Ein ausschließlicher Feldvogel, aber auch ein Freund von Gebüsch und niederem Gehölz, ist das Rebhuhn (Perdix cinerea). Es ist Standvogel und nur zum Teil Strichvogel, lebt im Winter familienweise, die übrige Zeit in einzelnen Paaren, die treu zusammenhalten. Im auf Saatfeldern, im hohen Wiesengras und Gestrüpp oder an Buschrändern gut versteckten Neste werden 10–12 Junge ausgebrütet, die von den beiden Eltern sorgsam behütet und zum Auffinden der aus Insekten, Getreidekörnern und anderen Sämereien, wie auch grünen Pflanzenteilen bestehenden Nahrung angeleitet werden. Erwachsen bilden sie mit den Eltern eine sogenannte Kette, die im Herbst mit Hilfe des Vorstehhundes gejagt wird. Hat derselbe mit seinem vorzüglichen Geruchssinn eine solche an den Boden geduckte Rebhuhnfamilie ausgekundschaftet, so bleibt er mit lang vorgestrecktem Hals und einer erhobenen Pfote wie angewurzelt stehen, bis der Herr sie sieht und auf sie schießen kann. Das im Grunde nicht sehr scheue Rebhuhn wird in Gegenden, wo es gejagt wird, sehr vorsichtig und weiß sich seinem Feinde durch rasches Verstecken zu entziehen. In Südeuropa tritt es seltener auf, desto häufiger aber in Mitteleuropa, wo es eines der gemeinsten Feldvögel und das gewöhnlichste Federwild ist. Auf Neuseeland wurde es vor einem Menschenalter mit Erfolg eingeführt.
Die alten Griechen und Römer fingen die Rebhühner mit Netzen, um sie teilweise zahm zu halten und die Männchen gegeneinander kämpfen zu lassen, wie dies heute noch auf den Kykladen mit Steinhühnern geschieht. Nach Oppian wurden sie in der Weise mit Netzen gefangen, daß man sie durch andere Rebhühner hineinlocken ließ, oder der mit einer Hirschhaut verkleidete Jäger schlich sich an sie heran, um sie in Schlingen oder auch Netzen zu fangen. Der etwas später, zu Beginn des 3. Jahrhunderts n. Chr. lebende Grieche Älian schreibt in seinem Buch über die Tiere: „Diejenigen Rebhühner (perdix), die eine helle Stimme oder große Kampfeslust haben, sträuben sich sehr, wenn sie von Menschen gefangen werden, weil sie wissen, daß sie nicht zum Schlachten, sondern deswegen gefangen werden, weil sie durch ihre Stimme und den Kampfesmut ergötzen sollen. Diejenigen aber, die sich bewußt sind, daß sie weder als Sänger, noch als Kämpfer geachtet sind und zum Braten gefangen werden, sind schlau genug, dem Menschen seinen Spaß zu verderben; denn sie fressen nichts, wovon sie fett werden könnten, dagegen Knoblauch in großer Menge. Wer das weiß, gibt sich demnach mit dem Fang dieser Tiere keine Mühe; wer solches aber nicht weiß und auf den Fang geht, der erlebt an seinem Braten wenig Freude.“
Ein weiterer Bewohner der Grassteppe und Getreidefelder ist die Wachtel (Coturnix communis), die die milderen Gegenden Europas von Süditalien nördlich bis Mittelschweden, aber auch weit ausgedehnte Gebiete von Afrika, namentlich aber die Steppenländer Asiens bis nach Nordchina bewohnt. In Europa beherbergen Ungarn und die südrussischen Steppen die meisten Wachteln; in Deutschland hat ihre Zahl besonders im Süden stark abgenommen. Sie ernährt sich wie das Rebhuhn von Insekten, Sämereien und grünen Pflanzenteilen, ist in der Morgen- und Abenddämmerung am tätigsten und verläßt nur in der Mittagshitze ihr Versteck, um sich zu sonnen und im Sande zu baden. Sie fliegt nur ungern und verkriecht sich viel lieber, als daß sie sich einer Gefahr durch Fliegen entzöge. Auf freiem Felde überrascht, drückt sie sich ganz flach auf den Boden, was sie auch tut, wenn sie aufgescheucht wurde und sich wieder niederwarf. Im Frühjahr ist das Männchen sehr kampflustig und schlägt sich auf Leben und Tod mit Nebenbuhlern um ein Weibchen. Dann läßt es fleißig seinen bekannten Schlag hören, den die Römer mit „dic cur hic (sage, weshalb bist du da),“ die Deutschen mit „Bück den Rück“ oder „Flick de Büx“ wiederzugeben versuchten. Wegen dieses seines Balzgesangs wird die Wachtel gern als Stubenvogel gehalten. Sie wird im umgitterten Raume bald ganz zahm und schreitet in ihm auch leicht zur Fortpflanzung. Sogar in den Bauernstuben läßt man sie gern brüten und schätzt den Vogel wegen seines stets munteren Wesens und der Vertilgung manchen Ungeziefers. Noch mehr als bei uns ist die Wachtel in Persien und der Bucharei ein beliebter Stubenvogel, der nicht nur zahlreich in Käfigen gehalten, sondern auch als lebendiges Spielzeug viel in den Händen getragen und gehätschelt wird. Den wilden Vogel schießt man im Herbst wie das Rebhuhn vor dem Hühner- oder Vorstehhund oder fängt ihn in Netzen, und zwar oft mit der Wachtelpfeife, einem kleinen Instrument, das den die Nebenbuhler in die Schranken fordernden Schlag der Hähne oder den Lockton des Weibchens „Krüb krüb“ genau nachahmen muß.
Erst im Juli paart sich die Wachtel. Schon während des Brütens trennt sich das Männchen vom Weibchen; denn die Wachteln führen kein Familienleben wie die Rebhühner. Das Nest der Wachtel findet sich, gut versteckt, meist zwischen Äckergewächsen, seltener im Wiesengras und Sommergetreide, bildet eine kleine, kunstlos mit Hälmchen ausgekleidete Vertiefung, in der 8–14 Eier ausgebrütet werden. Gleich nach dem Auskriechen laufen die Jungen mit der Mutter davon und werden bald selbständig.
Die Wachtel gehört bei uns zu den Zugvögeln. Viele Wachteln überwintern zwar schon in Südeuropa, die meisten gehen aber weit nach Afrika hinein, teilweise bis nach Südafrika. Ende September ziehen sie ab; Mitte September ist der Zug am stärksten, bis anfangs Oktober die letzten Nachzügler abreisen. Die Wachteln fliegen zwar gut, reisen aber gern in der Richtung eines leichten Windes, werden durch Gegenwind veranlaßt, Land oder auch nur Klippen oder Sandbänke, selbst das Verdeck von Schiffen, wo sie ermattet und verwirrt liegen bleiben, aufzusuchen und sollen sich sogar auf den Meereswellen eine Zeitlang ausruhen, kommen aber häufig darin um. In zahlloser Menge erscheinen sie auf ihrem Zuge in Südeuropa und Nordafrika und werden dort in Menge gefangen, so daß sie für die betreffenden Bewohner eine ergiebige Nahrungs- und Erwerbsquelle bilden. Außer der spanischen Küste, Sizilien und manchen Gegenden Nordafrikas ist besonders auch Capri wegen der Ergiebigkeit des Wachtelfangs berühmt. Frühere Bischöfe, zu deren Sprengel das Eiland gehörte, hatten einen bedeutenden Teil ihres Einkommens dem Wachtelfang zu verdanken, der mit Fuß- und Halsschlingen, mit Klebe- und Steckgarnen, vornehmlich aber mit italienisch roccoli genannten Schlagnetzen ausgeübt wird. Die gefangenen, fetten Tiere werden gerupft, ihnen die Köpfe und Füße abgeschnitten, der Bauch geöffnet und die Eingeweide herausgenommen, sie dann wie Heringe verpackt und versendet. Schon die alten Griechen und Römer lagen diesem Fange ob, wie auch die Kinder Israels auf ihrem Zuge durch die Wüste. Der griechische Schriftsteller Oppianos sagt, daß man die Wachteln, wenn sie mit geschlossenen Augen aus Furcht vor dem Meere aufs Land fallen, in Garnen fängt, indem man sie entweder durch in Käfigen gehaltene Wachteln lockt oder in die man sie treibt, indem man ein Kleid auf zwei Stäbe steckt, hochhält und so vorwärts schreitet. In einem kürzlich in Ägypten aufgefundenen Fragment des im 3. Jahrhundert v. Chr. lebenden alexandrinischen Dichters Kallimachos soll ein Priester auf einer der Kykladen ungünstigen Wind für den Wachtelfang bitten... „wenn sich der Wachteln (órtix) Volk stürzt in das Netz aus Garn“. In seiner Naturgeschichte berichtet Plinius von ihnen: „Die Wachteln (coturnix) sind kleine, bei uns mehr an der Erde als in der Luft lebende Vögel. Sie fliegen scharenweise über das Meer und bringen, wenn sie sich dem Lande nähern, selbst Schiffe in Gefahr; denn sie fallen oft in solcher Menge, und zwar bei Nacht in die Segel, daß die Schiffe versinken. Bei ihren Reisen haben sie bestimmte Gegenden, in denen sie sich niederlassen, um zu ruhen. Bei Südwind fliegen sie nicht, weil dieser Wind ihnen zu feucht und schwer ist, und doch wollen sie mit dem Winde fliegen, weil ihr Körper schwer und ihre Kraft gering ist. Die Anstrengung, welche ihnen der Flug verursacht, geben sie durch klagende Töne zu erkennen. Sie fliegen daher vornehmlich mit dem Nordwind und unter Anführung des Wachtelkönigs (eines größeren Vogels, der mit ihnen zugleich nach Süden zieht, aber natürlich sie nicht anführt). Die erste Wachtel, die sich dem Lande naht, holt sich der Falke. Ziehen sie nun weiter, so tun sie sich nach Begleitern um und überreden die Glottis, die Horneule (otus) und den Cychramus, mitzufliegen. Erhebt sich ein dem Zuge widriger Wind, so nehmen die Wachteln kleine Steinchen als Ballast in die Füße, oder den Schnabel voll Sand und fliegen dann weiter. Sie fressen vorzüglich gern giftige Sämereien und werden deshalb nicht verspeist. Sie sind das einzige Tier, das gleich den Menschen am bösen Wesen leidet, und deshalb pflegt man, so oft man eine Wachtel sieht, auszuspucken.“
Daß die Römer nicht wie ihre Nachkommen, die heutigen Italiener, die Wachteln gern gegessen hätten, ist kaum anzunehmen. Sagt doch Varro zu Ende der Republik ausdrücklich: „Manche Leute mästen in ihren Vogelhäusern auch Ortolane und Wachteln und verkaufen dann beide teuer.“ Auch die Griechen verzehrten diesen Vogel gern, aber noch lieber benützten sie die, wie uns bezeugt wird, mit Netzen gefangenen und mit Hirse gefütterten Wachteln, wie heute noch die Chinesen und Süditaliener, zu Kampfspielen. Der 125 n. Chr. geborene griechische Schriftsteller Lukianos sagt, in Athen seien die Wachtelkämpfe sehr beliebt und häufig gewesen. Die Leute hätten sich dabei in großer Menge versammelt; ja, es habe ein Gesetz bestanden, das den Jünglingen gebot, den Wachtel- und Hahnenkämpfen zuzusehen, um von diesen Vögeln, die mit Hartnäckigkeit auf Tod und Leben kämpfen, Tapferkeit zu lernen. Nach dem Berichte des Plutarch war der junge Alkibiades (450–404 v. Chr.) in seiner Vaterstadt Athen auf den Markt gekommen, wo das versammelte Volk gefragt wurde, wer freiwillige Steuern bezahlen wolle. Da meldete sich Alkibiades. „Über diese Freigebigkeit war das Volk entzückt, klatschte und schrie, da vergaß Alkibiades selbst vor lauter Freude die (Kampf-)Wachtel, die er zufällig unter dem Mantel trug, lies sie los und sie flog davon. Nun schrien die Leute noch ärger, jagten hinter der Wachtel her und es gelang dem Steuermann Antiochus, sie wieder einzufangen.“ Der Philosoph Platon sagt, indem er auf die übertriebene Wachtelliebhaberei seiner Zeitgenossen anspielt, im Lysis: „Mir ist denn doch ein braver Freund lieber als die beste Wachtel oder der beste Hahn“, und der Komödiendichter Aristophanes nennt die Söhne seines Kollegen Karkinos „Hauswachteln“, weil sie sich zu Hause immerfort zankten. Er sagt von der Wachtel, sie lasse ihre Stimme während des Kampfes ertönen, das Rebhuhn dagegen vorher und der Haushahn nach dem Siege. An einer andern Stelle schreibt er, die Athener hätten denen, die sie liebten, gern Purpurhühner, Wachteln oder Gänse geschenkt. Noch um 200 n. Chr. waren die Wachteln als Kampfvögel bei den Griechen beliebt, denn der damals in Alexandrien lebende Athenaios nennt Leute, die gar zu erpicht auf Kampfwachteln sind, Wachtelnarren. Von ihnen übernahmen die Römer diese Liebhaberei, so daß wir die Behauptung des Plinius, daß man in Rom keine Wachteln esse, dahin deuten können, daß sie von den reicheren Römern lieber zu Kampfspielen denn als Braten verwendet wurden. Noch heute ist in vielen Städten Italiens, insbesondere in Neapel, der Wachtelkampf eine beliebte Volksbelustigung. Die Wachtelhähne werden mit Hirse gefüttert und dann auf jedes Ende eines länglichen Tisches einer gesetzt. Alsbald nähern sich die Tiere und hauen so wütend mit Schnabelhieben aufeinander ein, daß die Federn fliegen und das Blut aus offenen Wunden fließt, bis eines besiegt ist und die Flucht ergreift. Der Besitzer der siegreichen Wachtel bekommt den ausgesetzten Preis und kann das Tierchen, wenn es mehrmals gesiegt hat, oft für 10–12 Goldstücke verkaufen, da der Käufer durch weitere Siege diese Summe reichlich wieder einbringen kann. Allerdings haben schon im Altertum die besseren Elemente von dieser Volksbelustigung gelassen. So schreibt Marcus Antonius, er habe vom Philosophen Diognetos gelernt, keine Wachteln zum Vergnügen zu halten und überhaupt sich nicht mit Albernheiten abzugeben. Übrigens wurde damals die Wachtel außer zum Kampf auch zu Spielen aller Art verwendet. So schreibt Julius Pollux von einem griechischen Spiele, das Wachtelhieb genannt wurde. Dabei setzte einer seine Wachtel in die Mitte eines gezogenen Kreises; ein anderer aber versetzte ihr einen schwachen Hieb mit dem Finger. Wich nun die Wachtel nach diesem Hiebe aus dem Kreise, so hatte der Besitzer der Wachtel die Wette verloren.
Denselben Griechen verdankten die Römer und in der Folge das ganze Abendland die Einführung des Fasans (Phasianus colchicus), von dem wir erfahren, daß ihn einst die unter Anführung des Jason zur Erlangung des von einem grimmigen Drachen gehüteten goldenen Vließes ausgezogenen Argonauten, d. h. Schiffer auf dem Schiffe Argo, am Flusse Phasis, im Lande Colchis südlich vom Kaukasus kennen lernten und danach phasianós, d. h. den phasischen Vogel nannten. Dieser ursprünglich Westasien bewohnende Vogel ist heute durch den Menschen nicht nur in den Mittelmeerländern, sondern in Europa bis England und Norddeutschland, d. h. soweit die klimatischen Verhältnisse es zuließen, verbreitet worden. Schon die Römer, die ihn von den Griechen mit demselben Namen übernommen hatten, brachten ihn wie den Pfau in ihre Kolonien nach Südfrankreich und Helvetien, von wo aus er allerdings erst zu Ende des Mittelalters als Wildling weiter nordwärts vordrang. Während er heute in ganz Süddeutschland, Böhmen und Österreich im Zustande vollkommener Wildheit lebt, wird er in Norddeutschland noch unter Obhut des Menschen in sogenannten Fasanerien gehalten, und, wenn freilebend, wenigstens in strengen Wintern gefüttert. Als nunmehr vollkommen eingebürgertes Wild wird der Fasan mit dem Hühner- oder Vorstehhund in seinem Lager aufgesucht und zum Schuß gebracht, oder nach Zerstreuung eines Volkes in Steckgarnen gefangen. Man beschleicht auch die Hähne beim Balzen und stellt, wenn viele auf einmal geschossen werden sollen, förmliche Treibjagden auf sie an, wie dies bei großen Herren Mode ist.
Eine Lieblingsjagdart vieler Jäger ist die auf dem sogenannten Schnepfenstrich, wenn im ersten Frühjahr die Schnepfen aus ihren in Südeuropa gelegenen Winterquartieren zu uns in ihre Brutgebiete zurückkehren. Was dieser Jagd ihren besonderen Reiz verleiht, ist das dabei zu beobachtende Wiedererwachen der Natur, wenn schon die Wildtauben, das Rotkehlchen, die Amsel, die Heidelerche, die Bachstelze aus dem Süden eingetroffen sind und mit ihren Werbelauten den Wald beleben. Man unterscheidet drei Arten von Schnepfen.
1. Die Waldschnepfe (Scolopax rusticula), die mit Ausnahme einiger nordischer Inseln alle Länder Europas, wie auch ganz Mittel- und Nordasien bewohnt. Im Norden trifft man sie während des Sommers in allen größeren Waldungen an, wo sie, ohne einen Unterschied zwischen Laub- und Nadelholz zu machen, feuchte, sumpfige Stellen, niemals aber eigentliche Sümpfe und freie Moräste bewohnt. Nur in der Dämmerung begibt sie sich auf Waldwiesen und Viehtriften in der Nähe des Waldes, wo sie sich von allerlei Getier ernährt, die sie mit ihrem feinfühligen, langen Schnabel aus der Erde zieht. Fleißig wendet sie zur Erbeutung von Würmern, Schnecken und Insektenlarven das vermodernde Waldlaub um und bohrt in Rinderdünger, wie auch in von jenen belebten weichen Bodenschichten ihren Schnabel ein, den sie zum Erfassen und Verschlingen ihrer Beute nur vorne öffnet, ohne ihn aus dem Boden herauszuziehen. Laufend weicht sie zwar häufig einer Gefahr, z. B. einem Hühnerhund, aus und duckt sich, ihrer Schutzfärbung wohl bewußt, zu Boden, aber, um etwas zu suchen, fliegt sie am liebsten. Dabei bewegt sie sich in geringer Höhe langsamer als die übrigen Schnepfenarten.
Die ungeheure Anzahl von Waldschnepfen, die auf ihrem Herbstzuge fast alljährlich gefangen und vertilgt wird und trotzdem immer wiederkehrt, legt die Vermutung nahe, daß das Hauptbrutgebiet der Waldschnepfe die dünn bevölkerten, einsamen Wälder Nordrußlands und Sibiriens sind. Jedenfalls ist die Waldschnepfe im Osten und Norden viel reichlicher als Brutvogel vertreten als im Westen und Süden. Während sie schon auf den Karpaten in ziemlicher Zahl brütet, gehört sie im waldarmen Frankreich und England zu den seltenen Brutvögeln und wird auch bei uns fast nur auf dem Durchzuge geschossen, wenn sie je nach der Witterung von Mitte März an in ihre nordische Heimat zurückkehrt. Ihre Straße ist nicht stets dieselbe, so daß man sie in einem bestimmten Revier nicht alle Jahre gleich häufig zu sehen bekommt. Der Balzflug, der gewöhnlich nur in einer Höhe von 12–15 m ausgeführt wird und in der Abend- und Morgendämmerung nicht viel länger als 1⁄4 Stunde dauert, niemals bei Kälte und Ostwind, besonders aber bei warmer, regnerischer Witterung und bei Südwestwind, der die stets mit dem Winde wandernden Schnepfen herbeiführt, stattfindet, ist eine Art Unterbrechung des Frühlingszuges, um dem Männchen ein Weibchen zu verschaffen oder einem schon gewonnenen seine Aufmerksamkeit zu erweisen. Wenn es dann liebetrunken mit dick aufgeblähtem Gefieder mit kurzen Flügelschlägen langsam unter Ausstoßen leiser, pfeifender und quaksender Töne über dem Gehölze streicht, fällt es dem Blei des Jägers zum Opfer.