Der Vorschlag ist gewiß eins von C.’s besten Mantel- und Degen-Stücken, obwohl es auch hier an auffallenden Aehnlichkeiten, z. B. mit der Dama duende und Los empeños, nicht fehlt. Sonderbar, daß diese Gattung in Deutschland so wenig ansprechen will, da doch in ihr, wie ich glaube, C. sich am reichsten und eigenthümlichsten zeigt. Es ist nicht zu läugnen, daß alle Personen seiner heroischen Stücke, in welchem Lande und zu welcher Zeit diese auch spielen, im Grunde nur verkleidete Spanier aus dem Zeitalter Philipps IV. sind. In den Lustspielen sind diese gerade an ihrer rechten Stelle; und hier will man sie nicht dulden, da man doch auf dem deutschen Theater mit allen übrigen Nationen sich recht gut verträgt.

Wir schicken nun diesen Band gleichsam als enfant perdu in die Welt hinaus, um zu versuchen, ob die sehr erloschene Theilnahme des Publikums sich einigermaaßen wieder beleben läßt. Der Verleger klagt jämmerlich über den elenden Absatz. Es gehört zu den seltsamsten Widersprüchen unsrer Zeit, daß, obwohl Jeder weiß, wer und wie man recensirt, dennoch die Recensionen einen so entschiedenen Einfluß auf den Absatz eines Werkes haben. Die ersten Bände des Calderon, in den meisten kritischen Blättern mit Beifall angezeigt, haben schon zum zweitenmal gedruckt werden müssen; die letzten, von welchen die öffentliche Kritik wenig oder gar keine Notiz genommen, sind noch im Ueberfluß vorräthig. Ich zweifle sehr, daß dieser Band größere Aufmerksamkeit erregen wird, und aller Wahrscheinlichkeit nach werden mit ihm meine Curae Calderonicae beschlossen seyn.

Sie haben Wilh. Schlegel in Bonn gesehen. Allerdings wäre sein Urtheil über meine Verdeutschungen mir besonders wichtig; allein obwohl ich ihm die früheren Bände des Calderon, die Umarbeitungen des Tasso und den neuen Ariost zugesandt, hat er alle diese Sendungen nie mit einem einzigen Worte erwiedert. Die alte Zeit unsers Zusammenlebens in Jena und Dresden scheint ganz aus seinem Gedächtniß verschwunden zu seyn, sonst würde er doch wohl irgend ein Zeichen seines Andenkens gegeben haben. Oder scheinen ihm meine Bestrebungen aller Theilnahme so ganz unwürdig? „Wenn ich ein wenig Sanscrit nur verstände!“

Daß Fr. Schlegel so plötzlich, in Ihrer Nähe, aus dem Leben scheiden mußte, hat mich um Ihrentwillen tief erschüttert. Und überdies, er war ja doch auch ein Genosse jener unvergeßlichen Zeit von 1797–99, an die ich noch immer nicht ohne Sehnsucht zurückdenken kann. Zwar muß ich gestehen, geliebt habe ich ihn niemals, und das Thun und Treiben seiner späteren Jahre war mir von Herzen zuwider. Was hat nur diesen eminenten Geist auf so bedauernswürdige Abwege leiten können? Ich habe ihn zu lange gekannt, um annehmen zu können, daß es eigne, reine Ueberzeugung war; wenn er auch zuletzt vielleicht sich selber weiß machte, er glaube das alles, was er Andere glauben machen wollte.

Auch mir hat der Tod wieder ein schmerzliches Opfer abverlangt; ich habe einen Bruder in Hamburg verloren, der mir von allen meinen Geschwistern der liebste war. Dadurch ist auch die Reise nach H., die ich mir für diesen Sommer fest vorgenommen hatte, auf eine traurige Weise vereitelt worden.

Wie sind Sie denn durch diesen furchtbaren Winter gekommen, und durch diesen rauhen Frühling, der eigentlich nichts als ein etwas gelinderer Winter ist? Ich hoffe, Sie haben sich besser gehalten als ich; zwei Monate lang war ich krank und zu allem unfähig.

Leben Sie wohl, mein geliebter Freund; und wenn es möglich ist, schenken Sie mir bald einige Zeilen. Von ganzem Herzen

Ihr

J. D. Gries.