Falken (írēx) und Rabenkrähen (korṓnē). In Vergils Äneis erleuchtete die in der Odyssee als Tochter des Sonnengottes Helios und der Okeanide (Meerjungfrau) Perseis genannte, auf der Insel Aeaea hausende Zauberin Kirke, die die Gefährten des Odysseus in Schweine verwandelt hatte, nachts ihren stolzen Palast mit wohlriechendem Wacholderholz (odorata cedrus). Nach demselben Epos standen in der alten Burg des Königs Latinus in Latium (in Mittelitalien am Tyrrhenischen Meer zwischen den Flüssen Tiber und Liris — jetzt Garigliano — gelegen) der Reihe nach die aus Wacholderholz (cedrus) geschnitzten Bilder der Ahnen. Nach Plinius wuchsen die besten Cedernwacholder (cedrus) auf Kreta, in Syrien und in Afrika. „Das Holz (materia), das mit Cedernwacholderöl (cedri oleum) getränkt ist, wird weder von Würmern, noch von Fäulnis angegriffen. Der Baumwacholder (juniperus) hat dieselben guten Eigenschaften wie der cedrus. Er wird in Spanien und insbesondere im Lande der Vaccäer sehr groß und sein Kernholz ist noch dichter als dasjenige des cedrus. Sein Holz hat ewige Dauer; deshalb macht man aus ihm gerne Götterbilder. So z. B. ist der zu Rom in einem Tempel aufgestellte sosianische Apollo, der von Seleucia (in Syrien) gebracht wurde, aus Cedernholz (cedrinus est, in diesem Fall ist jedenfalls das echte Cedernholz der Libanonceder gemeint). — Aus den Beeren des Baumwacholders bereiteter Wein (vinum e junipero) wird von Ärzten denjenigen als besonders wohltuend empfohlen, welche durch Waffenübungen oder Reiten ermüdet sind.“ Noch heute werden die aromatisch riechenden Beeren dieses mittelländischen Wacholders, wie im Orient diejenigen des Bauchwacholders, statt unserer schwarzen Wacholderbeeren, in Apotheken wie im Haushalte gebraucht. Der griechische Arzt Galenos im 2. Jahrhundert n. Chr. sagt von ihnen: „Die Wacholderbeeren heißen arkeuthís, haben einige Schärfe, sind etwas süß, haben auch etwas Zusammenziehendes und Gewürzhaftes. Sie erwärmen, reinigen Leber und Nieren, verdünnen die dicken, zähen Säfte und werden deshalb den Gesundheitsmitteln zugesetzt. Viel Nahrung gewähren sie dem Körper nicht. In allzu großer Menge fallen sie dem Magen beschwerlich und verursachen Kopfschmerzen.“ Plinius sagt, man gebe sie gegen Blähungen, Fieber und Husten, lege sie auch auf Geschwülste und salbe sich mit Öl, in welchem sie zerrieben wurden, um vor Schlangenbiß sicher zu sein. Ein sicheres Mittel, um Schlangen zu vertreiben, sei, Sägemehl von Baumwacholder an die Orte zu streuen, wo sich welche befinden. Daß dieses Mittel probat ist, wollen wir schon glauben; denn wir wissen, daß die Schlangen ein empfindliches Geruchsorgan besitzen und dieser starkriechenden Masse wie allen intensiven Gerüchen aus dem Wege gehen. So ist es ein vielerprobtes Mittel der Neger an der schlangenreichen Küste von Liberia, sich beim Passieren von daran besonders reichen Strecken vor dem Gebissenwerden durch diese Reptilien zu schützen, indem sie sich Füße und Unterschenkel mit Knoblauch einreiben.
Von dem in den östlichen Mittelmeergegenden heimischen Weihrauchwacholder (J. thurifera) wird das Harz als schlechter oder arabischer Weihrauch in den Handel gebracht und aus dessen Holz, wie auch aus demjenigen des verwandten lykischen Wacholders (J. lycia) in Kleinasien, ein in der Tierarzneikunde gebräuchliches Wacholderholz- oder Kadeöl destilliert. In unseren Parks werden diese Arten kaum angetroffen. Dagegen wird von alters her wegen seiner offizinellen Eigenschaften der an den Nord- und Südabhängen der Alpen und Pyrenäen heimische strauchartige Sade- oder Sevenbaum (J. sabina) gezogen. Schon der griechische Arzt Dioskurides im 1. Jahrhundert n. Chr. erwähnt ihn als bradý (von bradýs langsam, weil er sehr langsam in die Höhe wächst). Er kommt in Griechenland zur Seltenheit auf den nördlichen, höheren Gebirgen vor, hieß bei den Italienern im Mittelalter sabina, woher er den wissenschaftlichen Beinamen erhielt. Früher wurden am Feste von Marie-Krautweihen an manchen Orten nebst anderen grünen Pflanzen auch Sevenzweige geweiht, die das abergläubige Volk zur Abhaltung des Teufels und der Hexen in den Wohnungen aufhing und für heilsam gegen alle möglichen Übel hielt. Es wird auch eine buntblätterige Abart als Zierpflanze gezogen, doch soll dieser Strauch wegen seiner großen Giftigkeit, die schon Todesfälle bewirkte, und weil er als Abtreibungsmittel gerne benützt wird, nicht in öffentlichen Anlagen gehalten werden.
Den seinigen sehr ähnlich, nur nicht so unangenehm harzig riechend, sind die Zweige des virginischen Wacholders oder Sadebaums (J. virginiana), der um 1664 aus dem östlichen Nordamerika in Deutschland als Zierbaum eingeführt wurde. Während er bei uns niedergedrückt, strauchartig bleibt, bildet er in seiner Heimat stattliche Bäume, deren wohlriechendes, rotbraunes Holz trotz seiner Leichtigkeit sehr dauerhaft ist und kaum je vom Wurmfraß leidet. Es wird deshalb zu Schiffsplanken, Schindeln und allerlei Möbeln, besonders aber zu Zigarrenkisten und zur Umkleidung von Bleistiften benutzt. Der Bleistiftfabrikant Faber in Stein bei Nürnberg führt jährlich viele tausend Kubikmeter davon ein und pflanzt auch den Baum für sich bei Fürth in größerem Maßstab. Ebenso wird er im Braunschweigischen mit Erfolg angepflanzt. Außer dem virginischen liefert auch der auf den Bermudasinseln heimische Juniperus bermudiana einen großen Teil des amerikanischen Bleistiftholzes, das als „rotes Cedernholz“ in den Handel gelangt.
Noch mehr als die fleischige Frucht des Wacholders weicht die prächtig rote, seltener gelbe Scheinbeere der Eibe (Taxus) von der sonst üblichen Zapfenform der Koniferenfrucht ab; doch weisen die einzeln stehenden, vorn spitzen Nadeln auf ihre Familienzusammengehörigkeit mit jenen. Die 6–9 m hoch werdende gemeine Eibe (Taxus baccata) findet sich in Gebirgswäldern Europas, Asiens und Nordamerikas, ist aber im deutschen Walde fast ausgestorben. In Park und Garten dagegen, wo sie unter Schutz steht, ist sie eine der bekanntesten Erscheinungen. Sie wächst sehr langsam, leidet nicht unter starker Beschattung und besitzt ein für Nadelhölzer ganz erstaunliches Ausschlagsvermögen, so daß sie sich leicht durch Stecklinge vermehren und zu Hecken und Figuren nach Belieben zuschneiden läßt. Allerdings enthalten ihre Nadeln, wie auch die hellvioletten Samen ein giftiges Alkaloid, das Taxin, das besonders für Pferde, aber auch für Ziegen und Schafe gefährlich ist. Der Samenmantel dagegen wird von den Amseln und anderen Vögeln gerne verzehrt; dabei besorgen diese die Weiterverbreitung der Samen, die erst in zwei oder drei Jahren keimen. Die Eibe ist das einzige Nadelholz, das vollständig harzfrei ist. Männliche und weibliche Blüten wachsen bei ihr meist getrennt auf verschiedenen Individuen; doch kommt es nicht selten vor, daß ein Stock, der jahrelang nur einerlei Blüten trug, plötzlich beiderlei Blüten hervorbringt. In alten Exemplaren wird die Eibe baumförmig und erreicht dann eine Höhe von 10–15 m. Bei dem geringen Dickenwachstum deuten so große Eibenbäume, die dann Stämme von 1 m Durchmesser aufweisen, auf ein Alter von über 1000 Jahren. Im Park von Hamptoncourt bei London kennt man solche Bäume, deren Alter von über 1000 Jahren historisch beglaubigt ist. Ein Eibenbaum bei Katholisch-Hennersdorf in Schlesien wird auf 1400 Jahre geschätzt und gilt für den ältesten Baum Deutschlands. Noch älter ist die Eibe auf dem Friedhofe zu Braburn in England, die man — jedenfalls übertrieben — für 3000jährig ausgibt. Größere Eibenbestände sind außer auf der Tucheler Heide, wo gegen 1000 Bäume grünen, nur noch im bayrischen Allgäu vorhanden. Kleinere Haine von ebenfalls sehr alten Eiben findet man bei Treseburg im Bodetal im Harz, dann auf dem Veronikaberge bei Ilmenau, in einem Forstrevier der rauhen Röhn bei Dermbach im Großherzogtum Weimar, wo gegen 400 sehr alte Bäume vorhanden sind. In Süddeutschland ist neuerdings auf einen Eibenhain in der Nähe von Paterzell bei Weilheim südlich von München mit teilweise über 1000jährigen, bis 18 m hohen Exemplaren durch Dr. F. Kollmann aufmerksam gemacht worden.
In den Mittelmeerländern wächst die Eibe als Strauch nur spärlich auf höheren Gebirgen. Sie galt den Alten als ein Baum des Todes, so daß sogar schon ein längerer Aufenthalt unter ihrem Schatten für lebensgefährlich angesehen wurde. Deshalb warnt Dioskurides, in ihrem Schatten zu schlafen. Lucanus und Silius Italicus nennen die Eibe als einen den Göttern der Unterwelt geweihten Baum; deshalb bekränzte man sich mit ihr als Zeichen der Trauer. Die Griechen nannten sie smílax, die Römer dagegen taxus. Zahlreiche Völker, so schon die neolithischen Pfahlbauern an den Ufern der Schweizerseen, bedienten sich der Eibenzweige zur Herstellung von Bogen und zu anderen außerordentlich dauerhaften Geräten. Im Mittelalter verfertigte man besonders die Armbrustbogen daraus. Schwarz gebeizt ist ihr rötlichbraunes Holz kaum vom Ebenholze zu unterscheiden. Nach Plinius sollten aus Eibenholz verfertigte Weinbecher den Tod bringen, wie man in Gallien bemerkt habe. Cäsar schreibt in seinem Berichte über den Krieg in Gallien: „Als Cäsar den Ambiorix besiegt hatte, tötete sich Kativolcus, der über die eine Hälfte der Eburonen regierte, durch das Gift der Eibe. Dieser Baum ist in Gallien und Germanien häufig.“ Nach demselben Autor sollen manche Volksstämme der Gallier mit Eibensaft vergiftete Lanzenspitzen benutzt haben. Heute noch wird eine Abkochung aus Zweigen von ihm, wie aus solchen des Sadebaums, beim Volke zum Fruchtabtreiben verwendet.
Von Ostasien, besonders Japan, kamen die den Eiben ähnlichen, nach den zu 2–3 in Köpfchen zusammenstehenden weiblichen Blüten als Kopfeiben (Cephalotaxus) bezeichnete Ziersträucher zu uns. Sie gedeihen aber nur in milden Lagen. Die gebräuchlichsten Arten derselben sind C. harringtonia, zu Ehren des Earl von Harrington in Elvaston-Castle, der sie zuerst anpflanzte, so bezeichnet, und C. fortunei. Ebenfalls ostasiatischen Ursprungs ist der häufig in unseren Parkanlagen zu treffende Gingkobaum (Gingko biloba nach Linné, neuerdings aber gewöhnlich als Salisburia — nach Richard Anton Salisbury — adiantifolia bezeichnet). Er wird in Japan ginkyo geheißen und wurde um 1750 von dorther in Europa eingeführt. Nach Belaubung, Verzweigung und Ausschlagsfähigkeit würde man ihn für ein Laubholz halten; der Bau des harzfreien Holzes aber und der Blüten weist ihn zu den eibenartigen Nadelhölzern, während die höchst merkwürdige Befruchtung der letzteren, von der im 2. Band meiner gemeinverständlichen Entwicklungsgeschichte des Naturganzen nach den neuesten Forschungsergebnissen: Vom Nebelfleck zum Menschen[4] auf Seite 258 eingehend die Rede war, große Ähnlichkeit mit derjenigen der Palmfarne hat. Ist er doch neben diesen der einzige unter allen Gymnospermen, der noch Spermatozoïden wie die niederen Farne erzeugt. Und an einen Farn, das Frauenhaar (Adiantum capillus veneris) erinnert auch der fächerförmige Bau und die Nervatur der Blätter, die an den nichtblühenden Zweigen zweilappig sind und im Herbste sämtlich abgeworfen werden, und zwar an den weiblichen Bäumen — der Gingko ist nämlich zweihäusig — später als an den männlichen. Die Blätter der blühenden Zweige sind ungeteilt, die der Stockausschläge dagegen mehrspaltig-viellappig. Der Baum entspricht also der bei den Laubhölzern in weitem Umfang geltenden Regel, wonach die Blätter der Blütenzweige einfacher, die der Stockausschläge dagegen größer und reicher gegliedert sind als die übrigen Blätter. Die männlichen Blüten sind gestielte Kätzchen, welche zahlreiche Staubblätter mit je zwei an der Spitze sitzenden Pollensäckchen tragen. Die weiblichen Blüten sind länger gestielt und weisen am Ende meist zwei becherförmige Fruchtblätter auf, die mit je einer aufrechten Samenanlage besetzt sind. Die einer gelben oder grünlichen, großen Kirsche ähnliche Frucht besitzt einen von einem umfangreichen, harzreichen Fruchtfleisch umschlossenen zweikantigen, steinharten Kern, dessen Samen geröstet in China als Nahrungsmittel dient.
Bild 79. I Zweig mit Blättern und Blüten des männlichen Gingkobaumes (Salisburia adiantifolia), III ein einzelnes Staubblatt mit zwei Pollenfächern, II weiblicher Blütenstand mit einigen jungen Früchten.
In seiner Heimat China und Japan ist der Gingko ein heiliger Baum, der fast nur in den Hainen um die Tempel angepflanzt wird. Wild wird er nur noch an wenigen Stellen in den Bergen der gegenüber der Insel Formosa gelegenen chinesischen Provinz Fo-kien gefunden. Er ist der letzte noch erhaltene Vertreter einer Pflanzengattung, die zur mittleren Tertiärzeit auch in Europa lebte und sich seit dem Beginne der mesozoischen Zeit kaum mehr veränderte. Was die Brückenechse (Hatteria) in der Zoologie, das ist der Gingko in der Botanik — ein höchst interessantes lebendes Fossil!
Wie die Brückenechse eine Brücke zwischen den Alt- und Neuechsen bildet, so führt der altertümliche Gingko ganz unmerklich von den altmodischen Nadelhölzern hinüber zu den Laubbäumen, als deren ersten Vertreter wir die Buche (Fagus) besprechen wollen. Von der gemeinen oder Rotbuche (Fagus silvatica) werden in den Gartenanlagen mehrere Varietäten kultiviert, unter denen die Blutbuche (var. purpurea) mit dunkelbraunroten Blättern die bekannteste ist und prächtige Kontraste hervorbringt. Von besonderem Interesse ist der bei der Blutbuche zuerst gelungene Nachweis, daß eine solche zufällig entstandene Bildungsabweichung, wie das rote Laub, eine samenbeständige, vererbliche Eigenschaft sein kann. Als Heckenpflanze wertvoll ist die Weißbuche (Carpinus betulus), die auch auf schlechtem Boden und im Schatten gedeiht. Durch ihre große Ausschlagsfähigkeit ist sie wie geschaffen für regelmäßiges Beschneiden und schützt ihre Umgebung im Winter gegen Wind und Schnee, indem ihr dürres Laub zum großen Teil erst im Frühjahr abfällt. Neben ihr wird auch nicht selten die ihr sehr ähnliche südeuropäische Hopfenbuche (Ostrya carpinifolia) kultiviert, so genannt, weil die Fruchthüllen sackartig die Nüßchen umschließen, so daß das Ganze an eine Hopfenfrucht erinnert.