Ein Brief von Ihrer Hand, veranlaßt durch Ihre menschenfreundliche Theilnahme am Schicksale eines würdigen Künstlers, war mir eine höchst erfreuliche Erscheinung; nur wurde diese Freude durch die schmerzliche Ueberzeugung getrübt, daß für Herrn Prof. Cauer wegen einer befriedigenden Anstellung in Heidelberg nicht viel zu hoffen sein möchte. Ohne Zweifel haben Sie die Hauptsache bereits von Frau v. Metting erfahren; und in dieser Voraussetzung habe ich, der ich mich der Trägheit im Correspondiren noch in viel höherem Maaße rühmen darf, als Sie es von sich gethan haben, die Beantwortung Ihres liebevollen Schreibens bis auf die Ferien und die Abtretung meines Prorectorats hinausgeschoben, so daß, weil noch andre Wüste auf ihre Erledigung warteten, ich erst jetzt dazu komme.
Mit der Stelle eines akademischen Zeichenlehrers oder Professors der Zeichenkunst und Mahlerei verhält es sich so: Unser seliger Prof. Roux hatte zwar eine Besoldung von 800 fl.; allein diese hatte er nicht bloß seinen allerdings sehr anzuerkennenden Verdiensten zu verdanken, sondern zugleich der kräftigen Verwendung seines berühmten Schwagers Gensler. In den letzten Jahren haben die Ausgaben unserer Universität deren Einnahmen um mehrere 1000 fl. überschritten, und es hängt nun Alles vom gegenwärtigen badischen Landtage ab, ob und um wieviel die Einnahme vergrößert werden soll. Wenn keine oder eine ungenügende Verbesserung beliebt werden sollte, so müssen wir auf die Anstellung eines Zeichenlehrers vor der Hand gänzlich verzichten; aber auch im günstigsten Falle wird die für einen Solchen auszuwerfende Besoldung schwerlich 400 fl. übersteigen. So wünschenswerth es nun auch für unsre Stadt und für unser ganzes Land sein würde, wenn wir mit dem Zeichenlehrer zugleich einen tüchtigen Bildhauer gewännen, so frägt es sich, ob Prof. Cauer auch bei einer so geringen Besoldung geneigt sein würde, die Stelle zu übernehmen. In diesem Falle darf ich Ihnen gar nicht verbergen, daß noch viele andre Competenten vorhanden sind, von denen Einige den, vielleicht in den Augen der Regierung in Anschlag kommenden Vorzug haben, Landeskinder zu sein, andre den Vorzug, daß sie sich bereits einige Zeit hier aufhalten, und dem hiesigen Publicum ihren Leistungen nach genauer bekannt sind, wobei sich Koopmann aus Hamburg und Schmidt aus Rheinbaiern am meisten Anerkennung erworben haben. Diese Mittheilung soll Herrn Prof. Cauer nicht abschrecken, sondern nur ihn mit den Verhältnissen bekannt machen. Sollte er sich daher mit einer so geringen Besoldung zufrieden geben, so lassen Sie es gefälligst den Hofrath Rau, als jetzigen Prorector und Bekannten der Frau v. Metting, oder mich innerhalb 4 bis 6 Wochen gefälligst wißen. Eher wird auf keinen Fall an die Wiederbesetzung der Stelle gedacht. Was ich dann nach meiner besten Ueberzeugung für Prof. Cauer thun kann, soll geschehen; nur bleibt bei den angeführten Verhältnissen der Erfolg immer zweifelhaft. Die Bittschrift des Prof. Cauer nebst den Zeugnissen befinden sich in den Händen des neuen Prorectors, und Herr Prof. Cauer hat zu bestimmen, ob ihm die Zeugnisse sogleich zurückgeschickt werden sollen, oder erst nach ausgemachter Sache.
Unser gemeinschaftlicher Aufenthalt in Baden ist meiner Frau und mir immer in süßem Andenken. Herzlich bedauert haben wir es, daß nicht Ihre vorjährige Reise nach und von Baden Sie über Heidelberg führte, und daß auch wir nicht dahin kommen konnten. Diesen Sommer, Mitte Juni, gedenken wir dahin zu gehn. Wie schön, wenn wir dort wieder mit Ihnen zusammenträfen! Unser Malchen Engletz wird uns zwar nicht begleiten; sie ist seit 1½ Jahren an den Pfarrer Frank in Lich (Hessendarmstadt) glücklich verheirathet, hat schon ein Töchterchen, und hat uns vor einigen Wochen mit ihrem Manne auf ein Paar Tage besucht. Durch Ihre Grüße, die ich größtentheils ausgerichtet habe, habe ich überall viele Freude erregt. Schlosser, sofern Sie darunter wahrscheinlich den auf Stift Neuburg wohnenden verstehn, habe ich noch nichts von Ihnen sagen können, da er sich den Winter hindurch in Frankfurt aufgehalten hat, und erst in diesen Tagen zurückgekommen ist. Creuzer hat vor 8 Wochen seine Frau verloren; so sehr ihn dieser Verlust angriff, so befindet er sich gegenwärtig doch ganz erträglich. Abeggs sind recht wohl, so bekümmernd auch im letzten Winter die Nachrichten wegen des damals in Göttingen studirenden und jetzt nach Frankreich geflohenen Sohns waren.
Meine Frau emphiehlt sich Ihnen, Ihrer Frau Gemahlin, Ihren Fräulein Töchtern und der gnädigen Gräfin Finkenstein auf das Herzlichste, und ich erlaube mir, wiewohl zum Theil unbekannt, mich hierin meiner Frau anzuschließen.
Mit ausgezeichnetster Hochachtung
Ihr
ergebenster Diener
und Freund
L. Gmelin.