Aber meine Mutter hat es ihr verboten, daß sie mich ausspottet, und sie sagte: „Du sollst nicht so reden, Aennchen, wenn er doch krank war und sich vorgenommen hat, ein neues Leben zu beginnen. Er wird es schon halten und mir viele Freude machen.“ Da habe ich weinen müssen, und die alte Theres hat es auch gehört, daß ich vor meinem Tod solche Vorsätze genommen habe. Sie hat furchtbar laut geweint, und hat geschrien: „Es kommt von dem vielen Studieren, und sie machen unsern Buben noch kaput.“ Meine Mutter hat sie getröstet, weil sie gar nicht mehr aufgehört hat.

Da bin ich ins Bett gegangen, und es war so schön, wie ich darin gelegen bin. Meine Mutter hat noch bei der Türe hereingeleuchtet und hat gesagt: „Erhole Dich recht gut, Kind.“ Ich bin noch lange aufgewesen und habe gedacht, wie ich jetzt brav sein werde.

Tante Frieda

Aus: Tante Frieda. Verlag Albert Langen, München

Meine Mutter sagte: „Ach Gott ja, übermorgen kommt die Schwägerin.“ Und da machte sie einen großen Seufzer, als wenn der Bindinger da wäre und von meinem Talent redet.