Möchte der Winter Ihnen ohne die Belästigungen vergehn, die er uns Allen bringt. So ödes Licht und die Natur so schmutzig, man lebt doch nie mehr in der Hoffnung, als im Winter. Das ist recht die Zeit dazu, Pläne zu machen. Auch ich habe welche. Zuerst komme ich nach Berlin, zu Ihnen; dann schreibe ich zwei übermüthige Stücke, eins nach dem andern. Das erste soll ein Volksstück werden, ich habe unser Märchen vom schlafenden Dornröschen zu Grunde gelegt, und lasse vier schnurrige Gesellen darnach ausziehn. Das Ganze soll so sehr als möglich der herrschenden Form der Wiener Possen sich anschließen, damit die Laune und Satyre, über die ich etwa commandiren kann, nicht zu sehr befremdlich werde. Dies Stück ist schon einmal gemacht[11], aber es ist zu sehr Skizze geblieben, ich muß es lustiger, burlesker austreiben. Dazu warte ich auf Uebermuth. — Das Zweite soll was Großes werden, und ich kann sehr ausführlich melden, was es Alles werden soll, da ich noch über nichts im Klaren bin.

Leben Sie wohl, mein lieber, hochgeehrter Mann, bleiben Sie mir hold, ich bin

mit inniger Verehrung

Ihr

treu ergebener

Freytag.


Genast, Eduard.

Dieser mit vollem Recht geachtete dramtische Sänger und Darsteller hat seinen Lebenslauf in dem vielgelesenen Buche: „Aus dem Tagebuche eines alten Schauspielers“ selbst geschildert, und es dürfte nicht schwierig sein, in demselben die Beziehungen auf beide hier mitgetheilte Briefe zu finden. Er verbindet und vermittelt durch dasselbe gewissermaßen drei Generationen, von seinem (in Trachenberg, auf Fürst Hatzfeldts schlesischem Schlosse — nicht wie er schreibt: Drachenberg — geborenem) Vater, Schillers später nie mehr erreichtem Kapuziner, bis zu seinem neuerdings mit verdientem Glücke in der Litteratur aufgetretenem Sohne, dessen Roman: „Das hohe Haus“ viele Freunde gefunden hat.