Nicht nur die mit atmosphärischen Niederschlägen gesegneten Gebiete der Erde haben ihre Nutzpflanzen, sondern auch die niederschlagsarmen und infolge ihrer Trockenheit allem Leben so feindlichen Wüsten. Und in diesen Wüsten sind solche begreiflicherweise von Tieren und Menschen, die ihnen begegnen, doppelt geschätzt. Nun sind alle Wüstenpflanzen vor allem darauf angewiesen, möglichst haushälterisch mit dem ihnen so spärlich zu Gebote stehenden Wasser umzugehen. Deshalb haben sie alle stark das Wasser verdunstenden Organe, so namentlich die Blätter, vielfach ganz abgeschafft oder doch bis auf kleine, bedeutungslose Schüppchen reduziert und haben außerdem, sei es in den unterirdischen Zwiebelknollen, wie bei den Lilienarten, sei es im oberirdischen Stamm, wie bei den sämtlich in Amerika heimischen Kakteen, teilweise sehr umfangreiche Wasserspeicher angelegt, während bei den altweltlichen, fast ausschließlich in Afrika vorkommenden Euphorbiazeen oder Wolfsmilchgewächsen und Aloëarten der Stamm auf ein Minimum reduziert ist und dafür die fleischigen Blätter zu Wasser aufspeichernden Organen geworden sind. In diesen schwammigen Geweben, die als Wasserreservoire dienen, ist das Wasser, um es nach Möglichkeit zurückzubehalten, an einen dicken, gallertartigen Schleim gebunden. Die ganze Pflanze ist von einer lederartigen, festen Oberhaut umgeben, die die Atmungsöffnungen auf das geringste Maß vermindert hat, um dem angesammelten Wasser keinen Durchlaß zu gewähren. Außerdem schränken Haare, Stacheln und Wachsüberzüge die Verdunstung fast bis zur Unmöglichkeit ein.

Tafel 167.

(Nach Photogr. von O. B. Waite in Mexiko.)

Säulenkaktus (Cereus) als Wegeinfassung auf dem Hochlande von Anahuac in Mexiko.

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GRÖSSERES BILD]

Tafel 168.

(Nach Photogr. von Dr. H. Roß.)

Typische Kakteenlandschaft in den Bergen östlich von Tehuacan in Mexiko.