4) Auch die Tieckisch-Solgerische Zeitschrift will Max gern in der verlangten Art übernehmen; nur wünscht er, daß erst zu Michaelis das erste Stück erscheinen möchte. Es sollte mir sehr lieb sein, wenn es hier erschiene, und gern will ich auch etwas beisteuern, in so lieber Gesellschaft zu erscheinen: ich mißtraue mir nur, etwas würdiges dazu liefern zu können. — Wenn Solger in den Ferien zu Ihnen kömmt, oder gar schon dort ist, so können Sie ja wohl alles vorbereiten und einleiten. Grüßen Sie ihn herzlich von mir, und nächstens würde er die versprochenen Bücher bekommen. Wie gerne wäre ich auch in diesen schönen Tagen, die wahre Frühlingsboten sind, bei Ihnen in Ihrem Zauberschlosse!

Besprechen Sie doch auch mit Solger die Ausgabe der Kleistischen Werke, weshalb ich schon an Sie beide auch für Max geschrieben. Es ist endlich Zeit, daß dieser Edelstein erkannt werde.

5) Endlich, die Sammlung von Erzählungen, Novellen, Mährchen, Schauspielen, was es sei, so ist von Ihnen alles willkommen (z. B. auch die ganze Donaunymphe, wovon der herrliche Anfang in der Sängerfahrt). Sie sollen, wie sich versteht, an der Spitze stehen. Steffens hat einige Mährchen oder Erzählungen (z. B. die, woraus Schellings Darstellung in Terzinen herrührt) dazu versprochen; aber es ist unsicher, da er jetzt mit den Zerrbildern der Zeit beschäftigt ist; in welche sich jetzo die Turnfehde einmischt (durch Passow’s Turnziel). Dann giebt Raumer einige geschichtl. Schaustücke; und ich werde mit einigen ganz bescheidenen Mährchen hinterdrein kommen. Wegen des Honorars wünscht Max, Sie möchten für das Mskpt. einen runden Preis annehmen, da er es in sehr kleinem Format drucken will, und nicht wie den, auch zu großen, Phantasus, den Sie als Norm genommen: oder 2 Louisd. für einen solchen kleinen Bogen annehmen. Schicken Sie nur recht bald alles was Sie irgend haben und geben wollen. Max wird es alsbald honoriren. Auch antworten Sie recht bald auf alles: am besten, Sie thun beides zugleich.

Bald hoffe ich den Wolfdietrich zu bezwingen. Jetzo sitze ich tief in meinen Reisepapieren, die zu redigiren: ich liefere dazu ein Urkundenbuch aller Denkmale des Mittelalters, die ich unterwegs gefunden und gesammelt. Auch beginnt nun endlich das große Heldenbuch in der Ursprache (von Gudrun habe ich Ihnen wohl schon geschrieben?), da Reimer endlich das Papier dazu sendet. Der Druck geschieht hier. Schreiben Sie mir doch, was Ihnen von meinen Büchern noch fehlt, und es fliegt sogleich zu Ihnen. Nun liebster Freund, leben Sie wohl und gesund; meine Frau grüßt Sie herzlich. Behalten Sie mich lieb.

Der Ihrigste

v. d. Hagen.

V.

Breslau, d. 9ten Jan 1819.

Mein theuerster Freund;

Ich bin in langer Briefschuld gegen Sie, und habe sie selbst ins neue Jahr mit hinüber nehmen müssen: ich habe aber dafür desto mehr an Sie gedacht, indem ich mich immer daran gemahnt habe. Unterdessen haben Sie zwei Bände gedruckter Briefe von mir erhalten, die ich allerdings auch mit an Sie geschrieben habe. Ich hatte große Scheu, sie herauszugeben, und bin auch noch sehr besorgt, daß viel Dummes oder Unbedeutendes darin stehen geblieben, und fürchte mich insonderheit vor Ihrem durchschauenden Blicke. Aber nun ist’s einmal geschehen, und Sie bekommen bald einen dritten, ja noch einen vierten Band. Warum haben Sie Ihre Reisebriefe noch nicht herausgegeben? die würden mich gewiß abgeschreckt haben, meine drucken zu lassen. Ich bin so in das Kunstlabyrinth hinein gerathen, daß ich noch nicht weiß, wie ich wieder herauskommen soll: indessen gefällt es mir sehr darin, und ist auch wohl kein bloßer Durchgang. Am liebsten ist mir dabei, daß ich auch hier meinem Herzen genugthun und Ihrer (in München) so gedenken konnte, wie es Ihnen hoffentlich nicht mißfallen hat. Von Ihrem trefflichen Bruder wird noch in Pisa und Carrara die Rede sein; mit seinem treuen Rauch habe ich mich schon mit Vergnügen an unser nur zu kurzes Beisammensein erinnert. Seine und Ihre schöne Karten sind immer noch in meinen Händen; wären Sie mir nicht so lieb, so hätten Sie sie schon längst wieder; ich kann immer ihre Bekanntmachung noch nicht aufgeben, und sie wäre gewiß schon zu Stande, wenn der hiesige treffliche Buchdrucker Barth, der eine geschickte Steindruckerei hat, nicht kürzlich gestorben wäre. Ich stehe aber mit seinen Erben noch deswegen in Unterhandlung, und bitte nur noch um eine kurze Frist: ich hoffe das Geforderte gewiß für Sie zu erhalten. — Sodann, wie stehts mit den Mährchen oder Erzählungen für Max? er verlangt heißhungrig darnach, und ich bitte mit ihm recht sehr darum. Steffens (der Sie bei der Durchreise doch wohl sehen wird) hat seine Beiträge sicher versprochen, wenn Sie vorangingen, und ich gebe auch einiges von Novellen oder Erzählungen dazu, wenn Sie mich nicht verschmähen: Sie müssen aber der Herausgeber sein, und mich unter ihre Federn und Flügel nehmen. — Im Herbst bin ich in Wien gewesen, mit vielem Nutzen und Vergnügen, bedaure aber höchlich, dadurch meinen lieben Solger hier nicht gesehen zu haben. Wien ergänzte meine bisherigen Wanderungen in Deutschland: es ist herrlich, das Volk still vergnügt, der Stephan in gewisser Rücksicht vollkommener als der Freiburger und Straßburger Münster, und die Bildergallerie erstaunlich: wer sie nicht gesehen, kennt den Dürer nicht, und seine Anbetung der Dreieinigkeit kann neben Eick und den andern Boissereeschen Bildern bestehen. — Dann machten wir (meine Frau mit) die Nibelungenfahrt aufwärts bis Linz, besuchten in Pechlarn den milden Markgrafen, — und reisten über Mölk und andere gastliche Abteien bis auf den herrlichen Traunsee — und über das reiche Prag heim. Nun habe ich freilich wieder alle Hände voll zu thun und nachzuholen: die Briefe, die große Samml. des Heldenbuchs, die eben im Druck beginnt (die Originale: was macht unsre Bearbeitung?), die neue Asugabe der Nibelungen, und Tristan; — es wird freilich immer weniger fertig als man denkt; aber die eigentliche Lust ist ja das Machen, Entwerfen, — nicht das Fertige. — Meine Frau grüßt beßtens, und ich alle die lieben Ihrigen und Freunde in Ihrem Zauberschloß. Behalten Sie mich lieb, und antworten auch einmal