Zu einem Glase guten Bordeaux rauchten wir Importen, die auch nirgends so gut und billig waren wie in der Rue de la Pompe.
Langen kam nicht aus dem Lachen heraus, als ich [pg 244]ihm nach seiner Rückkehr von unseren pünktlich eingehaltenen Zusammenkünften erzählte.
Die Schilderungen Josèphes und ein paar leere Zigarrenkisten gaben die Illustrationen dazu ab.
Mein Weg führte mich fast täglich ins nahe Bois de Boulogne.
Ich wußte nichts Schöneres, als ein paar Stunden unter den grünenden Bäumen zu sitzen, in dieser Mischung von lauen Frühlingslüften und zartem Parfüm.
Die große Welt und die Halbwelt rollten in eleganten Equipagen an mir vorüber, Wagen an Wagen, aber man sah nichts gewollt Auffälliges, hörte keinen Aufsehen erregenden Lärm, es war überall wirkliche Heiterkeit, die nicht auf Zuschauer berechnet war, und wie Geläute von kleinen silbernen Glocken drang aus den Kaffeegärten das Lachen der Frauen herüber.
Aber wenn ich an stillen Frühlingsabenden auf den gepflegten Wegen spazierenging und die Amseln pfeifen hörte, überkam mich doch das Heimweh.
Es war mir erst recht wohl, als ich etliche Wochen später in Finsterwald vor dem Sixbauernhause saß. Und roch es auch nicht nach zartem Parfüm und klang es auch nicht nach silbernen Glöckchen, die Frühlingsluft wehte stärker, derber und gesünder um mich.
Schlenther, damals Direktor des Burgtheaters, hatte meine „Lokalbahn“ zur Aufführung angenommen, und so stand ich eines Abends im Januar 1903 vor dem Wiener Prachtbau, sah Equipagen heranrollen, geputzte Damen und festlich gekleidete [pg 245]Herren aussteigen und ins Theater eilen, um meiner Premiere beizuwohnen.
Ich stand hinter einer Säule und schaute ihnen zu.