16.
Trübe Wolken. Die verschmähten Liebhaber.
17.
Das Concert. Graf Klammheim. Absagebriefe.
1. Die Abendgesellschaft.
Die Oper war zu Ende. Doch der rauschende Beifall, der die Talente der jungen Sängerin Henriette, die als neu engagirtes Mitglied zum erstenmal aufgetreten war, anerkennend ehren sollte, schien kein Ende nehmen zu wollen. Immer neu wiederholte sich das schallende Getöse tausend bewegter Hände, und dazwischen tönte der unablässige Ruf des Namens der Schönen. Endlich rollte der Vorhang wieder auf; die Holdselige erschien in aller der Anmuth, durch die sie den ganzen Abend über entzückt hatte. Gegen den Lärmen, der sich jetzt erhob, war das vorige Getöse eine Todtenstille zu nennen. Jeder überließ sich dem lautesten Ausbruch seines Entzückens. Die junge Sängerin allein kam nicht zu Worte, und mußte mit stummen Verbeugungen zurücktreten; doch ihre vor Freude glänzenden Blicke sagten deutlich, was sie empfand. Allein fast noch deutlicher sprachen die Blicke sämmtlicher jungen und alten Herren im Schauspiel; keiner, dem nicht der Liebesgott spöttisch aus den Augen gesehen hätte. Sogar der alte Feldmarschall von Rauwitsch, auf dessen unter Feldzügen ergrautem Haupt kaum noch einiges Haar zu zählen war, sogar der schien noch im späten Alter von einem Pfeil getroffen worden zu seyn, gegen den er sich vielleicht zu sicher gepanzert glaubte. Denn nicht nur die Brust hatte er mit hartem Erz gegen Amors Schüsse zu waffnen gesucht, nein, seine Vorsicht ging weiter, sogar das Gesicht, die Nase nicht ausgeschlossen, hatte er mit Bachus Hülfe, der in Kupfer besser zu arbeiten versteht, als Vulkan, mit einem purpurartigen Ueberzug jenes röthlichen Metalles gedeckt. Die Augen, um auch dort sicher zu seyn, hatte ihm derselbe gütige Gott Bachus verglasen helfen. Doch Amor, der Alliance spottend, war dennoch durchgedrungen; wie, das wissen die Götter; allein unbezweifelt war es, denn der Adjutant hörte den Marschal im Heraustreten aus der Loge sagen: „Drei Tage wollte ich keinen Pontac riechen, wenn ich einen Kuß von dem kleinen Teufelskind dafür einhandeln könnte.“ Und einen höhern Schwur that er nie. Aehnlich war es dem Major Kegelino ergangen, der, auf dem Casino fast eingerostet, sich diesmal doch hatte überreden lassen, die Parthie zu versäumen und die Oper zu verträumen. Denn gehört hatte er wahrscheinlich nichts, so hatte die junge reizende Sängerin ihn verblendet, ja betäubt. Als er in den Wagen stieg, rief er dem Kutscher zu: „Nach dem K— Theater“ aus dem er nämlich eben kam; so beschäftigte ihn der Gedanke, die auf den folgenden Tag angesetzte Wiederholung des Stücks ja nicht zu versäumen. Doch der Kutscher, der wohl merkte, wie es mit dem Herrn stand, fuhr ihn in die L— Straße vor sein Haus, und hatte die Absicht des Majors richtig errathen.