In München hatte ein Prinz das Absolutorium zu bestehen, und dem hätte man es nicht schwer machen wollen.
Meinen Ansprüchen genügte die Prüfung, und zu meiner Freude genügte ich den Ansprüchen.
Ein seliger Vormittag, als wir unter dem Tore des Gymnasiums die Hüllen von den farbigen Mützen entfernten und nun mit leuchtenden Rotkappen durch die Stadt gingen.
Beim Abschiedskommerse hatte ich die Rede zu halten.
Meine Kommilitonen trauten mir nach etlichen dichterischen Versuchen, die ich hinter mir hatte, Erkleckliches zu, und an tüchtigen Redensarten von der Sonne der akademischen Freiheit hätte es auch nicht gefehlt, wenn ich nicht beim zweiten Satze steckengeblieben wäre.
Ich rang nach Worten, fand kein einziges und setzte mich unter peinvollem Schweigen hilflos nieder.
Ähnliches war nie geschehen, und ich glaube, daß es mir der Jahrgang lange nachgetragen hat.
Die Situation rettete aber mein verehrter Studiendirektor, der sogleich aufstand und eine wohl gegliederte und durchdachte Rede an die abziehende Jugend hielt.
Manches kluge und manches schöne Wort aus den nun abgetanen Klassikern war darin verflochten, und ich sah freilich, wie man’s hätte machen sollen.
Die Befriedigung über das ungewöhnliche Hervortreten des Rektors, die Freude an seinen Worten schwächten einigermaßen das Unbehagen, das ich verursacht hatte, ab.