Es bedurfte eines guten Willens und eines tüchtigen Verstandes, um diese Einsamkeit nicht als drückend zu empfinden.

Daran fehlte es nicht, und zeitlebens haben meine Angehörigen sich gerne jener Zeit erinnert.

Und so will ich Abschied nehmen von den schlichten Menschen, die „tätig treu in ihrem Kreise nie vom geraden Wege wichen“.

Die meisten von ihnen sind tot und haben mir das Heimweh hinterlassen nach ihrer redlichen Art und nach dem Fleck Erde, der mir durch sie so teuer geworden ist.


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Schuljahre

Es ist mir nicht bekannt, ob der Wortlaut der Disziplinarsatzungen unserer bayrischen Gymnasien heute ein anderer ist als vor dreißig Jahren; die Ansichten der Lehrer wie der Schüler haben sich jedenfalls geändert, und darum ist trotz aller Widerstände ein vielbegehrter und viel angefeindeter Fortschritt erzielt worden. Als ich Schüler der oberen Gymnasialklasse war, galt uns Jungen körperliche Ausbildung nicht viel mehr als unseren Professoren. Sie nannten alles, was sie fördern konnte, Allotria treiben, und sie waren immer besorgt, daß die Jugend nicht vom Studium abgelenkt wurde.

Wenn ich heute die Scharen junger Leute in die Berge laufen sehe, Backfische mitten unter heranwachsenden Jünglingen, stelle ich mir vor, was die Rektoren älterer Ordnung dagegen zu sagen gehabt hätten oder wie die Eltern vor so etwas zurückgeschreckt wären.

Wie sauertöpfisch stellten sich viele Lehrer gegen den einen herkömmlichen Maispaziergang! Einige mußten immer wieder daran erinnert werden, und wie oft schrieben wir an die Tafel: „Oramus dominum professorem, ut ambulemus!“ Endlich ließ sich der Gestrenge [pg 64]herbei, das Unvermeidliche zu gewähren. Man fuhr etwa nach Bruck, ging zum Maisacher Keller und zurück, und der forsche Schüler trank dann mehr, als er vertragen konnte. Es gingen Heldensagen in der Klasse herum, daß der und jener vierzehn Halbe Bier hineingeschüttet habe, und alle staunten das an.