Wie vielleicht jenes alte Reitervolk, das aus Innerasien hervorbrach, ritten nach dem Zeugnisse des Römers Trebellius Pollio die Skythen nur Stuten, indem man vermutlich die überschüssigen Hengste, die nicht zur Zucht gebraucht wurden, als Opfertiere schlachtete.
Fingen nun die betreffenden Westasiaten, die von diesem Reitervolke heimgesucht wurden, die ihrer Reiter entledigten Stuten, so konnte es nicht ausbleiben, daß diese mit dem hier bereits als Haustier gehaltenen Esel zusammengesperrt wurden, wobei sich Gelegenheit zur Bastardierung von selbst ergab. So etwa ist der Ursprung der in Westasien sehr alten Maultierzucht zu erklären.
Als man dann später die Vorteile dieser Bastardierung inne geworden war, pflegte man sie neben der Pferdezucht auszuüben. Nur manche Völker, wie beispielsweise die Juden, lehnten sie als ungehörig ab. So verbot das Gesetz den Juden, wie jede Bastardierung überhaupt, so auch diese. Bei den alten Persern waren die Maultiere ebenso gebräuchliche als beliebte Arbeitstiere wie bei den ältesten Griechen. Wir haben bereits gesehen, welche Verbreitung die Maultiere bereits in homerischer Zeit hatten und wie die Esel damals nur als Beschäler der Pferdestuten, also als Zuchttiere für die Maultiergewinnung benutzt wurden. Nicht anders scheint es bei den Mykenäern und dem ganzen illyrischen Kulturkreis zur Mitte des zweiten vorgeschichtlichen Jahrtausends gewesen zu sein, indem hier nach den Abbildungen das Maultier neben dem Pferd zum Ziehen der zweiräderigen Wagen und daneben auch zum Reiten ohne Schabracke und Sattel oder Bügel benutzt wurde. Im Heere der Perser spielten die Maultiere wie die Esel zur Beförderung der Bagage eine wichtige Rolle. So meldet uns der griechische Geschichtschreiber Herodot: „Als der Perserkönig Darius (im Jahre 513 v. Chr.) über die Donau gegangen war, um gegen die Skythen Krieg zu führen, zeigte sichs bald, daß die feindliche Reiterei der seinigen weit überlegen war. Indessen fand sichs, daß die Perser an den Eseln und Maultieren, welche in ihrem Lager waren, mächtige Bundesgenossen hatten; denn die skythischen Pferde nahmen vor ihnen Reißaus, weil sie dergleichen nie gesehen hatten, und fürchteten sich nicht bloß vor ihrem Anblick, sondern auch vor ihrer Stimme.
Als endlich Darius doch in Not geriet, blieb ihm nichts übrig, als sich zurückzuziehen, und dabei brauchte er folgende List: wie es Nacht war, ließ er die Esel im Lager anbinden und Feuer anmachen. Darauf zog er heimlich mit dem Heer von dannen, während die Skythen sicher glaubten, er wäre noch da; denn sie hörten die Esel laut schreien. Diese Tiere schrieen aber deswegen, weil ihre Herren weggegangen waren.“
Tafel 31.
Für die Maultierzucht verwendeter, sehr schwerer italienischer Eselhengst. Größe 1,54 m Stockmaß, dreijährig.
(Aus Karl Hagenbecks Tierpark in Stellingen.)
Großes Arbeitsmaultier, von Karl Hagenbeck aus Nordamerika importiert. Größe 1,80 m Stockmaß.
Tafel 32.