Es war die Ankündigung des „Simplicissimus“.
Was regte sich damals für eine Fülle von Talent und Können, und vor allem von Teilnahme an diesen Dingen!
Mag die Bedeutung beider Wochenschriften beurteilt werden, wie immer; auch ein Gegner kann es nicht leugnen, daß sie frisches, neues Leben brachten.
Wer erschrak und widerstrebte, war doch mit hineingezogen in den Kreis dieser neuen Interessen, die München aus dem Schlafe aufweckten.
Mit welcher Aufmerksamkeit betrachtete man die Zeichnungen, prüfte man die Beiträge, las man die Namen der Künstler und Schriftsteller!
Sie waren Ereignisse, über die man diskutierte, nicht Kaffeehauslektüre, die man durchblätterte und weglegte; sie gaben mannigfaltigste Anregung und öffneten die Bahn für die Jungen, die sich mit den Älteren messen wollten.
Ich schickte zögernd und ohne rechtes Vertrauen ein politisches Gedicht an die „Jugend“ und war nicht wenig stolz, als es schon in der zweiten Nummer erschien.
Ein paar andere folgten, und meine Zuversicht wuchs.
Damals war das „Gasthaus zur Post“ in Traunstein verkauft und der Pachtvertrag gelöst worden; meine älteste Schwester erwarb eine Fremdenpension in München, die Zuspruch fand, und wir vereinbarten, daß ich mich nach einiger Zeit in der Stadt als Anwalt niederlassen sollte.
Ein Herr, der Gast in der Pension war, fragte mich eines Tages, ob ich der Verfasser der Gedichte in der „Jugend“ wäre, und als ich es bejahte, meinte er, ich [pg 177]sollte nicht abseits von der aufstrebenden Bewegung bleiben und mich nicht bloß gelegentlich und so von außen her daran beteiligen.