Das läßt uns den ungeheuren Wert des Mesquite für die Bewohner der unfruchtbarsten Gegenden seines Verbreitungsgebietes begreifen. Diese wüßten wohl kaum, wie sie sich ohne ihn durchs Leben schlagen sollten. Ratlos würden sie sich auch nach Brennmaterial umsehen, wenn er nicht vorhanden wäre; denn solches wird an vielen Orten ausschließlich vom Mesquite geliefert. Und welch treffliches Brennmaterial bietet er nicht! Beim Verbrennen seines Holzes strömt eine Hitze aus wie aus Steinkohlen. Für die Kohlenbrennerei wird schwerlich ein besseres Holz aufzufinden sein als das seinige. Zudem liefert er, wenn die Stämme eine genügende Dicke erreicht haben, ein für die Möbeltischlerei sehr gesuchtes Werkholz, dessen Kernholz gelbrot bis purpurn leuchtet und scharf gegen den fahlgelben Splint absticht. Beide nehmen eine schöne Politur an, was ihren Wert als Nutzholz erhöht. Außerdem ist es so hart, daß es verschiedenen mexikanischen Städten zur Pflasterung der Straßen dient und sich dabei sehr bewährt hat.
Vom Mai bis September schwitzt ein bernsteingelber Gummi aus den Mesquitestämmen, das wie arabischer Gummi schmeckt, sich leicht in drei Teilen Wasser auflöst und dann einen guten Klebstoff bildet, der den arabischen Gummi völlig ersetzt. Von diesem unterscheidet er sich chemisch dadurch, daß er nicht wie jener von essigsaurem Blei gefällt wird und damit einen weißen Niederschlag gibt. Je älter der Stamm und je dicker und geborstener die Rinde ist, um so reichlicher ist die Ausschwitzung von Gummi, der auch aus allen Astlöchern sickert. Ein großer Baum liefert eine Ernte von etwa 120 g; doch kann dieselbe bis auf 400 g erhöht werden. Als Mesquite- oder Sonoragummi wird er zu etwa 10000 kg jährlich hauptsächlich nach Mexiko exportiert, wo ihn viele Apotheken als Ersatz des arabischen Gummis führen.
Auch die an Erbsen erinnernden braunen Samen eines andern, zu den Leguminosen gehörenden Baumes, des Eisenholzes (Olneya tesota), der an öden, felsigen Stellen in den wasserärmsten Gegenden des nordwestlichen Mexiko und in Arizona wächst, werden von den Indianern roh und geröstet gegessen. In letzterem Zustande sollen sie wie Erdnüsse schmecken. Das Stammholz liefert gutes Brennmaterial und eignet sich zur Anfertigung von allerlei Geräten. Schon um dieser Eigenschaft willen verdient der Baum Beachtung zur Nutzbarmachung von Wüsten.
Ein anderes nicht unwichtiges Wüstengewächs ist die die öden, sandigen Strecken von Texas und Arizona bewohnende, 0,6–1,8 m hohe strauchartige Zwergpflaume (Prunus fasciculata), deren karminrote, süße, etwas größer als die der Schlehe werdenden Früchte sowohl frisch als gedörrt und zu Mus verarbeitet gerne gegessen werden. Wenn sie zu reifen beginnen, wandern die Indianer von weit her zur Ernte herbei, um möglichst große Vorräte von ihnen einzuheimsen.
Endlich ist noch als ein höchst zierliches Blumenkind der nordamerikanischen Wüste die Coloradolilie (Hesperocallis undulata) zu erwähnen, deren 3–5 cm dicke Wurzelknollen 30 cm tief in der Erde ruhen, bis ein alle 10–12 Jahre eintretender gründlicherer Regen sie aus ihrem Scheintod zu neuem Leben erweckt. Dann treiben sie aus dem nackten, schattenlosen Sande je einen 60–90 cm langen, mit dunkelgrünen, tiefgekerbten Blättern umkränzten Blütenstengel, der im Laufe von wenigen Wochen 30 bis 40 aus 6 weißen Blumenblättern mit einer grünlichpurpurnen Mittelrippe bestehende Blüte hervortreibt. Milchweiß, wenn sie sich öffnen, werden sie im Laufe des Tages perlweiß und am Abend — der Zeit ihrer größten Schönheit — halb durchsichtig. Die märchenschönen Glocken schließen sich um Mitternacht, um dann abzusterben und jüngeren Geschwistern Platz zu machen, die am frühen Morgen in entzückender Jugendfrische aus den gesprengten Knospen hervortreten. Eine große Pflanze treibt 5–6 Blüten im Tage, die vom Augenblicke ihrer Entfaltung an, zumal am Abend, einen starken, süßen Duft ausströmen lassen. Daher hat man dieser Gattung den Namen Hesperocallis, d. h. Abendschön, gegeben. Nach der Befruchtung zeitigen die Blüten eine 3 cm lange, mit schwarzen Samen dichtgefüllte Kapsel. Besonders wenn die Mesquiteschoten knapp sind, graben die Indianer eifrig nach den Wurzelknollen der in ihrer Sprache ethulia genannten Blume, um sie als willkommene Speise zu verzehren.
Wenn nun allein die nordmexikanische Wüste eine solche Menge nutzbarer Pflanzen beherbergt, die es verdienten, vom Menschen in anderen, dieselben ungünstigen Lebensbedingungen aufweisenden Wüsten angesiedelt zu werden, so kann man sich denken, was für wertvolles Pflanzenmaterial die verschiedenen Wüstengebiete der Erde zusammen darbieten. Es sei hier beispielsweise nur an die südafrikanische Kalahariwüste erinnert, auf der nach den ersten Schauern der kurzen Regenzeit eine ihre Ranken weithin über den Wüstensand treibende Cucurbitazee, die Zamamelone (Cucumis zama), eine Verwandte unserer aus Wüsten desselben Erdteils Afrika stammenden Wassermelone, hervorsprießt. Bald erscheinen an ihr gelbe Blüten, aus denen außerordentlich saftige Früchte von der Größe eines Straußeneis hervorgehen. Diese dienen Tieren und Menschen als willkommene Nahrung und besonders auch durstlöschendes Mittel, das ihnen das fehlende Wasser ersetzt. Den Buschmännern, jenen zwergartigen, gelbhäutigen, unstet dem Wilde als ihrer Hauptnahrung nachwandernden Jägern der weiten Kalahari, ist diese wilde Wassermelone, die nach einer guten Regenzeit strichweise die wasserarme Steppe bedeckt, neben den saftigen Wurzeln verschiedener Pflanzen die wichtigste pflanzliche Nahrung, die sie eifrig aufsuchen und von der sie Depots im Boden anlegen, um sie sich bei ihrer Rückkehr von der Jagd zu sichern. In Zeiten, da sie nicht zu haben sind, vergraben die Buschmänner mit Wasser gefüllte Straußeneier als Reservewasserbehälter in den Sand, um sich damit zur Zeit der Dürre vor dem Verdursten zu schützen.
Im Norden der Kalahari wächst eine von den Betschuanen — wie diese behaupten — dort eingeführte süßliche Melone, von ihnen mangotan genannt, die ihnen mühelos Stillung des Hungers, wie des Durstes gewährt. Sollen solche Melonen, an denen der Mensch durch künstliche Zucht noch größere und wohlschmeckendere Früchte zu erzielen vermöchte, planmäßig angebaut, nicht die Wüste bewohnbarer machen helfen? Man sollte denken, daß die Zeit nicht mehr fern ist, da solche Schätze der Natur von dem sich über immer weitere Gebiete der Erde ausbreitenden Menschen willig in Kulturpflege genommen und durch systematische Veredlung noch nutzbarer gemacht werden dürften. Denn wir sind noch lange nicht am Ende der menschlichen Entwicklung angelangt. Wir befinden uns vielmehr erst am Anfange derselben und unsere Nachkommen werden weiterführen, was wir und unsere Vorfahren begonnen haben, bis die ganze Erde mit allen ihren Wüsten dem Leben und der menschlichen Kultur erobert ist.
Außer diesen Melonen dienen noch mancherlei andere Pflanzen dem Menschen, der diese dürren, pflanzenarmen Gebiete jagend durchstreift, zur Nahrung. So graben die Buschmänner und Betschuanen besonders nach den schmackhaften Zwiebeln von Ixias und anderen Lilienarten. Diese bilden neben dem fleischigen Kern der gewaltigen, sehr tiefgehenden Wurzel des Elefantenfußes (Testudinaria elephantipes) und dem stärkemehlreichen Mark des Palmfarns Zamia einen Hauptbestandteil ihrer Nahrung.
In den Wüsten Nordafrikas und Westasiens gedeiht ein kleiner, dorniger Baum von abschreckendem Aussehen aus der Familie der Simarubazeen aus der engeren Verwandtschaft der Terebinthe und des Weihrauchbaums. Dieser von den Arabern Zachun genannte Balanites aegyptiaca mit einpaarig gefiederten Blättern, grünlichweißen Blüten und walnußgroßen, im reifen Zustande grünlichen, ölreichen Früchten wehrt sich so tapfer wie irgend ein anderes Wüstengewächs gegen die verheerenden Sandstürme, die mit ihrem Gluthauch alles Lebendige zu verschlingen drohen. Seine Früchte waren schon von den alten Ägyptern, denen doch besseres Obst als Nahrungsmittel zu Gebote stand, geschätzt und wurden von ihnen ihren Toten als Speise für das Geisterreich mitgegeben. Als solche hat man sie öfter in Gräbern der 12. Dynastie (2000–1788 v. Chr.) im Gräberfelde von Kahun und in anderen Nekropolen des mittleren Reichs gefunden. Aus den Samen pressen die Araber heute noch ein Öl, dem sie heilende Wirkung zuschreiben. Aus dem Verkaufe dieses Öls an die Reisenden, zumal an die Pilger, machen die in Palästina wohnenden Araber ein einträgliches Geschäft. Und das sehr harte Holz des Zachuns wird von den Drechslern Jerusalems zu den verschiedensten Gegenständen, hauptsächlich aber zu Spazierstöcken verarbeitet.
In den Wüsten der Mongolei wächst der Sulchir (Agriophyllum gobicum), ein kaum 1 m Höhe erreichender, stacheliger Strauch, der auf kahlem Flugsande gedeiht, im August blüht und im September seinen Samen reifen läßt. Dieser letztere ist das Korn der Wüstennomaden, der „Segen der Wüste“. In regenreichen Jahren ergibt er eine gute Ernte, in trockenen dagegen verkommt der Strauch und dann hungert der Mongole. Die Sulchirernte ist höchst einfach: Die Früchte werden gesammelt und die Samen auf einer von Sand freien, lehmigen Bodenfläche ausgedroschen. Dann werden letztere geröstet, durch Stampfen in Holzmörsern von den Hülsen befreit, in Handmühlen gemahlen und geben ein ziemlich schmackhaftes Mehl, das mit Backsteintee zusammen gekocht wird und dem Mongolen als willkommene Speise dient.