Der Baum, der am innigsten mit dem deutschen Volksleben verwachsen ist, ist die Linde (Tilia). Sie galt den alten Germanen und Slaven als heiliger Baum und war der weiblichen Gottheit Herka oder Frau Holle, bei den Slaven der Liebesgöttin Krasopani geweiht. In Sitte und Sage spielt sie eine sehr wichtige Rolle. Wie heute noch alle Volksfeste sich unter der alten Dorflinde abspielen, so kamen unsere Vorfahren mit Vorliebe unter ehrwürdigen Lindenbäumen zusammen. So gibt es in Deutschland noch viele Gerichts-, Vehm-, Blut-, Geisterlinden usw. An Gerichtsstätten standen wenigstens drei, meist aber sieben Linden. Das in der Regel am Hauptbaume befestigte roh geschnitzte Götterbild hieß Wigbild, woraus später Weichbild, im Sinne von Grenze des Gerichts, später Stadtgrund, entstand. Berühmt ist namentlich die altehrwürdige Vehmlinde bei Dortmund. Auf Burgen und in Klöstern war die Linde Hausbaum. Dort wurde der Gast im Sommer bewirtet, dort wurde erzählt, gezecht, gespielt und der fahrende Spielmann oder Sänger angehört. Wie auf den Burgen war die Linde auch im Kloster der Baum der Erholung und als solcher meist am Brunnen gepflanzt. Weil der Baum als Bildstock für Marien- und Heiligenbilder benützt zu werden pflegte, wurde er wie diese selbst mit dem Nimbus der Heiligkeit und Wundertätigkeit umgeben, zu dem man nicht selten Wallfahrten unternahm. Am meisten beschäftigen sich Lindensagen mit der Mutter Gottes als der Nachfolgerin der heidnischen Herka oder Frau Holle. Außer religiösem Aberglauben hat die Volksmeinung, wonach der Blitz nicht in Linden einschlagen soll, viel dazu beigetragen, daß häufig Linden an Feldwege und auf Viehtriften zum Schutze der Hirten und Feldarbeiter gepflanzt wurden. Auch zum Verbrennen der Toten wurde, wie uns die Kohlenreste alter Grabhügel beweisen, mit Vorliebe Lindenholz als dasjenige eines heiligen Baumes genommen. Zahlreiche Ortschaftsnamen weisen auf die Linde, so vor allem auch Leipzig, das Lindenstadt bedeutet. Der Name ist aus dem slavischen Worte Lipsk entstanden, das aus lipa Linde gebildet ist. Die berühmteste Linde Deutschlands ist die zu Neustadt am Kocher in Württemberg, von welcher die Stadt auch Neustadt an der Linde heißt. Sie hat an ihrem Fuße 12 m Umfang. Ihre mächtigen Äste wurden schon im Jahre 1392 durch 60 steinerne Säulen gestützt, und ein Gedicht von 1408 sagt: „Vor dem Thor eine Linde staht, die 67 Säulen hat.“ Im Jahre 1831 wurden diese Stützsäulen auf 166 vermehrt. Ein abgebrochener Ast gab 7 Klafter Holz. Diese Linde muß gegen 800 Jahre alt sein. Die stärkste Linde Deutschlands ist aber diejenige auf der Burg zu Nürnberg, welche bei nur 18 m Höhe einen Stammumfang von 14 m aufweist. Ihr Stamm ist so weit hohl, daß man durch ihn wie durch ein Tor zu Pferde hindurchreiten kann. Sie ist wohl über 800 Jahre alt. Unter der Schirmfläche der Linde zu Vilsen im Hannoverschen versammeln sich jeden Sonntag 13 Gemeinden zum Gottesdienst. Unter der Linde von Augustusburg, die einen Stammumfang von 12 m besitzt, hatten einst 120 Speisetische Platz. Vom Kurfürsten August von Sachsen, der das Schloß Augustusburg baute, existieren noch viele Verordnungen, die mit: „Gegeben unter der Linde“ unterzeichnet sind. In alten Linden, die in der Nähe von Kirchen stehen, findet man zuweilen noch eiserne Ringe und Klammern. Diese dienten einst als Klammern für diejenigen, die hier öffentlich Kirchenbuße zu leisten hatten.

Man unterscheidet bei uns zwei Arten von Linden: Die kleinblätterige oder Winterlinde (Tilia parvifolia) und großblätterige oder Sommerlinde (T. grandifolia). Letztere ist in Deutschland weniger verbreitet als erstere. Beide haben eine weitverzweigte, tiefgehende Wurzel, einen kräftigen Stamm mit im Alter ziemlich dicker, graubrauner oder schwarzgrauer, rissiger Rinde. Die Innenrinde liefert einen trefflichen Bast. Die Äste beginnen schon tief unten am Stamm und breiten sich ringsum nach allen Seiten hin aus. Die unteren halten sich fast wagrecht; je weiter nach oben, desto mehr streben auch die Äste aufwärts. An den wagrecht ausgebreiteten oder niederhängenden Zweigen stehen die rundlichen, zugespitzten, scharf gesägten und am Grunde ausgeschnittenen Blätter, die bei der Winterlinde kleiner, oberseits dunkelgrün, unterseits blaugrün und kahl sind, während sie bei der anfangs Mai, statt wie die vorige Mitte Mai, ausschlagenden Sommerlinde unterseits hellgrün und kurz behaart sind. In den Winkeln der Blattnerven der Unterseite stehen als Acarodomatien oder Milbenhäuschen kleine Haarbüschel, die bei der Winterlinde rostfarbig, bei der Sommerlinde dagegen gelblichweiß sind. Die gelblichen Zwitterblüten hängen in Trugdolden geordnet an langem, mit zungenförmigem Deckblatte verwachsenem Stiele zu 5–7 bei der Winterlinde und zu 2–3 an der 14 Tage später, d. h. Ende Juni bis Mitte Juli blühenden Sommerlinde. Sie liefern einen als Hausmittel vielgebrauchten Tee. Die filzig behaarten Nußfrüchtchen benutzen das gemeinsame Deckblatt als Flugapparat, bleiben aber, besonders bei der später reifenden Winterlinde, oft bis zum Frühjahr am Baume. Die Keimung erfolgt wie bei manchen anderen Bäumen erst im zweiten Frühjahr. Die zwei Keimblätter sind handförmig geteilt, im Gegensatz zu der sonst gültigen Regel, nach der sie einfacher geformt sind als das spätere Laubblatt. Die zweijährigen Pflänzlinge werden umgepflanzt: damit sie recht erstarken, empfiehlt es sich, sie etwa im fünften Jahre ein zweites Mal im Pflanzbeet umzulegen. Die Linde zeigt von Jugend an ein freudiges Wachstum und bildet einen anfangs fast immer walzenrunden, glänzend bräunlichen, mit weißlichen Warzen überstreuten Stamm, der schon in geringer Höhe Äste ausstreckt, welche sich gern flach ausbreiten. Die Krone wölbt sich frühzeitig ab und wird mit dem Alter immer dichter und umfangreicher. Die tiefgreifende und sich weithin verzweigende Wurzel befähigt die Linde den stärksten Stürmen zu trotzen.

Die Winterlinde bevorzugt den frischen, feuchten Waldboden der niederen Vorberge und Ebenen, während die Sommerlinde auch in trockeneren Lagen wächst. Beide gedeihen schlecht im Nassen. Sie bilden bei uns keine reinen Waldbestände wie in den russischen Ostseeprovinzen, sondern finden sich immer nur einzeln in Wäldern, werden bis 30 m hoch und erreichen ein tausendjähriges Alter. Die Winterlinde ist in Deutschland überall die gemeinere, die Sommerlinde dagegen wird häufiger angepflanzt und geht auch höher in die Gebirge. Wegen ihres schnellen Wuchses, ihres dichten Schattens und angenehmen Geruches der Blüten sind sie als Alleebäume beliebt. Ihr rasches Wachstum, die Fähigkeit vom Stamm und der Wurzel wieder auszuschlagen und gleich der Buche den Boden zu verbessern, machen sie auch forstlich wichtig. In 8–10 Jahren sind sie als Reißholz, in 20–25 Jahren als Schlagholz und in 60–80 Jahren als Bauholz verwendbar. Doch legt der Forstmann wenig Wert auf Linden, weil der Brennwert ihres Holzes nur ein Drittel desjenigen des Buchenholzes beträgt und die Linde gleichwohl denselben Boden fordert, wie die edleren Harthölzer. Das weißlichgelbe bis rötlichweiße, feine, weiche, gut zu bearbeitende und, wenn richtig getrocknet, wenig arbeitende Holz eignet sich vermöge der Eigenschaft, sich in jeder Richtung schnitzen, drehen und hobeln zu lassen, vorzüglich als Bildhauer- und Modellschreinermaterial. Namentlich werden Heiligenbilder aus Lindenholz geschnitzt, weshalb es früher als „Heiligenholz“ bezeichnet wurde. Noch mehr dient es zum Schnitzen von Spielwaren, Löffeln, Wurfschaufeln usw., zu Reißbrettern, massiven Möbeln, die besonders in Rußland sehr beliebt sind, und als Blindholz für furnierte Arbeiten. Dauer behält das dem Wurmfraß nur wenig ausgesetzte Holz bloß im Trockenen, für freie Lagen dagegen, in denen es dem Wechsel unterworfen ist, ist es unbrauchbar. Die festen, leichten Lindenkohlen dienen als Reißkohle zum Zeichnen, zur Fabrikation von Schießpulver, Zahnpulver und Räucherkerzen. In Rußland und Westamerika benutzt man mit Maschinen geschnittene Lindenholzfasern als Füllmaterial für Bettmatratzen fürs gemeine Volk. Die Rinde verwendet man in Rußland zu Schlittenkörben, Wagen, Kisten und zum Dachdecken. Der innere Bast wird im Mai von 20–30 jährigen Stangenhölzern in Streifen von 6–9 cm Breite abgeschält, wie Flachs in Wasser gerottet, im Oktober dann durch Klopfen und Waschen von den leichter zersetzbaren Bestandteilen befreit, so daß nur die ein feines Maschennetz bildenden, sehr dickwandigen Bastzellen zurückbleiben, worauf man die einzelnen Jahreslagen voneinander trennt. In Rußland, das den meisten Lindenbast liefert, verfertigt man daraus Körbe, Decken, Stricke, Siebe, besonders aber die zum Verpacken von Waren dienenden Bastmatten; man verwendet ihn auch zum Anbinden von Blumen. Ein Baum von 10 m Höhe und 30–40 cm Stammumfang liefert 45 kg Bast, für 10–12 Matten ausreichend. Rußland liefert jährlich 14 Millionen Stück Matten. Die herrlich duftenden Lindenblüten erfreuen nicht nur den Menschen, sondern liefern eine treffliche Bienenweide und einen vielbenutzten schweißtreibenden Tee, auch das offizinelle Lindenblütenwasser. In trockenen Jahren schwitzen die Blätter, auch ohne daß Blattläuse im Spiele sind, den Honigtau als eine süße, klebrige, bald an der Luft verdickende Flüssigkeit aus, welche ihnen das Aussehen gibt, als seien sie mit Firnis überstrichen. Nach einigen Tagen wird diese Ausschwitzung teerartig und schwarz, dabei werden die Blätter ganz schlaff. Da sich leicht Schmarotzerpilze darauf entwickeln, wenn der Honigtau nicht bald vom Regen abgewaschen wird, so ist er für die Pflanze schädlich.

Auf den griechischen Gebirgen wächst die von Ungarn bis Westasien heimische morgenländische Silberlinde (Tilia argentea) mit an der Oberseite matten, unterseits aber dicht weißfilzigen Blättern. Sie ist die phílyra der Griechen, die Theophrast beschreibt. Sie ist jedenfalls auch der Baum, den die Römer als tilia bezeichneten; denn die Winter- und Sommerlinde kommen als Südgrenze ihrer Verbreitung nur noch auf den Bergen Norditaliens vor. Plinius schreibt von ihr: „Man unterscheidet bei den Linden (tilia) männliche und weibliche Bäume. Der Saft der Blätter und Rinde ist süß, aber die Frucht rührt kein Tier an. Zwischen Rinde und Holz liegt ein häutiges Gewebe, der Bast, aus welchem man Bänder macht, die tiliae heißen die feinsten nennt man philyrae, braucht sie zum Binden von Kränzen und hält sie seit alter Zeit in Ehren. Das Holz ist dem Wurmfraß nicht unterworfen, mäßig hoch, aber nützlich. Die Blätter dienen als Arznei.“ Außer dieser morgenländischen wird auch die abendländische Silberlinde (Tilia alba) aus Nordamerika mit auf der Unterseite schwach filzig behaarten Blättern und großen Blüten neben der von ebendort stammenden Schwarzlinde (T. americana) in Anlagen gepflanzt, doch nur ausnahmsweise bei uns als Nutzholz gezogen.

Sehr beliebte Alleebäume sind auch die Ulmen oder Rüstern (Ulmus), deren Zweige lange, starre Ruten bilden, die mit zwei Reihen gleichlaufender Kurztriebe, an ihrem jüngsten Teile mit ebenso laufenden eiförmigen, scharf zugespitzten und gesägten Blättern besetzt sind. Leider sind letztere sehr oft von Blattläusen dicht besetzt und unterseits eingerollt, auch häufig durch Gallen verunstaltet. Abgesehen von diesen Nachteilen gehören die Ulmen zu den schönsten Zierbäumen und wachsen unter günstigen Umständen sehr rasch. Ihr ziemlich schweres, hartes, schwer spaltbares, aber glattes, elastisches, zähbiegsames, im Splint gelblichweißes, im Kern hellbraunes bis dunkelrotbraunes, oft fleckiges und maseriges Holz gehört mit zu den festesten und dauerhaftesten Holzarten, sowohl bei Verwendung im Trockenen, als auch im Freien und unter Wasser. Es ist ein ausgezeichnetes Wagner- und ein in neuerer Zeit auch viel verwendetes Möbelholz; doch ist es seiner schwierigen Bearbeitung wegen bei den Tischlern nicht besonders beliebt. Da es in der Dauer dem Eichenholze kaum nachsteht und auch dem Wurmfraße fast gar nicht ausgesetzt ist, eignet es sich besonders zu Bau- und Werkholz, ist auch der auffälligen Maserung wegen zu feinen Furnieren sehr gesucht, liefert ferner gute Kohlen. Das Holz gibt Pottasche; die getrockneten und frischen Blätter geben ein gutes Schaffutter. Die jüngere Rinde dient zum Gerben und Gelbfärben. Am häufigsten ist bei uns die Feldulme (Ulmus campestris), ein bis 30 m hoher, ein Alter von mehreren hundert Jahren erreichender Baum, der im Gebirge bis 800 m hoch steigt und sich von Nordafrika durch Europa bis Sibirien und Kleinasien findet. Man kultiviert ihn in zahlreichen Varietäten. Noch höher steigt die Bergulme (U. montana), bei der die Flughaut statt am oberen Rande der Frucht in der Mitte derselben liegt. Bei beiden sitzen die Früchte dicht am Zweige, bei der Flatterulme (U. effusa), die in Wäldern und Vorhölzern von Gebirgsgegenden wächst und bei uns häufig in der Nähe von Ortschaften angepflanzt wird, flattern sie an einem langen Stil und tragen außerdem am Rand einen feinen Wimperkranz. Letztere nimmt mit ärmeren Böden als die beiden erstgenannten vorlieb und ist vornehmlich im Flachland zu Hause. In neuester Zeit werden aber die meisten Anpflanzungen von der Waldulme (U. scabra) gemacht, die in Europa und Nordasien bis zum Amur heimisch ist.

Auch das Holz der schon im Jahre 1600 aus Virginien nach Frankreich gebrachten nordamerikanischen gemeinen Robinie oder falschen Akazie (Robinia pseudacacia) wäre ein vorzügliches Bau- und Konstruktionsholz und würde jedenfalls auch als Wagner-, Drechsler- und Möbelholz benutzt, wenn es in größerer Menge zur Verfügung stände. Der Kern zeigt ein gelb- bis rötlichbraunes Holz, das schwer, hart, elastisch, zähe und schwierig zu bearbeiten ist, aber eine große Festigkeit und sehr große Dauer besitzt. Wenn sich diese Holzart in unsern Gegenden überhaupt gehalten hat, so ist daran nur ihre große Anspruchslosigkeit an die Bodenverhältnisse schuld, nicht aber der Mensch, der zu ihrer Verbreitung nur wenig getan hat und sie nur selten rationell zu großen Bäumen zieht, sondern sie stets noch jung abholzt, um sie zu Rebstöcken und Stützen anderer Pflanzen zu verwerten.

Dem Ulmen- und Akazienholz sehr ähnlich ist dasjenige der Maulbeerbäume (Morus). Es ist sehr hart, schwer, dauerhaft und wird in der verschiedensten Weise, in Südeuropa und Asien auch als Faß- und Schiffsbauholz, zu Straßenpflaster und Hafenbauten verwendet. Ebenso hart und fest, doch leider stark reißend und sich werfend ist das Holz der verschiedenen Sorbusarten. Dasjenige des Vogelbeerbaums (Sorbus aucuparia) liefert ein vorzügliches Holz für den Wagner, auch für Drechsler und Holzschnitzer, während dasjenige von Spierling (S. domestica) und Mehlbeerbaum (S. aria) besonders für Maschinenbauer, Formstecher und Instrumentenmacher hohen Gebrauchswert besitzt. Auch unsere Obstbäume liefern vorzügliche und vielseitig verwendbare Hölzer. Das Holz des Birnbaums ist schwer, dicht und hart, sehr fein und im Trockenen dauerhaft, es wirft sich zudem wenig und nimmt eine vorzügliche Politur an. Es ist deshalb ein hochgeschätztes Schreinerholz, das besonders schwarz gebeizt als Ebenholzimitation für feine Möbel viel verwendet wird, ferner ein gutes Drechsler- und vorzügliches Schnitzholz, vornehmlich für den Holzschneider bildet, der es als Surrogat für das seltenere und teurere Buchsbaumholz in Verwendung nimmt; deshalb wird das Birnbaumholz auch als „deutscher Buchsbaum“ bezeichnet. Das Holz des Apfelbaums ist zwar härter und fester, aber weniger beliebt, da es sich stärker wirft und reißt. Man verwendet es mit Vorliebe für Werkzeuge. Das rötlichweiße Kirschbaumholz ist mäßig hart und schwer, sehr fein, gut zu beizen und zu polieren, schwindet aber sehr stark. Gut getrocknet ist es ein schönes, in neuerer Zeit wieder sehr beliebtes Möbel- und Drechslerholz. Das rotbraune Holz der Pflaumen- und Zwetschenbäume ist auch sehr fein, hart und ausgezeichnet polierbar, aber sehr spröde und stark reißend. Es wird vornehmlich für feine Kunstschreiner-, namentlich aber für Drechsler- und Holzschnitzarbeiten verwendet.

Sehr schwer, fest, hart und zähe ist auch das Holz von Kornelkirsche, Hartriegel und Weißdorn; man verwendet es zu kleineren Dreharbeiten, Hammerstielen, Radkämmen, Spazier- und Regenschirmstöcken. Ein sehr brauchbares Wagner- und Drechslerholz liefert der schwarze Holunder. Aus seinen Wurzelstöcken, die häufig schönes Maserholz besitzen, werden mit Vorliebe Pfeifenköpfe geschnitzt. Zu letzterem Zwecke werden namentlich auch die Wurzelstöcke der in Südfrankreich und auf Korsika vorkommenden Baumheide (Erica carnea), die unter dem Namen Bruyèremaser im Handel sind, benutzt. Vorteilhafte Verwendung zu feineren Drechsler- und Einlegearbeiten, Zahnstochern und dergleichen findet das, wenn zur richtigen Zeit gefällt, schön gelbe, ziemlich harte, feine und leicht zu schneidende Holz des Spindelbaums oder Pfaffenhütchenstrauchs (Euonymus europaeus). Ein unübertreffliches Material für Räder, Wagendeichseln, besonders aber Peitschenstöcke liefert der in Südeuropa wachsende Zürgelbaum (Celtis australis), dessen Holz demjenigen der ihm sehr nahe verwandten Ulme ähnelt, aber zäher und elastischer als dieses ist. Auch der gemeine Flieder (Syringa vulgaris), die Stechpalme (Ilex aquifolium), die Berberitze (Berberis vulgaris), der Goldregen (Cytisus laburnum) und der Essigbaum (Rhus coriaria) liefern vorzügliches Holz für kleinere Drechsler- und Kunstschreinerarbeiten.

Neben all diesen heimischen Holzarten werden eine Menge außereuropäischer Hölzer als Schmuckhölzer bei uns eingeführt, um zu Klaviergehäusen, Salonmöbeln, Billardtischen usw. verarbeitet zu werden. Unter ihnen ist wohl das Ebenholz, das seit ältester Zeit im Gebrauch stehende und teilweise wertvollste aller Schmuckhölzer. Unter diesem Namen faßt man eine Menge schwerer, dunkler und äußerst harter Hölzer von hoher Politurfähigkeit, aber großer Sprödigkeit zusammen, die von verschiedenen in den wärmeren bis tropischen Regionen gedeihenden Bäumen der Gattung Diospyros abstammen. Das gebräuchlichste derselben ist dasjenige des indischen Ebenholzbaums (Diospyros ebenaster), eines Baumes aus der Familie der Ebenazeen mit bis 26 cm langen wechselständigen Blättern, achselständigen, auch aus altem Holze entspringenden, gelblichweißen oder grünlichen Blüten in Trugdolden und bis 10 cm langen olivengrünen, als „Mehläpfel“ bezeichneten eßbaren Früchten mit gelbem, schleimigem, säuerlichem Fleisch. Der in Vorder- und Hinterindien, wie auch im indischen Archipel sehr verbreitete Baum wird auf Mauritius kultiviert und ist neuerdings auch im tropischen Amerika eingeführt worden. Er liefert einen Teil des indischen Ebenholzes, besonders des Ceylonebenholzes. Das Splintholz junger Bäume ist weißlich und hin und wieder mit weißen, nach dem Kerne hin sich vermehrenden schwärzlichen Adern durchzogen. Bei alten Bäumen jedoch ist das Weiße kaum fingerdick, alles übrige ist schwarz und von so gleichmäßiger Textur, daß man die Spiegel und Jahresringe nicht leicht bemerkt. Dadurch und durch die größere Schwere unterscheidet sich das echte Ebenholz leicht von schwarzgebeizten hiesigen Holzarten, namentlich vom Eichenholz.

Neben dem indischen gibt es auch afrikanisches Ebenholz, von dem das Madagaskarebenholz von D. haplostylis mit weißem Splint und tief blauschwarzem Kern als das schönste gilt. Das Sansibar-, Kamerun- und Makassarebenholz von verschiedenen anderen Diospyrosarten ist weniger schön, von oft grauer bis braunschwarzer Farbe. Ein reh- bis kaffeebraunes, oft regellos schwarz gestreiftes, wie mit Tinte übergossenes, aber schönes und seltenes Holz ist unter dem Namen buntes oder streifiges Ebenholz, auch Koromandelebenholz von D. hirsuta, so genannt, weil es zumeist von der Koromandelküste in Ostindien ausgeführt wird, im Handel. Alle diese Ebenhölzer kommen in Stämmen von oft gewaltiger Größe zu uns, gehören zu den schönsten und teuersten Schmuckhölzern und waren das geschätzteste Holz des Altertums. Schon im Alten Testament wird es als Luxusholz erwähnt. Im 5. Jahrhundert schreibt der griechische Geschichtschreiber Herodot: „Die Abgaben, welche die an Ägypten grenzenden Neger dem Perserkönig Dareios alle zwei Jahre entrichteten und noch entrichten, bestehen in Gold, 200 Stämmen Ebenholz (ébenos), 5 Negerknaben und 50 großen Elefantenzähnen. Überhaupt ist das Negerland reich an Gold, Elefanten und Ebenholz.“ Strabon und Plinius sagen, daß in dem südlich von Ägypten gelegenen Negerland die Wälder nebst Palmen vorzüglich aus Ebenholzbäumen bestehen. Des letzteren Zeitgenosse, der griechische Arzt Dioskurides, schreibt in seiner Arzneimittellehre: „Für das beste Ebenholz gilt das aus dem Negerland stammende schwarze, aderlose, das so glatt ist wie poliertes Horn und, zerbrochen, wie eine dichte Masse erscheint. Gekaut schmeckt es beißend und schwach zusammenziehend. Auf Kohlen gelegt brennt es mit Wohlgeruch und ohne Rauch. Frisch ans Feuer gebracht, brennt es wegen seines Ölgehaltes an; an einem Wetzstein gerieben, wird es blaßgelblich. Es gibt auch indisches Ebenholz, das weiße und gelbliche Striche und Flecken hat, aber das schwarze (afrikanische) ist besser. Manche Leute verkaufen Holz vom Maulbeerbaum oder von Mimosen als Ebenholz, weil es durch seine Ähnlichkeit täuscht. Das Ebenholz wird gegen einige Krankheiten in Anwendung gebracht.“