Die Tante hat gesagt, sie muß sehr sparsam sein, weil sie so wenig Pension hat und kein Geld nicht. Sie möchte jetzt sehr froh sein, wenn sie von früher ein bißchen Vermögen hätte, aber ihr Joseph hat nichts gespart von dem Gehalt, weil es wenig war und weil er geraucht hat und in der Woche zweimal ins Wirtshaus gegangen ist. Und von daheim hat sie auch nichts bekommen, weil ihre Brüder studiert haben und so viel gebraucht haben.
Da hat meine Mutter gesagt, daß mein Vater als Student gar nicht viel gebraucht hat.
„Woher weißt Du das?“ hat die Tante gefragt. „Er hat es mir oft erzählt,“ hat meine Mutter gesagt. „Er hat Stunden gegeben auf dem Schimnasium, und wie er auf der Forstschule war, hat er auch einem jungen Baron Stunde gegeben.“
„Das hat er bloß so gesagt,“ hat die Tante geantwortet und hat ein großes Stück von der Wurst in den Mund gesteckt.
Meine Mutter ist ganz rot geworden und sie hat ihre Haube auf den Haaren fester gesteckt und hat gesagt:
„Nein, Frieda, er hat in seinem ganzen Leben nie keine Unwahrheit geredet.“
Die Tante ist zuerst still gewesen, weil sie die Wurst kauen mußte, und sie hat sich die Nase gerieben. Und dann hat sie wieder geredet. „Wenn er Stunden gegeben hat, dann möchte ich bloß wissen, wo er das viele Geld hingetan hat. Ich weiß es doch besser, und wir drei Schwestern haben es büßen müssen, weil kein Vermögen nicht da war und keine was mitkriegte.“
„Warum redest Du immer solche Sachen?“ hat meine Mutter gefragt.
„Ich meine ja bloß,“ hat sie gesagt, „und weil es wahr ist. Zum Beispiel hat mich der Assessor Römer gern gesehen, und er ist jetzt Regierungsrat in Ansbach, und er hätte mich geheiratet, wenn etwas dagewesen wäre, aber so natürlich hab ich bloß einen Postexpeditor gekriegt.“