Eine beliebte Methode, um diese, wie auch die dem Menschen verhaßten kleinen Raubvögel, wie Raben und Elstern zu schießen, besteht in der Anwendung einer Krähen- oder Schuhuhütte. Diese ist auf einem freiliegenden, weithin sichtbaren Hügel angebracht und außen mit Rasen bedeckt. Ein Pfahl mit Querholz trägt den Uhu, den man durch Zerren an einer Schnur zum Flattern bringt, wenn ihn seine Feinde nicht bemerken sollten. Ringsum stehen eingegrabene Bäume mit dürren Ästen, auf denen sich die Vögel niederlassen können und von denen sie herabgeschossen werden können, wenn sie nicht schon beim Losfahren auf den Uhu erlegt werden.
Zum Schlusse geziemt es sich, unter den Vögeln, die mit dem Menschen in engerem Zusammenhange stehen, auch den weißen Storch (Ciconia alba) anzuführen, der im Gegensatz zu seinem einzigen, ebenso weit verbreiteten europäischen Gattungsgenossen, dem schwarzen Storch (C. nigra), seit dem hohen Altertum in Sage und Geschichte unzertrennlich mit ihm verbunden ist. Als das Einschlagen des Blitzes verhindernd und überhaupt glückbringend, siedelte er ihn auf den Giebeln seiner Wohnungen und Kirchen an, indem er ihm in einem flachen Korb oder in einem alten Wagenrad Nistgelegenheit bot, die er sonst auf hohen Bäumen mit ausgebreiteten Ästen oder abgebrochenem Wipfel suchte, um hier sein kunstloses Nest aus Stecken, Reisern, Schilfrohr und Erdklumpen zu bauen. Sein würdevolles Betragen, sein gravitätischer Gang und die Eigenschaft, sich von im Boden hausenden und darin die Seelen der darin Bestatteten in sich aufnehmenden Tieren zu ernähren und damit selbst ein Seelenträger zu sein, brachte ihn beim gemeinen Volke von jeher in den Geruch der Heiligkeit und garantierte ihm, als in vermeintlichem Besitze überirdischer Kenntnisse und Gaben seiend, Unverletzlichkeit. Bei den alten Germanen war er der Adebar oder Seelenträger, der die kleinen Kinder den Eltern bringen sollte. Bei den Orientalen zeigt er sich uns in den Märchen von Tausend und einer Nacht als ein verwunschener Prinz, dem die höchste Einsicht in künftiges Geschehen verliehen sein soll. Vom Menschen unterscheide er sich nur durch das Fehlen des Sprachvermögens. Was dem Storche aber an Stimmitteln fehlt, das ersetzt er reichlich durch sein Klappern, das schon von den Jungen im Neste geübt wird, beim Männchen stärker als beim Weibchen ist und bald Freude und Verlangen, bald Hunger, Zorn und Ärger ausdrückt. Mit Klappern erheben sich die Störche, wenn sie gegen Ende August in größeren Trupps nach dem warmen Süden verreisen, mit Klappern begrüßen sie im Frühjahr ihr Nest, wenn Ende Februar oder Anfang März zuerst das Männchen und einige Tage später das Weibchen nachts in ihre alte Heimat und Niststätte einrücken. Alljährlich kehrt dasselbe Paar dahin zurück, um ihre 3–5 Jungen großzuziehen, die nach dem Ausschlüpfen aus den Eiern noch mehr als zwei Monate hindurch unter der rührenden Pflege und Aufsicht der Eltern im Neste bleiben. In den ersten Tagen würgen ihnen die Alten halbverdauten Futterbrei in den Schnabel, indem sie dessen Spitze in den Mund nehmen, so daß die Jungen nur zu schlucken brauchen. Später würgen sie ihnen das Futter aus dem Kehlsack, zuerst ins Nest hinein, später an dessen Rand, und schließlich lassen sie dieselben ihre tierische Nahrung sich selbst suchen.
Schon die alten Griechen glaubten, wie uns Aristophanes und gleicherweise Aristoteles erzählen, die Störche hätten von alters her ein Gesetz, wonach die Jungen, sobald sie flügge sind, ihre Eltern ernähren müssen. Aristoteles sagt, daß die Störche und andere Vögel, wenn sie verwundet würden, Dosten (origanon) auflegen. Noch der gelehrte Plinius schreibt in seiner Naturgeschichte: „Man weiß noch nicht, woher die Störche (ciconia) kommen und wohin sie ziehen. Wollen sie fortziehen, so versammeln sie sich an einem bestimmten Orte, wobei keiner fehlt, er schmachte denn in menschlicher Gefangenschaft. Und sie beginnen nun den Zug, als wenn der Tag dazu durch ein Gesetz bestimmt sei. Niemand hat sie wegziehen sehen, obgleich jeder die Anstalten zu ihrem Abzuge bemerkt; ebensowenig sieht man sie zurückkehren, sondern nur, daß sie zurückgekehrt sind; denn beides geschieht zur Nachtzeit. In Asien liegt auf einer weiten Ebene ein Ort, welcher Pythonos Kome heißt; dort versammeln sich die Störche, murmeln, zerreißen den zuletzt kommenden und dann erst ziehen sie weg. Manche behaupten, der Storch habe keine Zunge (tatsächlich hat er eine, aber eine sehr kleine). Wegen Vertilgung der Schlangen wird er so hoch geehrt, daß Leute, die einen töteten, sonst in Thessalien mit dem Tode bestraft wurden. Die Störche kehren jedes Jahr zu ihrem Neste zurück. Die jungen ernähren ihre Eltern, wenn diese schwach werden.“ Und der Grieche Älianos schreibt: „Alexander der Myndier (der ein auch von Athenaios um 200 n. Chr. erwähntes naturgeschichtliches Buch schrieb) sagt, daß die Störche, wenn sie alt geworden sind, nach den im Okeanos gelegenen Inseln ziehen, dort menschliche Gestalt annehmen und für die fromme Liebe, die sie ihren Eltern erwiesen, den Lohn empfangen. Auch wollen die Götter dort, wie ich glaube, ein frommes und heiliges Geschlecht absondern, da ein solches sonst nirgends unter der Sonne ein Plätzchen findet. Mir scheint das keine Fabel. Und was hätte denn Alexander davon gehabt, wenn er sich solche Fabeln erdacht hätte. Ein verständiger Mann wie er lügt selbst dann nicht, wenn er den größten Vorteil davon haben könnte.“
Ähnliche Verehrung, wie bei den Abend- und Morgendländern der Storch, genoß bei den alten Ägyptern der heilige weiße Ibis (Ibis religiosa), der durch das Verschlingen und Wegschaffen von tierischen Leichen ebenfalls als ein Seelenträger galt und als solcher mit besonderen Eigenschaften ausgestattet gewähnt wurde. Der griechische Geschichtschreiber Diodorus Siculus schreibt: „Die Ägypter behaupten, der Ibis nütze durch Vertilgung der Schlangen, Heuschrecken und Raupen“, und Strabon sagt, daß sie in Ägypten, dank ihrer Unverletzlichkeit, sehr zutraulich seien. „In Alexandreia wimmeln alle Straßen von ihnen; sie sind nützlich, weil sie alles Tierische auflesen, namentlich die Abfälle der Fleisch- und Fischmärkte, andererseits aber lästig, da sie alles beschmutzen.“ Sein Kollege Älianos weiß die merkwürdigsten Dinge von diesem, nach ihm der Mondgöttin heiligen Tiere zu berichten, das nie aus Ägypten weggehe, weil dieses Land unter allen das feuchteste sei. Zum Ausbrüten seiner Eier brauche er so viel Tage als der Mond ab- und zunimmt. „Freiwillig wandert der Ibis nicht aus; fängt ihn aber jemand und bringt ihn mit Gewalt fort, so ist alle Mühe vergeblich; denn der Vogel hungert sich zu Tode. Er schreitet ruhig und wie ein Mädchen einher und geht immer nur Schritt vor Schritt. Die schwarzen Ibisse beschützen Ägypten gegen die aus Arabien kommenden geflügelten Schlangen, die weißen Ibisse aber vernichten die Schlangen, welche zur Zeit der Überschwemmung aus Äthiopien kommen. Ägypten wäre verloren, wenn es nicht von Ibissen beschützt würde. Er ist sehr hitziger Natur, frißt Schlangen und Skorpione. Nur sehr selten sieht man einen kranken Ibis. Den ganzen Tag geht er im Schmutze herum, sucht darin nach allerlei Dingen, steckt den Schnabel in alles, badet sich aber erst gehörig ab, bevor er schlafen geht. Um den Katzen zu entgehen, nistet er auf Palmbäumen; denn auf diese klettern die Katzen wegen der daran befindlichen Hervorragungen nicht gern.“ Tatsächlich bevorzugt der Ibis zum Nisten eine Mimosenart, die die Araber der dichten, ungemein dornigen, ja fast undurchdringlichen Äste halber harasi, d. h. die sich Schützende nennen. Aus den Zweigen des harasi besteht auch das innen mit Grashalmen ausgepolsterte flache Nest des Vogels, in welchem die 3–4 Eier ausgebrütet werden.
Zur Zeit der alten Ägypter haben die heiligen Vögel sich höchstwahrscheinlich im Zustande einer Halbgefangenschaft in Tempelhöfen fortgepflanzt. Heute tun sie dies bei guter Pflege nicht allzuselten in unseren Tiergärten. Noch heute stellt man dem Ibis im Sudan nicht nach, obgleich sein schmackhaftes Fleisch die Jagd wohl lohnen würde. So aßen auch die alten Griechen und Römer den Storch nicht. Erst der gottlose einstige Prätor Asinius Sempronius Rufus soll die Sitte, junge Störche zu essen, in Rom eingeführt haben, worauf Horaz in einer seiner Satiren auf seine genußsüchtige Zeitgenossen anspielt.
Wie die Ägypter den heiligen Ibis, so hielten die alten Griechen und Römer das prächtig gefärbte Purpurhuhn (Porphyrio hyacinthinus) in halber Gefangenschaft in den Höfen ihrer Villen und Heiligtümer. So schreibt der Grieche Älian von ihm: „Das Purpurhuhn (porphyríon) ist ein ausgezeichnet schönes Tier. Es badet sich im Staube wie im Wasser, frißt aber nicht gern vor Zeugen, daher am liebsten in einem Versteck. Die Menschen haben es sehr gern und füttern es mit großer Sorgfalt. Es paßt gut in prachtliebende, reiche Häuser, auch in Tempel, und geht in diesen als heiliger Vogel frei umher. Schwelger schlachten den Pfau, der ebenfalls schön ist, aber ich weiß von keinem Menschen, der das Purpurhuhn für die Tafel geschlachtet hätte.“ Mit dem Untergang der alten Kultur verschwand auch dieses Tier wieder aus der Nähe des Menschen.
XXVII. Pelz-, Schmuckfedern- und Schildpattlieferanten.
Zu allen Zeiten hat bei den mehr im Norden wohnenden Völkern, bei denen es im Winter empfindlich kalt wurde und denen es an der nötigen Erwärmung der nur mangelhaft verschließbaren Räume fehlte, die Pelzkleidung hohe Wertschätzung gefunden. Dies war um so eher möglich, als gerade die für sie zunächst in Betracht kommenden nordischen Tiere zum Schutze gegen die winterliche Kälte ein sehr schönes, dichtes Fell besitzen, das sich der Mensch zu seiner Erwärmung, daneben auch als Zierde gern aneignete. Noch im Mittelalter spielte der Pelzbesatz als Schmuck in der Männerkleidung eine große Rolle, während ihn heute fast ausschließlich die Frauen tragen. Bei diesen ist allerdings der Pelz nicht nur zum Wärmen, sondern in erster Linie als Schmuck, heute mehr Mode als je; die elegante, reiche Frau schwelgt geradezu im Pelzwerk. Und wie immer, ist die für sie geschaffene Mode auch für die minderbegüterten Kreise maßgebend. Sie paßt sich den kleinen Geldbörsen an, und die dienstwillige Industrie zaubert für diese Nachahmungen aus billigem Pelzwerk hervor, die, technisch von überraschender Vollendung, schließlich auch der Arbeiterfrau und dem Dienstmädchen eine Pelzstola und einen Pelzmuff zu tragen gestatten.
Bis über das Mittelalter hinaus war das gewaltige russische Reich der Hauptlieferant des Pelzwerkes für die Kulturvölker Europas und die Häfen der Ostsee bildeten die Hauptstapelplätze dieses Handels. Die Entdeckung Amerikas lenkte den Pelzhandel in neue Bahnen und verschaffte den Europäern zahlreiche neue Produkte, die teilweise große Wertschätzung fanden. Um den großen Bedarf zu decken, sind heute zahllose Menschen mit der Beschaffung und Verarbeitung von Pelzen aller Art beschäftigt; und zwar kommt das Material Kanadas in London und dasjenige Sibiriens in Nischni Nowgorod und Irbit im Gouvernement Perm auf den Markt. In diesen Städten kaufen dann die Leipziger Großhändler und andere die Ware, um sie zugerichtet und teilweise auch gefärbt in den Handel zu bringen. Nur für den echten Sealskin besitzt London noch das Monopol, sonst hat es Leipzig für alle übrigen „Rauchwaren“ — wie der technische Ausdruck lautet —, so daß dort die Pelzhändler aller kaukasischen Kulturländer ihren Bedarf einkaufen. Da nicht weniger als 75 Prozent des ganzen Bestandes des großen russischen Pelzstapelplatzes Nischni Nowgorod nach Leipzig gelangen, ist es begreiflich, daß ein jährlicher Umsatz von etwa 50 Millionen Mark in Pelzen erzielt wird.