Die Tante hat ihn gefragt, ob er immer den Kaffee so gerne gemocht hat, und er hat gesagt, ja.
Da hat sie gelacht und hat gesagt, das kann sie gar nicht glauben, weil die Studenten doch so gern Bier trinken.
Da hat er auch gelacht und hat gesagt, daß er nicht viel getrunken hat, weil er fleißig sein mußte und nicht viel Geld hatte.
Aber die Tante hat wieder gesagt, sie glaubt es einmal nicht.
„Warum glaubst Du es nicht?“ hat meine Mutter gesagt. „Es gibt doch viele Studenten, die kein Bier nicht trinken, und der Herr Amtsrichter hat keine Zeit dazu gehabt, und er mußte mit seinem Gelde sparen.“
„Das weiß man schon, wie die Studenten sparen,“ hat die Tante gesagt. „Wenn sie nichts mehr haben, so lassen sie alles aufschreiben. Das weiß niemand besser als ein Mädchen, von dem drei Brüder studieren. Und der Herr Amtsrichter hat so wenig Haar auf dem Kopf, da war er gewiß einmal recht lustig.“
Aennchen hat gerufen: „Aber Tante!“ Und meine Mutter hat gerufen: „Aber Frieda!“ Und sie hat gesagt: „Was habt Ihr denn? Ich meine es im Spaß, und es ist doch wahr, daß man seine Haare verliert, wenn man recht lustig ist und ein bißchen gerne trinkt.“
Ich habe gemeint, der Steinberger ärgert sich. Aber er hat gelacht und hat gesagt, daß er schon oft in diesem Verdachte steht, aber er ist einmal krank gewesen, und da sind ihm die Haare weggekommen.
Er ist bald aufgestanden, weil er in seine Kanzlei muß, und er hat meine Mutter auf die Hand geküßt und hat vor der Tante eine Verneigung gemacht, und mich hat er lustig beim Ohr genommen und hat gesagt: „Sei recht brav, wenn Du es fertig bringst, Du Schlingel!“
Aennchen hat ihn bis zur Haustür begleitet; wie wir allein gewesen sind, hat meine Mutter gesagt: „Frieda, es ist schrecklich mit Dir! Wenn er beleidigt ist, kann ich nie mehr gut sein mit Dir.“