Wie in Zentalasien und der Mongolei spielt das Trampeltier auch in China eine wichtige Rolle im Karawanenverkehr. Im südwestlichen Sibirien wird dasselbe seit der raschen Entwicklung der Landwirtschaft häufig vor den Pflug gespannt. Über den Ostrand Asiens vermochte es nicht vorzudringen, weil für die Küsten- und Inselgebiete der Büffel besser paßt. Während des chinesisch-japanischen Krieges wurde es zahlreich in China angekauft und nach Japan eingeführt; da man aber nichts mit ihm anzufangen wußte, verschwand es wieder von dort. Nach Westen ist das Trampeltier über Persien nach Mesopotamien und bis zum Kaukasus vorgedrungen, kommt auch sporadisch in Südrußland vor. In einer Grenzzone, die vom nördlichen Kleinasien durch Persien, Afghanistan und Beludschistan bis nach Indien reicht, findet sich das Trampeltier mit dem Dromedar zusammen. Südlich von dieser Mischzone findet sich überall ausschließlich das einhöckerige Kamel oder Dromedar (Camelus dromedarius), das als südliche, mehr wärmeliebende Abart von Syrien und Arabien aus in ganz Nordafrika die ausschließliche Herrschaft erlangte. In Arabien, Ägypten und Nubien wird seine Zucht stark betrieben, ebenso bei den Somalis und Gallas. Nach Süden ist es bis Sansibar, in Nordafrika bis Marokko und die Kanarischen Inseln vorgedrungen. Es ist das Gimel der alten Juden oder das Djemmel der Araber, aus welch letzterem die Griechen kámēlos machten, das dann als camelus zu den Römern gelangte. Der aus Sizilien gebürtige griechische Geschichtschreiber Diodoros sagt: „Arabien besitzt viele und vorzügliche Kamele, auch von der zweihöckerigen Rasse. Die Kamele sind den Einwohnern sehr nützlich, indem sie durch Milch und Fleisch treffliche Nahrung bieten und Menschen und Lasten tragen. Die leicht und schlankgebauten sind schnell und können durch wasserlose Wüsten große Tagesmärsche machen. Sie tragen auch im Kriege zwei Bogenschützen, wovon der eine nach vorn, der andere nach hinten gewendet sitzt. — Dromedare (vom griechischen dromeín, laufen) nennt man die schnellen Kamele, die in einem Tage beinahe 1500 Stadien (= 277 km) zurücklegen können.“ Und sein Volksgenosse Strabon schreibt: „Die in Zelten wohnenden Araber der dürren Wüste zwischen Mesopotamien und Coelesyrien bauen wenig Land oder gar keins an, haben aber Herden von allerlei Vieh, besonders von Kamelen“, und an einer andern Stelle: „Alexander der Große sandte Leute auf Dromedaren nach Ekbatana, welche in 11 Tagen den 30–40 gewöhnliche Tagereisen betragenden Weg zurücklegten.“

Älian berichtet: „Die Kamele am Kaspischen Meere sind zahllos, tragen viele, sehr weiche Haare, welche der feinsten Schafwolle nicht nachstehen. Priester und reiche Leute tragen daraus gefertigte Kleider.“ Der griechische Geschichtschreiber Herodot erwähnt sie mehrfach; so schreibt er: „Die Araber in der Armee des Xerxes (die 580 v. Chr. nach Griechenland zog) hatten sämtlich Kamele, die an Schnelligkeit den Pferden nicht nachstanden.“ — „Als Xerxes nach Griechenland gegangen war und nach Therma zog, fielen Löwen seine Kamele an.“ Weiter meldet er, wie Cyrus sich listigerweise die Unkenntnis dieser Tierart bei seinen Gegnern zu Nutzen machte: „Als Cyrus vor Sardes rückte, stellte sich ihm Krösus in der Ebene mit einer trefflichen Reiterei entgegen. Cyrus errang jedoch auf folgende Weise den Sieg: Vor seiner Armee stellte er alle Kamele, welche die Bagage des Heeres trugen, auf, nachdem er ihnen die Last abgenommen und bewehrte Männer hatte aufsitzen lassen. Hinter den Kamelen ordnete er die Fußsoldaten und hinter diesen die Reiter. Er sah voraus, daß die Pferde im Heere des Krösus, welche noch keine Kamele gesehen hatten, sich vor diesen Tieren fürchten würden. Die List gelang: denn die lydischen Pferde ergriffen gleich beim Zusammentreffen die Flucht, wodurch sich der Sieg für Cyrus entschied.“

Auch die Bewohner Roms bekamen zur Kaiserzeit gelegentlich morgenländische Kamele zu sehen; so erwähnt Suetonius in seiner Biographie des Kaisers Nero: „Kaiser Nero gab Spiele aller Art und zeigte bei denen im Zirkus auch Wagen, vor die vier Kamele gespannt waren.“ Das war damals noch etwas Neues. Erst der extravagante, in Syrien aufgewachsene Kaiser Heliogabalus (218–222 n. Chr.) ließ dieses in Italien als Wunder angestaunte Tier in größerer Menge dahin bringen, ja sogar als Rarität schlachten. Sein Biograph Älius Lampridius berichtet: „Heliogabalus schaffte sich 600 Wagen mit Kamelen an und sagte, das sei gar nicht viel; der König von Persien halte sich ja zehntausend Kamele. Er ließ sich auch öfter ein Gericht zubereiten, das aus Kamelfersen, aus von lebenden Hühnern abgeschnittenen Kämmen und aus Zungen von Pfauen und Nachtigallen bestand, weil man sagte, solch ein Gericht schütze vor Epilepsie. Überhaupt tischte er nicht selten Kamelbraten auf.“

Aus dem irgendwo in Innerasien schon in vorgeschichtlicher Zeit aus dem wilden Kamel gewonnenen Trampeltier ist durch einseitige Weiterzüchtung das Dromedar gewonnen worden. Beide Kamelrassen gelangten bereits scharf in ihren Sonderheiten ausgeprägt verhältnismäßig spät nach Westasien, wo sie uns erst zu Beginn des letzten Jahrtausends v. Chr. in Assyrien entgegentreten. So finden wir auf dem berühmten schwarzen Obelisken von Nimrud im Britischen Museum in London, wie dem assyrischen Könige Salmanassar II. (860 bis 825 v. Chr.), der den größten Teil Syriens eroberte und in Kalach einen prächtigen Palast erbaute, ein recht naturgetreu dargestelltes zweihöckeriges Kamel als Tribut gebracht wird. Dann ist uns in Kujundschik, wie auch in Nimrud die Darstellung je eines beladenen einhöckerigen Kameles erhalten geblieben. In Niniveh fand Place ein Basrelief aus dem 7. vorchristlichen Jahrhundert, auf dem ein assyrischer Bogenschütze auf einem Dromedar reitend dargestellt ist.

In den jüngeren Epochen der jüdischen Geschichte wird uns mehrfach von südarabischen Karawanenzügen berichtet, die aus Tragkamelen bestanden. Es war dies zu einer Zeit, da die Juden selbst noch keine solchen besaßen, sondern sich ausschließlich der Esel zum Lastentragen bedienten. Nach Ägypten kam das Kamel von Syrien aus erst im 4. Jahrhundert v. Chr., wie Adolf Erman feststellte. Erst von jener Zeit an lassen sich Terrakotten mit Kameldarstellungen und Urkunden über Verkäufe dieser Tiere in Ägypten nachweisen. Plinius berichtet, daß zu seiner Zeit, also um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr., eine Karawanenverbindung von Koptos am oberen Nil nach Berenike am Roten Meer mit Kamelen bestand. Später schildert Philostratus einen Touristenverkehr nach den Pyramiden mit Kamelen. Aber erst Ammianus Marcellinus weiß 353 von räuberischen Wüstenbewohnern zu berichten, die mit ihren Kamelen bis zu den Nilkatarakten hin schweiften.

Sehr langsam drang das Kamel im Altertum vom Niltal weiter westlich über Nordafrika vor. Erst im sogenannten afrikanischen Krieg, den Cäsar gegen die Pompejaner und den mit ihnen verbündeten König Juba von Numidien führte, wird berichtet, daß nach der Niederlage von Thapsus im Jahre 48 v. Chr. 24 Kamele mit dem Throne jenes Königs erbeutet wurden. Während der friedlichen Kaiserzeit wird sich das Kamel weiter über Nordafrika verbreitet haben. So wird auf den bildlichen Darstellungen des heiligen Menas, eines Offiziers aus Ägypten, der 296 während der Diocletianischen Christenverfolgung den Märtyrertod erlitt und Gegenstand eines speziellen Kultes in der Oase von Mariût auf der Karawanenstraße zwischen Karthago und Alexandrien wurde, stets das Kamel dargestellt. Erst kürzlich sind dessen Heiligtümer vom Frankfurter Archäologen Karl Kaufmann ausgegraben worden. Jedenfalls fand das germanische Volk der Vandalen, als es 439 unter Geiserich von Spanien nach Afrika übersetzte, ziemliche Herden von Kamelen bei den Nomadenstämmen um das Atlasgebirge. Eine neue Zuwanderung nomadisierender Elemente fand mit den Arabern von Osten her statt, die jedenfalls auch Kamele mitbrachten und der Zucht dieses Tieres in Nordafrika besondere Aufmerksamkeit schenkten.

Ist das Kamel auch ein ausgesprochenes Wüstentier und jetzt das einzige Transportmittel, das für die Wüste Sahara in Betracht kommt, so ist es gleichwohl bei den Stämmen im Innern nicht häufig, sondern wird nur von den Beduinen der Randsteppen in größeren Herden gehalten. Es gedeiht nur in einem heißen, trockenen Klima und wird in den verschiedensten Rassen gezüchtet, in großen, schweren Formen, die mehr zum Tragen schwerer Lasten bis zu 400 kg geeignet sind, und in zierlichen, schlanken, leichten Reitkamelen, den Meharis. Das Heimatszentrum der letzteren ist Arabien, das heute noch die schnellsten Läufer liefert, dasjenige der letzteren dagegen Ägypten.

Südlich vom Wüstengürtel der Sahara hat das Kamel keine größere Verbreitung erlangt. Auch in Südeuropa gedeiht es nur an einigen wenigen Orten, so in der auf einer Ebene bei Pisa gelegenen Kamelstüterei von San Rossore, wo 1810 40, 1841 41 und später etwa 200 Kamele lebten. Von diesen stammt die Mehrzahl der auf den Jahrmärkten bei uns gezeigten Tiere. Dort wurden sie 1622 von Ferdinand II. von Toskana und ein zweites Mal 1738 eingeführt. Der Versuch, das Kamel in Sizilien einzuführen und dort als Lasttier in den Schwefelbergwerken zu gebrauchen, scheiterte an der Feuchtigkeit des Klimas. In Spanien scheint es besser zu gedeihen.

Gleich nach der Eroberung Perus suchte man das Kamel auch hier einzuführen. So sah Garcilasso um 1550 kleine Herden, die Juan de Reinaga eingeführt hatte; sie hatten damals wenig oder keine Jungen. 1570 sah dann Acosta neu von den Kanaren eingeführte Tiere. Um 1750 versuchte man sie auf Jamaika einzuführen. Als man sie aber hatte, wußte man nichts mit ihnen anzufangen. 1800 traf A. v. Humboldt Kamele von den Kanaren in Venezuela. Um 1845 gab es Kamele in Bolivien. Doch kamen sie hier überall herunter, weil ihnen der Feuchtigkeitsgehalt der Luft zu groß war. Auch in Nordamerika konnten sie sich auf die Dauer nicht halten. So führte im Jahre 1856 die Regierung der Vereinigten Staaten 57 aus Smyrna bezogene Dromedare in Texas, Arizona und Neumexiko ein, die während des nordamerikanischen Bürgerkriegs sämtlich in die Hände der Konföderierten fielen. Von ihnen wurden sie zur Beförderung der Post gebraucht und legten im Tag angeblich bis gegen 200 km zurück. Zu den beim Friedensschluß noch lebenden und von der Regierung der Vereinigten Staaten wieder übernommenen Tieren wurden 1866 neu eingeführte gesellt, die mit den alten zu Züchtungszwecken über Arizona und Texas verteilt wurden. Da jedoch viele starben und der Versuch, das Dromedar in Nordamerika zu züchten, mißglückte, ließ man die Überlebenden laufen, und es scheint, daß in den wilden Gegenden von Kalifornien und Arizona noch heute welche leben; diese führen im Laufe des Jahres weite Wanderungen aus. In Australien hat sich das Dromedar besser eingebürgert und bei der Erforschung der inneraustralischen Wüsten sehr große Dienste geleistet. Die erst vor drei Jahrzehnten aus Afghanistan eingeführten Tiere werden gegenwärtig in Westaustralien stark benutzt. Die deutsche Regierung führte sie beim letzten Aufstand der Bastardhottentotten auch in ihrer südwestafrikanischen Kolonie ein, wo sie sich bis heute gut erhielten und trefflich bewährten.

Außer in Arabien und Mesopotamien wird auch in Persien, Afghanistan, Beludschistan und in den Somaliländern die Kamelzucht sehr stark betrieben. Das Reitkamel vermag 16 Stunden lang zu traben und legt dabei bequem eine Entfernung von 140 km zurück. Ordentlich gefüttert und getränkt vermag es ohne Rasttag dazwischen 3–4 Tage solche Anstrengung auszuhalten. Die Lastkamele aber durchmessen mit einer bis 250 kg schweren Last in 12 Stunden bis 50 km. Außer durch ihre Arbeit nützen die Kamele auch durch ihre dicke, fette Milch, die bei den Beduinen besonders an Pferdefüllen verfüttert, sonst auch vom Menschen genossen wird. Die jungen Tiere dienen als Fleischlieferanten. Die ausgehende Wolle dient zur Herstellung von Tuch und Stricken, aus den elfenbeinharten Knochen werden allerlei Drechslerwaren angefertigt. In der Wüste ist ihr Dünger das einzige dem Menschen zur Verfügung stehende Brennmaterial. Nach Denham und Clapperton haben die Kamele der Tibbukuriere kleine Körbe unter dem Schwanze. Mit dem darin angesammelten Dünger kochten dann die Reiter abends ihren Kaffee. Der Schweiß der Kamele ist so salzig, daß die Schafe und Ziegen ihn lecken. Ein junges oder schwaches Kamel kostet manchmal nur 30 Mark, während ein gutes Lastkamel mit 90 und ein Reitdromedar mit 200–300 Mark unseres Geldes bezahlt wird. Die geschätztesten Tiere werden in der Nedjed genannten unwirtlichen Hochebene Mittelarabiens gezüchtet und weithin exportiert.