Ihr

Carl Hardenberg.

N. S.

Ihre liebe Frau und Schwägerin grüßen Sie bestens; Was meynt die Leztere zu dem Vorschlag, Friz zu mahlen? — Das 1ste Buch von meinem Roman sollen Sie bei Gelegenheit erhalten. — Ich nehme jetzt meinen Abschied; schon in diesen Tagen; Was dann aus mir wird, ist noch nicht ganz bestimmt; Wahrscheinlich Oekonom, oder Forstmann; mir ist am Ende jeder Stand recht; Nur muß ich jezt eine Lage wählen, wo ich im Anfange viel zu thun, und doch auch Gelegenheit meine Gesundheit zu schonen, habe. — Wie geht es mit Ihrer Gesundheit? Grüßen Sie die Ernst.

Zum 1sten July gehe ich ins Bad nach Liebenstein; adressiren Sie aber nur an mich hierher.

Haben Sie doch die Güte, mir Ihre Wohnung zu bezeichnen.

VIII.

Meiningen, d. 12ten Novbr. 1801.

Ihnen, mein guter Tiek, intressirt das Schicksal Ihres Freundes zu sehr, als daß ich nicht mit Gewißheit voraussehen sollte, daß Ihnen die Nachricht einer wichtigen und freundlichen Veränderung meiner Lebens Weise angenehm seyn würde. — Ich bin versprochen, und zwar auf eine, mir selbst kaum begreifliche, zufällige, schnelle Weise versprochen; Meine liebe Braut, ist eine Frl. v. Uttenhoven von hier; Ihr Vater ist Geh. Kammerrath; — Meine Caroline ist ein liebes, einfaches, weibliches Wesen; der heilige Ernst fehlt Ihr nicht, und Ihre zärtliche Liebe macht mich so glücklich, als ich hier auf dem Boden der Prüfung noch werden konnte. — Es kömmt mir noch mannigmal vor, als träumte ich, und kaum wage ich es, die frohen Stunden fest zu halten; Werde ich glücklich, so ist es nur der Seegen meines Friz, der mich ewig umschwebt; er war und ist mein Genius des Himmels; und was ich genieße, habe ich nur durch ihn. — Wahrscheinlich werde ich nun den Winter hier zubringen; — In Weissenfels sieht es noch trüb und traurig aus; dort ist der Frieden entflohen; Meine gute Schwester wird wohl bald ausgelitten haben. — Desto theurer ist mir mein jetziges Verhältniß; ich hätte das Alles nicht ertragen, hätte mir der Himmel nicht auf einer andern Seite frohe Aussichten gezeigt; — Sollte ich noch länger auf der Erde bleiben, so mußte ich wieder gefesselt werden; für mich war Alles locker und lose geworden. — Mit F. Schlegel habe ich bey meiner Durchreise nur wenige Worte gesprochen; ich bin ganz mit Ihnen, wegen der Herausgabe der nachgelassenen Schriften, einverstanden; machen Sie es ganz nach Ihrem Sinne; Sie guter Tiek, kannten unsern Friz am tiefsten in Hinsicht seiner litterärischen Arbeiten, und Sie können auch am Besten urtheilen, was dem Druck kann übergeben werden; Nur eine kleine Auswahl unbedeutender Aufsätze aus frühern Jahren behalte ich mir vor; Wie? und Wann? Ihnen die Papiere schikken? kann ich zwar noch nicht genau bestimmen, doch denke ich, in einigen Monaten gewiß. — Haben Sie die Lehrlinge von Sais? es ist das einzige Manuscript, das mir fehlt. — Für die Aenderungen in dem Liede in Ihrem Musen-Almanach, der mich unendlich freut, den herzlichen Dank; ich fühle jetzt wie nothwendig sie waren. — Haben Sie Zeit, guter Tiek, so schreiben Sie mir doch einmal hierher; können Sie mir dann vielleicht einige meiner Lieder corrigirt mitschikken? Adjeu; Ewig